Velotypen: Finde ein Bike mit passenden Eigenschaften
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Velotypen: Finde ein Bike mit passenden Eigenschaften

Michael Restin
Zürich, am 21.05.2019
Ob City-, Trekking- oder Mountainbike – für ein neues Velo kannst du Kleingeld oder ein stattliches Monatsgehalt ausgeben. In beiden Fällen ist nicht garantiert, dass du damit glücklich wirst. Denn die Fahrradtypen sind so verschieden wie die Fahrertypen.

Da du hier gelandet bist, gehe ich davon aus, dass du dich nicht fünf Mal pro Woche in den Sattel einer 8000 Franken teuren Rennmaschine schwingst oder deine Tage mit dem Mountainbike auf halsbrecherischen Trails verbringst. Wenn deine Velo-Beziehung ausbaufähig ist und du einen groben Marktüberblick suchst, bist du hier richtig. Es geht nicht um nerdige Details, sondern um Orientierung. Eine Einordnung der Vor- und Nachteile verschiedener Fahrradtypen und die Frage, was du für mehr Geld mehr an Ausstattung erwarten kannst.

Citybikes

Bequem, wartungsarm und so gut wie unkaputtbar – ein zuverlässiger Begleiter auf kurzen Strecken im Alltag. Voll strassentauglich, vielleicht mit Nabenschaltung aber ohne unnötigen Schnickschnack. So sind klassische Citybikes gebaut. Auf ihnen sitzt du nicht ganz so kerzengerade wie auf einem Hollandrad, aber doch ziemlich aufrecht. Das ist nicht sehr windschnittig und hat Nachteile bei der Kraftübertragung auf die Pedale. Dafür ruhen die Hände entspannt auf dem Lenker und das Fahrverhalten dieser Bikes ist gutmütig. Vermutlich hast du jetzt ein Velo wie das Gangurru Petrol vor Augen.

Das ist auf kurzen Strecken und in ebenem Gelände in Ordnung. Aber nicht jedermanns Sache und in Städten, die nicht flach wie Amsterdam sind, auch nicht unbedingt die beste Wahl. Deshalb finden sich unter dem Label «Citybike» oder «Urban Bike» auch sportlichere Modelle wie das Robin aus der Fam. Huber. Und ja, der Style spielt in diesem Segment auch eine grosse Rolle. Es gibt Bikes im speziellen Retro-Chic wie das Caferacer Uno von Creme Cycles.

Zu allen Citybikes

Rahmenwahl: Stahl , Aluminium, Carbon

Was die Rahmen angeht, hast du bei den Citybikes die Wahl zwischen Stahl und Aluminium. Die beiden Materialien besitzen unterschiedliche Grundeigenschaften. Stahl klingt schwer und altbacken, hat aber gegenüber Alu den Vorteil, dass er fest ist und gleichzeitig elastische Eigenschaften hat. Die Rahmenrohre können daher dünner konstruiert werden als aus Aluminium und ein Stahlrahmen federt Schläge besser ab. Es gibt also gute Gründe, dass dieses Material bei sehr vielen City- und einigen Trekkingbikes zum Einsatz kommt. Auch Rennvelos mit Stahlrahmen sind noch längst nicht ausgestorben.

Je sportlicher es wird, desto eher dominieren aber Aluminiumrahmen. Rennvelos sollen leicht und steif sein, der Fahrkomfort ist zweitrangig. Und bei Mountainbikes dämpft die Federung Schläge ab. Ähnliches gilt für Carbon. Carbonrahmen sind sehr fest, steif und leicht, aber auch spröde und teuer in der Herstellung. Das Material wird vor allem bei Rennvelos und Mountainbikes im oberen Preissegment verwendet.

Wenn du dich für ein bestimmtes Velo interessierst, findest du in der jeweiligen Produktbeschreibung ergänzende Informationen zum verwendeten Material und zur Verarbeitung. Durch spezielle Fertigungstechniken und Legierungen können die Eigenschaften jedes Rahmens optimiert werden. Wie du die richtige Grösse für dich ermitteln kannst, erfährst du hier Schritt für Schritt.

Nabenschaltung vs. Kettenschaltung

Auch die Wahl der Schaltung ist nicht nur optisch relevant. Nabenschaltungen werden vor allem bei City- und Trekkingbikes verbaut. Sie sind gut geschützt und entsprechend wartungsarm, dafür fallen sie meist mehr ins Gewicht. Eine Kettenschaltung braucht etwas häufiger Zuwendung, aber du kannst bei ihr auch selbst Hand anlegen. Dazu ist sie vergleichsweise günstig und sie hat einen höheren Wirkungsgrad – du bringst also etwas mehr Kraft auf die Strasse.

Die Kettenschaltung ist einfacher zu warten, eine Nabenschaltung dafür pflegeleichter.
Die Kettenschaltung ist einfacher zu warten, eine Nabenschaltung dafür pflegeleichter.

Wie wartungsfrei soll es sein?

Ein Singlespeed wie das Fabio hat keine Schaltung. Es wird entweder mit Freilauf oder als «Fixie» mit Starrlauf (Fixed Gear) gefahren. Das sieht minimalistisch und gut aus und hat darüber hinaus noch ein paar handfeste Vorteile: Geringer Verschleiss, wenig Wartungsaufwand und bewundernde Blicke – wenn du mit deinem Fixie rückwärts fährst.

Pflegeleicht ist auch Modell mit Riemenantrieb wie das Ortler Detroit. Carbonfasern sorgen für die benötigte Zugfestigkeit des Riemens, dazu schmiert er nicht und hält länger als eine Kette. Da sich ein Riemenantrieb nicht öffnen lässt, braucht es eine spezielle Rahmenkonstruktion mit einer zu öffnenden Stelle am Hinterbau. Schaffst du dir ein Velo mit klassischem Kettenstrang an, solltest du diesen regelmässig reinigen und pflegen. Das ist kein grosser Aufwand und macht einen spür- und sichtbaren Unterschied.

Detroit (50cm, 28")
Citybike
279.–
Ortler Detroit (50cm, 28")

Trekkingrad / Tourenvelo

Wenn du gerne länger im Sattel sitzt und die Stadt auch mal hinter dir lässt, ist ein Trekking- oder Tourenvelo ein guter Begleiter. Vielleicht fehlt ihm die Extraportion Style, mir der urbane Modelle manchmal glänzen. Dafür vereinen die Bikes dieser Kategorie Komfort, Sportlichkeit und Vielseitigkeit. Sie ermöglichen eine bequeme und trotzdem dynamische Sitzposition und sind so stabil gebaut, dass du ordentlich Gepäck zuladen kannst. Ein Beispiel ist das Bombtrack Arise Geared.

Zu allen Trekking-/Tourenrädern

City- oder Trekkingbike? Die Übergänge sind fliessend. Viele Modelle in diesem Segment haben aber Kettenschaltungen mit 21 oder mehr Gängen und Rahmen aus Aluminium, die gerne auch mit einer Federgabel kombiniert werden. Das macht Sinn, sobald es ins Gelände geht. Du erinnerst dich: Aluminium ist nicht so elastisch wie Stahl und dämpft entsprechend schlechter. Wenn du nicht nur dreimal pro Sommer 500 Meter in die Badi fahren, sondern grössere Touren in Angriff nehmen willst, solltest du dich auch mit der Bremsfrage befassen.

Scheibenbremse oder Felgenbremse?

Scheibenbremsen breiten sich immer weiter aus und sind längst nicht mehr nur an Mountainbikes zu sehen. Auch im Touren-Bereich, bei Rennvelos und Citybikes werden sie immer häufiger verbaut. Neben ihrer hohen Bremskraft haben sie unter anderem den Vorteil, dass die Felgen nicht verschleissen. Es gibt günstige Modelle in mechanischer Ausführung, bei denen die Kraft über einen normalen Bremszug (Bowdenzug) übertragen wird. Und hochwertige hydraulische Scheibenbremsen, die sich mit wenig Kraft bedienen lassen und einen guten Druckpunkt bieten.

Scheibenbremsen werden inzwischen auch an fast allen Velotypen verbaut.
Scheibenbremsen werden inzwischen auch an fast allen Velotypen verbaut.

Felgenbremsen haben trotzdem noch ihre Daseinsberechtigung. Sie sind einfach zu warten, stecken Schläge beim Transport besser weg und es gibt sie längst auch hydraulisch. Ich habe zum Beispiel mit der Magura HS22 gute Erfahrungen gemacht und die Bremsbeläge lassen sich schnell austauschen. Schwächen haben Felgenbremsen vor allem bei schlechtem Wetter. Und beim obligatorischen Achter im Rad, der eine perfekte Einstellung unmöglich macht.

Rennvelos

Für Einsteiger sind besonders die Modelle mit Aluminiumrahmen interessant. Bei einem Gewicht von +/-10 Kilogramm und der hohen Steifigkeit des Materials bist du schon gut unterwegs, das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt. Wenn dein Bike aus Carbon sein soll, musst du tiefer in die Tasche greifen. Der Werkstoff ist noch leichter und noch steifer, aber eben auch noch teurer. Da niemand minderwertige Komponenten an einem Top-Rahmen will, klettern die Preise schnell. Das Bombtrack Oxbridge GRD ist dagegen ein Einsteigermodell, das auch Ausflüge auf Schotterwegen klaglos mitmacht. Sein Aluminiumrahmen ist konifiziert. Die Rohre sind also dort verstärkt, wo die grössten Kräfte wirken, und ansonsten dünner gehalten. Eine gängige Methode im Rahmenbau, um hohe Stabilität bei geringem Gewicht zu erreichen.

Rennvelos werden mit ein bis drei Kettenblättern und bis zu 27 Gängen angeboten. Die richtige «Übersetzung» und damit die passenden Gänge für deine Ziele zu haben, ist wichtig. Falls es dich auch regelmässig ins Gelände zieht, könnte ein «Gravel Bike» wie das Rondo RUUT interessant für dich sein: Mit breiteren Reifen, Scheibenbremsen und einer komfortableren Geometrie kannst du den Asphalt hinter dir lassen. Bei diesem Modell lassen sich Lenkwinkel, Nachlauf und Tretlagerhöhe verstellen – je nachdem ob du sportlich oder eher wie auf einem Tourenbike unterwegs sein willst.

RUUT ST
Rennrad
nur noch 1 von 1 Stück
1699.–
Rondo RUUT ST

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Mountainbike

Auch bei Mountainbikes ist im günstigeren Bereich Aluminium das Material der Wahl. Los geht es mit Einsteigermodellen wie dem Serious Rockville Disc. Erste Ausflüge ins Gelände liegen damit locker drin. Aber das Bike ist natürlich ein Kompromiss zum günstigen Preis. Kein reinrassiges Sportgerät, sondern auch ein Alltagsbegleiter.

Zu allen Einsteiger-Mountainbikes

Früher hatten alle Mountainbikes 26-Zoll-Laufräder. Inzwischen haben sich aber 29-Zoll-Räder etabliert, die eine bessere Traktion, mehr Geschwindigkeit und ein gutes Überrollverhalten bieten sollen. Deshalb sind sie bei Allmountain-Modellen wie dem Commencal Meta Trail 29 Essential Fox Brushed oder bei Cross-Country-Mountainbikes wie dem Ghost Lector 8.9 beliebt. Den Begriff «Allmountain» kannst du wörtlich nehmen, diese Bikes machen vom Feldweg bis zum Trail alles mit und sind auch auf längeren Touren eine gute Wahl. Cross-Country-Fahrer wollen ein geringes Gewicht und mehr Tempo – auch bergauf. Dafür wird auf etwas Komfort verzichtet, eine Federgabel vorne muss reichen. Stichwort: Hardtail.

29-Zoll-Räder sind nicht so wendig. Deshalb sind 27,5 Zoll der Kompromiss und bei Enduro- und Downhill-Fahrern beliebt. Enduro-Bikes wie das Commencal Meta Am 29 Signature sind immer noch tourentauglich, aber auf die Downhill-Passagen ausgerichtet. Als «Fully» dämpfen sie Schläge weg und haben eine bessere Traktion, dazu sorgt ein langer Radstand für gutes Fahrverhalten. Downhill-Bikes wie das Commencal Furious Race kennen nur noch einen Fokus: runter, aber schnell! Ein langer Federweg, starke Bremsen und die Vollfederung helfen dabei.

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E-Bikes

Wenn die Elektromobilität bislang im grossen Stil etwas verändert hat, dann ist es die Velo-Welt. Dabei machen die sogenannten Pedelecs, welche mit Muskelkraft und einem unterstützenden Elektromotor (bis 500 Watt und 25km/h) betrieben werden, den grössten Teil aus. Sie dürfen ab 14 Jahren mit dem Führerausweis der Kategorie M und ab 16 Jahren ohne Führerausweis gefahren werden. Es gelten die gängigen Veloregeln. Helm- und Versicherungspflicht besteht nur bei den schnelleren S-Pedelecs (bis 1000 Watt und 45 km/h).

Verbaut werden Elektromotoren nicht mehr nur bei City- und Trekkingbikes wie dem Bozen Premium Trapez oder dem Bern von Ortler. Auch immer mehr Mountainbikes sind motorisiert unterwegs, ein Beispiel ist das Conway eWME 427. Alle drei genannten Modelle setzen dabei auf einen Mittelmotor. Dieser Antrieb hat sich auf breiter Front durchgesetzt, da er für ausgewogene Fahreigenschaften sorgt.

Bozen Premium  Trapez
E-Bike
2629.–
Ortler Bozen Premium Trapez
eWME 427 (50cm)
E-Bike
4349.–
Conway eWME 427 (50cm)

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Modelle mit Hinterradmotoren zeichnen sich vor allem durch eine direkte Kraftübertragung aus. Die Bodenhaftung ist gut, solange du im Sattel sitzt und das Hinterrad entsprechend belastest. Vorderradmotoren haben Schwächen, was die Traktion angeht, dafür sind sie günstig. Beide Varianten kommen aber nur noch selten zum Einsatz.

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Michael Restin
Michael Restin
Editor, Zürich
Das Glück ist flüchtig, also bleibe ich in Bewegung. Auf dem Bike, am Ball (Grösse und Farbe egal) und bei allem, was der Fantasie zweier Kinder entspringt. Ich liebe es, meinen Spieltrieb auszuleben und Zufällen eine Chance zu geben. Denn wenn der Weg das Ziel ist, dann soll es ein schöner sein.

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