So kommt die Kaffeebohne von Brasilien nach Basel

So kommt die Kaffeebohne von Brasilien nach Basel

Carolin Teufelberger
Zürich, am 08.04.2021
Bilder: Thomas Kunz
Der Kaffee des brasilianischen Bauern Rafael Vinhal hat es nach Wochen auf dem Schiff nach Basel geschafft. Ein ganzes Silo ist den bunten Säcken aus den Tropen vorbehalten, wo ein ehemaliger Fussballprofi über sie wacht.

Schwer beladene Schiffe schippern hupend in Richtung Steg. Möwen ziehen ihre Kreise und schreien dabei ununterbrochen. Riesige Kräne lassen Container durch die Lüfte schweben. Ein pausierender Kapitän sitzt mit Mütze und Zigarette auf einem Poller. So habe ich mir meine Ankunft am Hafen vorgestellt. In der Realität tut sich eine schnurgerade Strasse vor mir auf, gesäumt von Bahngleisen auf der einen und Industriegebäuden auf der anderen Seite. Keine Schiffe, keine Möwen, keine Seebären. Nichts lässt darauf schliessen, dass hinter den mehrgeschossigen Häusern der Rheinhafen Kleinhüningen liegt.

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Santos, Hamburg, Basel, Ebikon

«Der LKW ist gerade angekommen», sagt der Teamleiter des Silobereichs der Rhenus Port Logistics AG, Vasile Olaru. Kaum sind die Worte ausgesprochen, flitzt auch schon Herr Moor, der Chauffeur, mit einem Rolli und der ersten Palette um die Ecke. Zwei weitere folgen. Die Kaffeebohnen von Rafael Vinhal sind endlich da, knapp sechs Wochen, nachdem das Schiff mit seinen Säcken an Bord den Hafen von Santos in Brasilien mit Destination Hamburg verlassen hat. Von dort ging’s mit dem Lastwagen nach Bremen und nach erneutem Umladen über die Strasse in die Schweiz. Erst nach Winterthur, dann nach Basel.

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Etwa sieben Millionen Tonnen Güter schlägt der Schweizer Rheinhafen jährlich um. Das entspricht gut zehn Prozent des gesamten Schweizer Aussenhandels. Der Rhein stellt für die Schweiz eine Verbindung zum Meer her. Kleinhüningen ist der älteste der drei Standorte in Basel. 1903 bewies der Ingenieur Rudolf Gelpke, dass der Rhein entgegen der damaligen landläufigen Meinung bis Basel schiffbar war. So wurde das Hafenbecken zu Beginn des ersten Weltkriegs geplant (1914) und kurz danach mit dem Aushub (1919) begonnen. Der erste Schleppzug legte 1922 an. Aus dem ehemaligen idyllischen Fischerdorf und Naherholungsgebiet wurde ein Umschlagplatz der Industrie.

Terminal 3: Für Sack und Pack aus Übersee

Das ist Kleinhüningen bis heute geblieben. Kaffee- und Kakaobohnen machen zwar nur einen kleinen Teil der umgeschlagenen Güter aus, dennoch haben sie ihr eigenes Terminal: Nummer drei. Über diese Welt wacht Vasile. Damit alles seine Richtigkeit hat, kontrolliert er die Lieferung des Vinhal-Kaffees. Die Ware ist vollständig und unversehrt angekommen. Herr Moor darf weiter. Die Bohnen bleiben erst einmal hier, bis sie von der Firma Rast in Ebikon geröstet werden.

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Im fünften Stock lagert der Kaffee von Algrano. Das Schweizer Startup bringt die Kaffeebauern direkt mit den Röstereien zusammen und fädelt den ganzen Transport und die Zahlungen ein. Auch der Rohkaffee von Rafael Vinhal wird hier eingelagert. Oben angekommen, stehen wir im Dunkeln. Die Fenster sind mit roter Folie isoliert. «Die Temperatur wird penibel kontrolliert und konstant gehalten, damit der Kaffee lange hält», sagt Vasile.

Er drückt auf den Lichtschalter und schon flackern reihum Leuchtstofflampen auf, die die Unmengen an säuberlich gestapelten Kaffeesäcken aus aller Welt sichtbar machen. Costa Rica, Brasilien, Äthiopien – die Assoziationen mit den Ländern und die bunten Aufdrucke auf den Säcken stehen im Kontrast zu dem grellen Licht und den kalten Betonwänden des Terminals. Und erst der Geruch. Es riecht mehr nach Bauschutt als nach Kaffee. «Der typische Duft kommt erst mit dem Rösten», sagt Vasile.

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«Ich kann nicht hier arbeiten und schlechten Kapselkaffee trinken.»

Seit zwölf Jahren arbeitet er bei der Logistikfirma Rhenus, die sich vor allem um den Umschlag und die Lagerung von Gütern kümmert. «In Rumänien war ich Profifussballer in der 3. Liga.» Durch den Fussball ist er überhaupt erst in der Region gelandet. «Ich bin nach Lörrach gewechselt, um dort in der Oberliga zu spielen. Aber wir sind in die Verbandsliga abgestiegen, davon kannst du als Spieler nicht leben. Irgendwann war dann auch das Knie hinüber.» Dafür ist der Kaffee unterdessen eine kleine Leidenschaft geworden. «Ich kann nicht hier arbeiten und schlechten Kapselkaffee trinken.»

Schrott und Schotter

Das Büro liegt ein paar Häuser weiter. Das erste Mal zeigt sich der Rhein und das ganze Gewusel, das auf und neben ihm abläuft und das ich mir schon seit der Ankunft vorstelle. Schiffe werden beladen und gelöscht, wie das Entladen im Fachjargon heisst. Bei Rhenus spielt Kaffee nur eine Nebenrolle, egal ob er per LKW oder Schiffscontainer ankommt. Die grössten Geschäftszweige sind die neun Getreidesilos mit komplett 150'000 Tonnen Lagerkapazität, Metalle wie Aluminium, der Recyclingbereich mit Schrott und Altglas und nicht zuletzt die Schottersteine für den Unterhalt des Schienennetzes in der Schweiz. «Der wiederverwertbare Schrott aus der ganzen Schweiz kommt hierher und wird bei uns auf Rheinschiffe Richtung Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen geladen», sagt Özer Kirisikoglu, Bereichsleiter Operations der Rhenus Port Logisitcs. Von dort geht der Schrott per Seeschiff weiter bis Türkei oder andere Länder mit attraktivem Schrottpreis, wo aus ihm Armierungseisen gemacht werden. In der «Müllkippe Europas» ist der Handel mit dem Recycling-Abfall ein lukratives Geschäft.

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Mit solchen Übersee-Fahrten beschäftigt sich Rhenus nur auf Anfrage. Ihr Arbeitsgebiet ist der Rhein. Aber auch auf dieser vergleichsweise kurzen Strecke kommt es immer wieder zu Problemen. «Im Sommer ist die Trockenheit oft ein Problem. Der Rhein führt dann viel weniger Wasser, sodass die Schiffe nicht voll beladen werden können», sagt Kiri. Bis vor Kurzem sei aber eher Hochwasser kritisch gewesen. Entlang des Rheins habe es mehrere Sperrungen gegeben, wodurch die Schifffahrt zur Komplettpause gezwungen wurde. «Wir mussten dann auf LKWs ausweichen. Dass das geklappt hat, war eine organisatorische Höchstleistung.»

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Der geplante Umbau des Westquais, wo Rhenus vor allem operiert, sorgt für weitere Veränderungen. «Noch bis 2029 können wir sicher hier bleiben, dann läuft unser Baurecht aus. Je nachdem, wie es mit dem Projekt weitergeht, müssen wir dann für die offenen Lager neue Plätze finden», sagt Kiri. Denn Teile des Hafens sollen neu genutzt und für die Bevölkerung geöffnet werden. «Erst sollten Wohnungen entstehen, die den Leuten Hafen-Feeling versprechen. Unterdessen ist aber Gewerbefläche geplant»

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Vater-Tochter-Tandem

Die Silos sollen von dem Projekt nicht betroffen sein. So darf das älteste Silo des Hafens wohl noch eine ganze Weile weiter altern. 1924 wurde das Bernoulli-Silo als Getreidespeicher in Betrieb genommen und auch heute noch wird es dafür benutzt. Vom Dach des Backsteingebäudes lässt sich der gesamte Hafen Kleinhüningen überblicken und sogar Vasiles Wohnort Istein ist zu sehen, ein schönes Winzerdörfchen. «Im Sommer komme ich immer mit dem Velo, ich kann die ganze Strecke dem Rhein entlang fahren.» Bald kann er die dreissigminütige Strecke gemeinsam mit seiner Tochter zurücklegen, die im Sommer bei Roche in Basel anfängt. Sportlich aber folgt sie dem Vater nicht. «Sie hat sich für das Schwimmen entschieden. Die fussballerischen Anfixversuche in der Kindheit haben nichts gebracht», sagt er und lacht.

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Vom Dach lässt sich nicht nur der Hafen überblicken und dem Treiben auf dem Fluss zuschauen, auch die typischen Geräusche sind endlich zu hören. Kräne, die Container mit Leichtigkeit stapeln, Schotter, der ausgekippt wird, Möwen, die zwischendurch schreien. Für einen kurzen Moment verstehe ich die Vorstösse zum Wohnungsbau mitten im Hafenbecken. All die Hafenklänge haben von hier oben eine solch angenehme Lautstärke, dass sich wunderbar dösen liesse. «So, es geht weiter.» Vasiles Stimme vertreibt diese Gedanken schnell wieder. Noch bis 17 Uhr wird im Terminal 3 Kaffee und Kakao ein- und wieder ausgelagert. Morgen um 7 Uhr beginnt alles wieder von vorne.

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In ein paar Tagen schon geht’s für den Vinhal-Kaffee weiter nach Ebikon zur Rösterei Rast, wo Kollege Simon seinen feinen Gaumen unter Beweis stellen muss. Im sogenannten Cupping schlürft er sich nach strengen Regeln durch jegliche Nuancen des Kaffees.

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Carolin Teufelberger
Carolin Teufelberger
Editor, Zürich
Meinen Horizont erweitern: So einfach lässt sich mein Leben zusammenfassen. Ich liebe es, neue Menschen, Gedanken und Lebenswelten kennenzulernen,. Journalistische Abenteuer lauern überall; ob beim Reisen, Lesen, Kochen, Filme schauen oder Heimwerken.

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