

Vom kleinen Shop zur Rösterei: Caffè Uno aus Baden
Caffè Uno aus Baden ist quasi aus der Not entstanden. Nach einer Kündigung hat Gründer Nicolas Vuille sein Leben umgekrempelt und verwirklicht, wovon er schon immer geträumt hat: endlich guter Kaffee am Bahnhof Baden.
Bahnhof Baden, Gleis 1. Wo SBB-Mitarbeiter einst Gepäck verarbeitet haben, mieten sich heute neue Geschäfte ein. Brezelkönig oder Avec etwa. An der Ecke hat eine grosse amerikanische Kaffeekette kürzlich die Ladenfläche verkleinert. Daneben hat sich das kleine lokale Caffè Uno eingenistet. «Zweieinhalb Monate vor der Starbucks Wiedereröffnung», sagt Uno-Gründer Nicolas Vuille stolz. Zuvor war Uno lediglich als Pop-Up einem Bioladen eingemietet.

Nicolas ist das, was man wohl als dynamischen Jungunternehmer bezeichnet. Keine 30 Jahre alt, locker gekleidet, überzeugt von seiner Sache und voller Ideen. «Wollt ihr einen Kaffee? Diese Bohne musst du probieren, sie schmeckt nach Zimt!», sagt er und serviert uns gleich einen Doppio der neuesten kolumbianischen Arabica-Röstung. Die Tasse steht auf einem hölzernen Brett, auf dem das Uno-Logo eingebrannt ist.


Guter Kaffee, anders als in Italien
Tatsächlich schmeckt mir der Doppio hervorragend. Der Zimtgeschmack passt vor allem in die Winterzeit. «Baden ist halt nicht Zürich, du kannst hier nicht nur solche Spezialröstungen verkaufen. Daher hat unsere Hausmischung auch Robusta drin», sagt Nicolas und ahnt, dass ich als Kaffeeliebhaber mit der Kaffeesorte nichts anfangen kann. Ich bin kein Freund der sehr ausgeprägt nussig-schokoladigen und bitteren Noten. «Wir rösten unseren Kaffee heller, damit der Kaffeegeschmack richtig durchkommt», relativiert der Ex-Banker. Zu dunkel gerösteter Kaffee verliert oft seine Nuancen und schmeckt nur bitter und verbrannt. Vor allem in Italien sind solche Röstungen beliebt. Daher sieht Nicolas es fast als Affront, wenn die Kundschaft sagt, der Kaffee schmecke «wie in Italien». «Aber ich weiss ja, dass es als Kompliment gemeint ist», scherzt Nicolas.

Vom Banker zum Kaffee-Startup
Angefangen hat die Geschichte von Caffè Uno mit einer Kündigung bei der Bank. Statt sich beim RAV zu melden, hat Nicolas Vuille seinen Traum von einer kleinen Kaffeebar verwirklicht. Ohne Erfahrung in der Gastronomie und ohne Investoren, dafür mit einer Leidenschaft für guten Kaffee. Die hat Nicolas seiner zweiten Leidenschaft, dem Kanufahren, zu verdanken. Rund um die Welt hat er als Junior und junger Erwachsener Kanu-Wettkämpfe bestritten und dort in der Freizeit Kaffees abgeklappert. «Das war eine Offenbarung. Erstmals habe ich gemerkt, dass man bei uns in der Region nur Pfützen serviert bekommt.» Also hat er das Problem gleich selbst gelöst und einen Kaffeewagen im Bioshop auf Gleis 1 des Bahnhofs Baden eröffnet, quasi als Pop-Up.
Rösterei zwischen Yogastudios und Craft Beer
Für ihn war der logische nächste Schritt, den Kaffee gleich selbst zu rösten. Die Rösterei im alten Industriegebiet auf der anderen Flussseite läuft seit dem Sommer 2024. Auf dem Spaziergang erzählt Nicolas von den Plänen für die Zukunft. Nichts ist spruchreif, alles noch geheim. In der Politik würde man von Sondierungsgesprächen reden. Nach der Eröffnung der eigenen Kaffeebar auf Gleis 1 ist vor dem nächsten Schritt zu Grösserem. Baden bleibe er aber treu.


Wir laufen zwischen alten Industriehallen im Öderlin Areal. Wo einst Sanitär-Armaturen gefertigt wurden, haben sich jetzt Craft-Beer-Brauereien, Yogastudios oder Architekturbüros eingemietet. Und die Rösterei von Uno in einem Raum mit Blick auf die Limmat. «Mein Geschäftspartner hat Lebensmitteltechnologie studiert, er ist fürs Rösten verantwortlich», sagt Nicolas und zeigt uns verschiedene Kaffeesorten. Hauptberuflich sorgt der Geschäftspartner bei einem grossen Snackhersteller für die Qualitätssicherung. «Er überlässt nichts dem Zufall und hat sein eigenes System, um den Kaffee identisch zu rösten», erklärt mir Nicolas. Aussentemperatur, Luftfeuchtigkeit oder Menge der Bohnen können den Prozess entscheidend verändern.
Wir trinken Filterkaffee und sprechen über die Rösterei. «Das war schon ein grosser Schritt. Wir konnten von Anfang an auf rund zwanzig Gastropartner zählen, es läuft ganz gut». Bis nach Zürich verkauft Uno schon Kaffee und kann eigene Mischungen entwickeln, je nach Bedürfnis der Partnerbetriebe. «Und jetzt sind wir auch auf Galaxus vertreten!», betont Nicolas und lacht.

Als ich vor über 15 Jahren das Hotel Mama verlassen habe, musste ich plötzlich selber für mich kochen. Aus der Not wurde eine Tugend und seither kann ich nicht mehr leben, ohne den Kochlöffel zu schwingen. Ich bin ein regelrechter Food-Junkie, der von Junk-Food bis Sterneküche alles einsaugt. Wortwörtlich: Ich esse nämlich viel zu schnell.
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