Das Seitenschläferkissen hat mich zur Rückenschläferin gemacht

Das Seitenschläferkissen hat mich zur Rückenschläferin gemacht

Pia Seidel
Zürich, am 21.02.2022

Mein neuer Bettgenosse ist herzförmig und fühlt sich gut an. Nur bleibt er nicht lange bei mir. Es ist zwar nur ein Kniekissen. Trotzdem wünsche ich mir mehr.

Eigentlich schlafe ich schon seit Jahren auf der Seite. Aber erst seit einigen Monaten schmerzen meine Knie dabei. Besonders an Fünfzehntausend-Schritte-Tagen oder nach dem Training wirkt das obere Bein doppelt so schwer wie sonst. Um den Druck wegzunehmen, will ich ein Kniekissen ausprobieren, das extra für die Seitenlage entwickelt wurde. Bei der Wahl verlasse mich auf die Community: Das Kissen von Maxxmee ist momentan der Bestseller in unserem Sortiment. Deshalb bitte ich den Hersteller um ein Muster für den Test.

Schlafkissen für Seitenschläfer (25 x 24 cm)
29.70
Maxxmee Schlafkissen für Seitenschläfer (25 x 24 cm)
31

Wie es funktioniert

Das ergonomische Kniekissen in Herzform mit waschbarem Polyester-Bezug soll meinen Körper entlasten. Es schafft einen 13,5 Zentimeter hohen Abstand zwischen den Beinen. Dadurch sollen die Knie nicht aneinander reiben und die Wirbelsäule sowie das Becken ergonomisch ausgerichtet werden. Um herauszufinden, ob sich die Höhe des Kissens für mich eignet, habe ich vorher rasch einige Bücher abgemessen und sie mir als Stapel zwischen die Beine geklemmt. Denn es gibt auch höhere Modelle.

Ein Kniekissen verhindert, dass die Beine gegeneinander reiben …
Ein Kniekissen verhindert, dass die Beine gegeneinander reiben …
... und fördert eine bessere Oberbeinposition.
... und fördert eine bessere Oberbeinposition.

Am häufigsten kommen Kniekissen zum Einsatz, um Rücken- oder Hüftgelenkschmerzen während einer Schwangerschaft oder nach einer OP zu lindern. Ich will es vor allem, um meinen müden Beinen mehr Komfort zu bieten. Dieser soll durch das Füllmaterial gegeben sein: Das Maxxmee-Design besteht aus rückfederndem Memory Foam, zu dt. Gedächtnisschaum, der einst von einem NASA-Spin-off entwickelt wurde. Anders als eine Daunenfüllung kehrt er von alleine in seine ursprüngliche Form zurück. Er reagiert auf «Körperwärme und Druck» und passt sich den Körperkonturen individuell an. So richtig vorstellen kann ich mir das nicht. Ob ich darauf wirklich bequem liege?

Look & Feel: Die ersten Nächte

Trotz anfänglicher Zweifel empfinde ich das Kniekissen im Gebrauch als weich und auch die neue Haltung, die ich damit einnehme, wirkt natürlich auf mich. Der Druck auf dem unteren Knie lässt erheblich nach. Dafür habe ich ein anderes Problem: Ständig verliere ich mein «Herzblatt». Unsere Körper bewegen sich ja im Schlaf, um den Stoffwechsel aufrechtzuerhalten. Ich hingegen liege wach und bewege mich jetzt, um mein Kissen immer wieder neu auszurichten. Mal finde ich es am Bettende, mal liegt es auf dem Teppichboden. Nicht gerade der Schlafkomfort, den ich mir vorgestellt habe.

Abgesehen davon freunde ich mich mit dem neuen Bettgenossen auch darum nicht so richtig an, weil mir sein Aussehen nicht zusagt. Er könnte mit seiner herzigen Art etwas mehr Farbe vertragen. Immerhin weiss ich, womit ich mich demnächst selbstständig machen kann: Ich designe schöne Kniekissenbezüge aus Naturfasern, die es scheinbar nirgends gibt. Mal sehen, wie hoch die Nachfrage sein wird.

Warum muss ergonomisches Design gleich steril sein?
Warum muss ergonomisches Design gleich steril sein?

Die meisten Bezüge der Kniekissen auf dem Markt sind mit einem Polyesterstoff bezogen, der sich auf den nackten Beinen unangenehm anfühlt und der mich im Sommer wahrscheinlich mehr schwitzen lässt als Leinen. Einziger Pluspunkt der künstlichen Faser ist, dass sich der Bezug gut abnehmen und sich die Fusseln leicht entfernen lassen. So sieht mein Bettgenosse nach dem Waschen wie beim ersten Kennenlernen aus. Und auch Wochen später behält er seine Form.

Fussel sind wie ein Haar mit der Pinzette schnell weggezupft.
Fussel sind wie ein Haar mit der Pinzette schnell weggezupft.

Besser als Daunenkissen?

Mit dem Kniekissen habe ich insgesamt drei Monate lang unterschiedliche Positionen ausprobiert: Ich lege es am liebsten zwischen die Beine oder stütze nur das obere Bein darauf ab. Selten lege ich es zwischen die Waden oder nutze es als Nackenkissen, aber möglich wär’s. Für den Vergleich schlafe ich auch einige Tage mit einem herkömmlichen Kissen oder mal nur mit eingeklemmter Decke zwischen den Beinen. Doch beides kann mit der Charakter des Herzblatts nicht mithalten.

Wenn es doch nur in Position bleiben würde. Vielleicht muss ich das Kissen ab jetzt an mich binden? Es gibt Varianten mit Gurt von anderen Herstellern wie Sissel oder Erwin Müller. Aber eigentlich ziehe ich zum Schlafen immer alles aus, was geht: Kette, Armband und in den Sommermonaten die Kleidung. Das ist befreiend. Ob mir da gefällt, eine Fessel am Bein zu haben? Ich liege immer öfter einfach auf dem Rücken, weil ich nicht suchen möchte. Das entlastet meine Beine ohne alles. Vielleicht ist das die Lösung für mich?

Fazit: Es liegt nicht an ihm, sondern an mir

Mein neues Herzblatt ist mit knapp 30 Franken im Unterschied zu manch anderen Daunenkissen günstig. Und sorgt schon dafür, dass meine Knie und Hüften aufatmen und der Schmerz nachlässt. Aber eben nur für kurze Zeit. Die Entlastung stoppt, sobald ich im Tiefschlaf bin und mich bewege. Wenn ich aufwache, liegt mein herziger Bettgenosse auf der anderen Seite oder er hat mich ganz für den Teppich verlassen. Klar, kann ich ihn mir jedes Mal zurückholen, aber das stört meine Bettruhe viel zu sehr. Ich wünsche mir mehr Anhänglichkeit und Sinnlichkeit im Bett – sprich: ein Kniekissen, das bei mir bleibt und mich optisch anspricht. Zum Beispiel ein hübsches Seitenschläfer-Stillkissen, das mit der dreifachen Grösse im wahrsten Wortsinn still liegen bleibt. Bis dahin nehme ich das herzförmige Design von Maxxmee lieber nur für kurze Bettgeschichten und den Powernap zwischendurch und probiere öfter auf dem Rücken zu schlafen.

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Es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles ein Wunder. Ich glaube an Letzteres.
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