Was alles in eine Hausbar gehört – Jetzt wirds flüssig

Was alles in eine Hausbar gehört – Jetzt wirds flüssig

Oliver Fischer
Zürich, am 23.12.2021

Ich habe mir eine Hausbar eingerichtet. Was es dafür wirklich braucht und worauf du verzichten kannst, das habe ich dir einmal zusammengefasst. In diesem Teil geht es um Spirituosen und Mischgetränke.

Ob in meiner Heimat Chur, im kleinen Zürich oder im grossen Berlin – eine gute Bar ist eine gute Bar. Auf, am oder an der Wand hinter dem Tresen stapeln sich unzählige Gläser verschiedenster Formen und Grössen. Shaker, Messbecher, Löffel, Trinkhalme warten sauber aufgereiht auf die flinken Hände der Bartender. Unzählige Schnäpse und Liköre reihen sich aneinander und werden mit sich selbst, gekühlten Limonaden oder Fruchtsäften zu süssen, fruchtigen, sauren oder bitteren Cocktails geschüttelt und gerührt.

In deiner und meiner Hausbar braucht’s an Bar-Utensilien natürlich nur einen Bruchteil. Aber welchen? Das Angebot ist gigantisch und der Platz in der privaten Küche knapp bemessen. Darum hier eine Zusammenfassung, was es in Sachen Spirituosen, Likören und weiteren Flüssigkeiten gibt. Vor allem aber, was du dir für deine Hausbar anschaffen solltest – und was ich mir in die Bar gestellt habe.

Welche Werkzeuge, Shaker und Gläser ich in meiner Hausbar stehen habe, das kannst du hier nachlesen:

  • KnowhowKochen

    Was alles in eine Hausbar gehört – Utensilien und Gläser

Drei Cocktail-Rezeptbücher hab ich mir angeschafft, um zu sehen, welche Drinks es überhaupt gibt und welche Zutaten man dafür braucht. Darin sind natürlich manche Klassiker dreifach vertreten. Alles in allem würde ich aber sagen, dass da einige Hundert Cocktail-Rezepte zusammenkommen. Die simpelsten bestehen aus drei, die kompliziertesten locker aus acht bis zehn Zutaten – Deko nicht eingeschlossen. Jetzt will ich ja nicht jeden dieser Drinks sofort mixen können. Eine kleine, feine Auswahl klassischer und moderner Cocktails soll es aber schon sein.

Ich gehe hier nicht allzu sehr in die Tiefe bei den verschiedenen Spirituosen, Likörs und Füllgetränken. Ich versuche, dir eine Übersicht geben, welches die wichtigsten Zutaten sind, die in eine Hausbar gehören.

Spirituosen

Gemäss Duden zählen dazu alle Getränke mit einem Alkoholgehalt von über 20 Volumenprozent, andere Quellen sagen sogar schon ab 15. Ich fasse darunter aber nur hochprozentige Getränke zusammen, die gemeinhin als Schnaps bezeichnet werden, und handle Liköre separat ab.

Das sind die Spirituosen, die ich für Drinks brauche. (Stand November 21)
Das sind die Spirituosen, die ich für Drinks brauche. (Stand November 21)

Wodka

Wodkas sind meistens Weizen- oder Kartoffeldestillate, die klar und praktisch geruchs- und geschmacklos sind. Verkauft werden sie in der Regel mit 40 bis 44 Volumenprozent. Geruchslos ist Wodka, weil er in der Herstellung bis auf 96 Volumenprozent gebrannt und dann mit Wasser verdünnt wird. Im Prinzip kann Wodka aus jedem kohlenhydrathaltigen Rohstoff hergestellt werden. In verschiedenen Ländern, z.B. Frankreich, gibt es auch Wodka aus Trauben.

Gin

Vereinfacht gesagt ist Gin Rohalkohol, der mit verschiedenen pflanzlichen Geschmacksträgern aromatisiert wurde. Zwingend muss Wacholder ein dominant wahrnehmbarer Geschmacksträger sein. Dazu können nach Belieben weitere sogenannte Botanicals wie Koriandersamen, Zitrusfrüchte, Ingwer oder beliebige andere dazu kommen. Die Aromatisierung erfolgt durch ein- oder mehrfaches Destillieren des Rohalkohols. Die Botanicals können darin eingelegt sein oder der Alkoholdampf wird über die Botanicals geleitet und nimmt dabei die Aromen mit. In der Schweiz muss Gin mindestens einen Alkoholgehalt von 37,5 Volumenprozent aufweisen.

Tequila/Mezcal

Ist Mezcal eine Unterart von Tequila oder doch umgekehrt? Beides sind Spirituosen aus Mexico, aus dem Herzen der Agaven-Pflanze destilliert. Um die Frage zu beantworten: Tequila ist eine Art von Mezcal. Also: Jeder Tequila ist auch ein Mezcal, aber nicht jeder Mezcal ist ein Tequila. Zwei Kriterien sind dabei wichtig: erstens die geografische Herkunft und zweitens die Rohstoffe. Mezcal wird aus verschiedenen Agavenarten hergestellt und muss zu mindestens 51 Prozent aus dem Saft von Agaven produziert sein. Tequila ist eine Art von Mezcal, die aus einer einzigen Agavenart, der blauen Agave, hergestellt wird und auch nur in einigen Regionen rund um die Stadt Tequila. Üblich ist für Tequila ein Alkoholgehalt von 38 bis 40 Prozent.

Für Tequila werden ausserdem zwei Reinheitsstufen und fünf Alterungsgruppen unterschieden. Entweder besteht ein Tequila zu 100 Prozent aus Agave oder zu mindestens 51 Prozent, wobei der Rest meist Rohrzucker ist. Der reine Tequila darf nur in Flaschen abgefüllt versendet werden, der sogenannte Mixto auch im Fass. Die fünf Altersstufen heissen:

  • Silver, blanco, plata: Direkt nach der Destillation abgefüllt
  • Gold, joven, oro: Mischung aus Silver und einem gealterten Tequila
  • Aged, reposado: Mindestens zwei Monate im Eichenfass gelagert
  • Extra-aged, añejo: Zwischen einem und drei Jahren im Eichenfass gelagert, maximal 600 Liter Volumen
  • Ultra-aged, extra-añejo: Mindestens drei Jahre im Eichenfass gelagert

Rum

Rum gibt es in Weiss und in Braun. Ganz einfach? Rum wird mehrheitlich aus Rohrzuckermelasse hergestellt. Es gibt ausserdem Rum aus frischem Rohrzuckersaft. Nach der Destillation beträgt der Alkoholgehalt zwischen 65 und 75 Volumenprozent. Durch Verdünnung mit destilliertem Wasser wird daraus weisser Rum. Dieser wird entweder in Edelstahlfässern oder in Holzfässern gelagert. Durch die Lagerung im Holzfass nimmt er, je nach Dauer der Lagerung, eine mehr oder weniger intensive Farbe an, wodurch er zum braunen Rum wird. Zudem verändert sich der Geschmack des Rums. Rum stammt ursprünglich aus der Karibik, wobei es wichtig ist, von welcher Insel er stammt. Es gibt Cocktails, zum Beispiel den Planter’s Punch, für die im Originalrezept verschiedene Rums von verschiedenen Inseln verwendet werden.

Whiskey/Whisky

Ja, diese unterschiedlichen Schreibweisen sind wichtig und haben (meistens) mit der Herkunft zu tun. Whiskey schreibt man den Schnaps in Irland und den USA, Whisky in Schottland. Es gibt aber Ausnahmen. Und für Whisk(e)ys aus anderen Ländern der Welt, wie der Schweiz oder Japan, gibt es keine Regel.

So und jetzt zum Wesentlichen: Whisky wird aus Getreide destilliert. Das kann Weizen, Roggen, Hafer oder sonst ein Getreide sein. In der EU gilt dann eine Mindestlagerdauer von drei Jahren in Holzfässern. In anderen Ländern gibt es eigene Regeln. Diese legen etwa Alkoholgehalt - in der EU mindestens 40 Volumenprozent - oder Destillationsverfahren fest. In den USA ist Whiskey aus Mais unter der Bezeichnung Bourbon weit verbreitet.

Das sind die wichtigsten fünf Spirituosen, die auch in einer kleinen Hausbar Platz finden sollten. Weil ich aber sowieso schon mehrere Whiskys, zwei Gins und je einen weissen Rum und Wodka zu Hause hatte, sind nur noch ein brauner Rum und ein Tequila dazu gekommen. Damit bin ich bis jetzt gut gefahren. Die verschiedenen Obst-Brände, die ich auch habe, fanden bisher keine Verwendung in Cocktails.

Likör

Wie gesagt, zählen Liköre offiziell zu den Spirituosen. Definiert werden Liköre über den Zuckergehalt, der mindestens 100 Gramm pro Liter betragen muss. Üblicherweise haben sie einen Alkoholgehalt zwischen 15 und 35 Volumenprozent, wobei es gegen oben Ausnahmen gibt.

Meine Likör-Sammlung ca. Mitte November 21. Der Blue Curaçao fristet offensichtlich ein Mauerblümchen-Dasein.
Meine Likör-Sammlung ca. Mitte November 21. Der Blue Curaçao fristet offensichtlich ein Mauerblümchen-Dasein.

Hergestellt werden Liköre meist durch eines von zwei Verfahren. Erstens gibt es die Mazeration. Dabei werden Kräuter oder Früchte in Alkohol eingelegt und anschliessend destilliert. Danach erneut verdünnt und gesüsst. Zweitens gibt es Mischliköre, wofür Alkohol mit Wasser, Zucker und Sirup gemischt wird.

Bekannte und recht weit verbreitete Liköre sind:

  • Amaretto
  • Baileys
  • Cointreau
  • Curaçao
  • Kahlùa
  • Limoncello
  • Malibu
  • Röteli

Bitterliköre

Eine spezielle Kategorie innerhalb der Liköre sind Bitter, die vom Alkoholgehalt her in der gleichen Kategorie spielen wie die süssen Liköre, aber eben bitter im Geschmack sind. Dazu gehören etwa:

  • Aperol
  • Campari
  • Ramazotti

Die Listen oben sind sehr selektiv und könnten ausufernd lang werden. Als Mischgetränk für Cocktails stehen in meiner Hausbar längst nicht alle. Tatsächlich habe ich einen Cointreau (Orangenlikör), eine Flasche Malibu (Kokoslikör), eine Flasche Blue Curaçao (Orangenlikör) wegen der Farbe, einen Aperol und einen Campari. Wirklich regelmässig brauche ich aber eigentlich nur den Cointreau, den Aperol und den Campari. Das kann aber auch einfach an meiner persönlichen Vorliebe für eher saure und bittere Drinks liegen.

Wein

Grundsätzlich finden in der Cocktail-Kultur durchaus auch klassische Rot- und Weissweine Verwendung. Gängiger sind aber einige spezielle Wein-Varianten.

Schaumwein

Ein Kohlensäure-Überdruck von mindestens 3 bar, ein Alkoholgehalt von mindestens 9,5 Volumenprozent und eine Herkunftsangabe auf dem Etikett: Das sind die Anforderungen, die ein Wein erfüllen muss, um als Schaumwein zu gelten. In Deutschland und Österreich sind Sekte bekannt, in Italien Prosecco und in Frankreich natürlich Champagner. Unterschieden werden dabei sieben Süssegrade von süss über trocken bis naturherb.

Gespriteter Wein

Gespritete oder verstärkte Weine oder auch Likörweine sind Weine, die während der Produktion mit Alkohol angereichert werden. In diese Kategorie gehören Süssweine wie der italienische Vin Santo, Portweine, Marsalas oder Muscats. Für Cocktails wichtig(er) als die Süssweine sind die ebenfalls verstärkten, aber nicht süssen, Weine Sherry und vor allem Wermut. Sherry stammt aus Südspanien und ist trockener Weisswein, der mit Branntwein verstärkt wird und dann nochmal weitergährt. Je nach Typ haben Sherrys zwischen 14,5 und 17 Volumenprozent Alkohol. Wermut verdankt seinen Namen dem Wermutkraut, mit dem der aufgespritete Wein zusätzlich versetzt wird und dessen bittere Aromen er aufnimmt. Wermut gibt es, je nach Ursprungswein, in rot, weiss oder rosé.

In meiner Hausbar stehen je eine Flasche weisser und roter Wermut. Ebenfalls vorhanden sind Portwein und Marsala, diese aber mehr zum Kochen und (bisher) nicht für Cocktails. Die eine oder andere Flasche Sekt und Champagner hatte ich früher schon zur Hand, falls es mal etwas zu feiern gibt, und jetzt kommen sie zusätzlich auch mal für einen Drink zum Einsatz.

Sirup

Sirupe bringen Süsse, Aromen und manchmal Farbe in Cocktails. Die Vielfalt im gut sortierten Detailhandel ist schier unerschöpflich: von klassichen Fruchtsirupen über Gewürze zu Kräutern und weiter zu Nüssen oder auch Kaffee, Ingwer und Basilikum. In Cocktailbars ist es aber auch ganz normal, dass für Eigenkreationen die gerade benötigen Sirups selbst hergestellt werden. Kürzlich habe ich von Karotten-, Gurken- und Randen-Sirups gelesen.

Eine kleine Auswahl Sirups. Der Roses Lime ersetzt hin und wieder frischen Limettensaft.
Eine kleine Auswahl Sirups. Der Roses Lime ersetzt hin und wieder frischen Limettensaft.

Bei mir im Barschrank stehen ein reiner Zuckersirup, den ich am häufigsten brauche, ein Mandelsirup (für Mai Tais), Grenadine und dazu auch Maracuja, Kokos. Letztere sind aber alle noch praktisch voll...

Fillers

Unter Fillers versteht man in der Cocktail-Kultur Mischgetränke, die zum Auffüllen oder Strecken von Drinks benutzt werden. Zusammengefasst gehören dazu Limonaden, Mineralwasser und Fruchtsäfte. Im Prinzip kann man auch Schaumweine dazu zählen und auch Bier dient manchmal als Filler. Oft wird Mineralwasser verwendet, was den Geschmack eines Drinks nicht verändert. Mit Cola, Ginger Ale, Ginger Beer, Tonic oder sonst irgend einer Limonade kann ein Drink zusätzlich gesüsst oder geschmacklich verändert werden. Genauso mit Fruchtsäften, bei denen Orangen-, Zitronen- und Limettensaft am häufigsten Verwendung finden. Aber auch Ananas-, Cranberry- oder Grapefruitsaft sind gängig.

Orangensaft hat es in meiner Küche sowieso meistens. Ebenso Ginger Beer und Tonic. Ananas-, Cranberry- und Grapefruitsaft stehen jetzt auch oft bereit. Zitronen- und Limettensaft presse ich frisch und eine Flasche Mineralwasser steht auch immer im Kühlschrank.

Cocktailbitters

Jetzt stossen wir in Sphären vor, die für eine Hausbar nicht wirklich essenziell sind. Cocktailbitters sind alkoholische Flüssiggewürze. Ihr Geschmack ist, wie der Name sagt, mehr oder weniger bitter, kann dazu aber stark variieren. Im Prinzip kann man, wie bei den Sirupen, so ziemlich aus jeder pflanzlichen Zutat einen Cocktailbitter herstellen. Am häufigsten brauchen Bars die gleichen zwei, drei Bitters: Angostura, Orange und Lemon. Bitters werden nur in Kleinstmengen, einzelne Tropfen oder Spritzer, eingesetzt.

Bis jetzt habe ich keine Bitters zu Hause, denke aber schon darüber nach, mir mal ein Fläschchen Angostura zu bestellen.

Diverses

Bei Cocktails geht es neben dem Geschmack und dem Aussehen immer mal auch um die Textur. Um die zu verändern, stehen in manchen Cocktail-Rezepten entweder Rahm oder Eiweiss als Zutat. Das dürfte in keiner Küche ein Problem sein, das habe ich – und du sicher auch –immer im Kühlschrank.

Deko

Das Auge trinkt mit. Um deinen Drink im besten Licht zu präsentieren, brauchst du einmal frische Zitrusfrüchte für Scheiben oder Zesten, ein anderes Mal Cocktailkirschen, eine frische Ananas oder auch eine Salatgurke. Gezielt kaufe ich höchstens mal Zitrusfrüchte für Cocktails. Meistens heisst es aber einfach: Habe ich gerade da, oder halt nicht. Ach ja, fast vergessen: Cocktailspiesschen, um die Kirschen aufzuspiessen und Trinkhalme! Ganz wichtig.

Fazit

Zum Schluss nochmal zusammengefasst, was in eine einfache Hausbar gehört:

  • Wodka
  • Gin
  • Tequila
  • Rum (weiss und/oder braun)
  • Whisky/
  • Cointreau
  • Wermut
  • Campari/
  • Zuckersirup/
  • Mineralwasser
  • Orangensaft/
  • Zitronen

Das ist die Basis für eine grosse Zahl klassischer Drinks und ihrer Variationen. Dazu brauchst du jeweils punktuell frische Früchte und weitere Filler. Die kaufst du aber besser gezielt, wenn du sie wirklich brauchen willst.

Warum ich überhaupt auf die Idee gekommen bin, mir eine Hausbar einzurichten, liest du hier:

  • HintergrundKochen

    Schluss mit Bier und Wein, neu müssen es Cocktails sein

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Oliver Fischer
Oliver Fischer

Teamleader Editorial, Zürich

Weltenbummler, Wandersportler, Wok-Weltmeister (nicht im Eiskanal), Wortjongleur und Foto-Enthusiast.

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