Das Messer für die einsame Insel
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Das Messer für die einsame Insel

Simon Balissat
Zürich, am 07.04.2021
Müsste ich mich auf ein Messer beschränken, ist die Wahl schnell getroffen. Ein gutes Kochmesser oder Santoku ist alles, was du brauchst. Ein Plädoyer für das einzig wahre Schneidwerkzeug.

Auf eine einsame Insel darfst du acht Musikstücke, ein Buch (die gesammelten Werke von Shakespeare und die Bibel oder eine dir entsprechende, spirituelle Schrift sind schon da) und ein Luxusobjekt (nicht lebendig und es darf nicht bei der Flucht helfen) mitnehmen, so die Prämisse der BBC 4 Radiosendung «Desert Island Discs». Seit 1942 stellen sich Prominente diesem Gedankenexperiment und begründen ihre Wahl sonntagvormittags während 45 Minuten auf BBC 4. Zurecht gilt «Desert Island Discs» als eine der besten Radiosendungen der Welt. Die Grundidee ist einfach und verständlich, die Antworten geben tiefe Einblicke in die Persönlichkeit der Prominenten und du selbst nimmst unweigerlich an diesem Gedankenexperiment teil. Du stellst dir die Frage «Welche Wahl würde ich treffen und warum?». Während ich bei den Musikstücken und dem Buch die grösste Mühe hätte, eine Wahl zu treffen, ist das Objekt für mich klar.

Ein Messer.

Das Messer für die einsame Insel

Die Vorteile eines Messers liegen auf der Hand. Früchte oder Gemüse wird es wohl reichlich haben auf der Insel, Fisch oder andere Tiere müsste ich mit einfachen Mitteln fangen, Feuer mit irgendeiner Methode à la Bear Grylls entfachen. Das hab ich alles schon in endlosen Youtube Sessions gesehn. Been there, watched that. Ein Messer hilft bei all diesen Aufgaben ungemein. Das Taschenmesser ist die naheliegende Wahl: Schere, Feile, Ahle, Dosenöffner und Korkenzieher, sollten irgendwo mal Büchsen oder gar Weinflaschen stranden, verstecken sich griffbereit im kleinen schweizer Alleskönner. Griffbereit ist toll, der Griff aber das grosse Problem.

Sackmesser sind so handlich, dass sie unhandlich sind.

Schon kleine Hände können das Messer kaum richtig greifen, die Klinge ist zudem viel zu kurz für den alltäglichen Gebrauch. So toll die integrierten Werkzeuge sind, den Zweck eines Messers erfüllt das Victorinox Sackmesser nur ungenügend.

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HintergrundNachhaltigkeit

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«Verzicht ist Stärke» lautet ein Arabisches Sprichwort und dem will ich Folge leisten und den Werkzeugkasten im Hosentaschenformat zuhause lassen. Mein Objekt auf der Einsamen Insel ist daher ein Universalmesser in Form eines Kochmessers oder eines Santoku.

Santoku oben, Kochmesser unten. Eines muss es auf der Insel sein.
Santoku oben, Kochmesser unten. Eines muss es auf der Insel sein.

Ein einschneidender Moment

Es dürfte vor etwa 15 Jahren gewesen sein als ich realisierte, dass nicht die kleinen Spickmesser in der Küche die Allzweckwaffe sind, sondern Kochmesser mit grosser Klinge. Mein Leben ist seither ein anderes. Mit der Kraft der Hebelwirkung und in einem Zug schneide ich Zwiebeln in kleine Würfel, Peperoni in Streifen und Rindfleisch zu Tartare. Mit der breiten Klinge quetsche ich Knoblauch, mit dem Rücken zerschlage ich Pouletgelenke mit Leichtigkeit. Seither missioniere ich bei Freunden und in der Familie für die Messer mit den grossen Klingen.

Der Tenor der Kleinmesserfans ist immer derselbe: «Die grosse Klinge macht mir Angst.» Dieser diffusen Angst kann ich entgegenbringen, dass die letzten drei Mal, bei denen ich mich geschnitten habe, ein kleines, stumpfes Messer der Übeltäter war. Wegen mangelnder Hebelwirkung und zu kleinem Griff rutsche ich mit kleinen Messern schneller ab, als Kurt Cobain auf die schiefe Bahn gekommen ist. Weder das Schnitzerli, noch Nirvana kommen daher mit auf die einsame Insel.

Mit dem Gemüsezoo gegen die Einsamkeit

Kleine Messer haben sehr wohl ihre nischige Berechtigung. Dürfte ich zwei Messer auf die einsame Insel mitnehmen, das zweite wäre auf jeden Fall ein kleines. Zwiebeln oder Kartoffeln schälen sich damit leicht, unschöne Dellen im Gemüse entfernen sich präzise und sollte mich die Langeweile packen, schnitze ich mir einen ganzen Zoo aus pädagogisch wertvollen Tierfiguren, damit mir Rüebli-Krokodil, Apfel-Elefant und Birnen-Igel Gesellschaft leisten. Darüber hinaus sind Schnitzerli aber unbrauchbar, weil nicht für andere Aufgaben gemacht.

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Nun stellt sich noch die Frage, welches Messer mitkommt. Während europäische Messer durch ihre Form eher zum Stechen und Spiessen geeignet sind, sind Santoku dank breiter Klinge ohne Spitze absolute Meister im Zerkleinern von Gemüse und Fleisch, da ich mit der Spitze nicht versehentlich hängen bleibe. Generell liegen mir das europäische Kochmesser und dessen japanisches Gegenstück Santoku in etwa gleich gut in der Hand. Während die Griffform der europäischen Messer auf die Hand passen muss, bieten japanische Messer mit runden oder oktagonalen Griffen auch kleineren oder grösseren Händen perfekten Halt.

Japanischer und europäischer Griff
Japanischer und europäischer Griff

Schliesslich ist das Material der Klinge Entscheidungsfaktor. Rostfreier Edelstahl ist auf der Insel wohl erste Wahl. Da verzichte ich auf den robusteren und schärferen Karbonstahl, der gerne rostet und daher eingeölt sein will. Eines dieser Messer wäre daher meine Wahl.

Womit ich mich jetzt mit der weit schwierigeren Frage der Musik und Literatur beschäftigen kann. Bestimmt nehme ich einen Song von Billy Joel mit, aber welchen? Schafft es Michael Jackson auf die Liste? Ein klassisches Stück müsste auch mit, aber wird es Bach, Mozart oder Beethoven? Literarisch eher Goethe oder doch die philosophische Ecke mit Nietzsche? Ganz patriotisch Frisch oder Dürrenmatt? Vielleicht lieber Übersee mit Murakami oder Poe? Und zählen eigentlich Gesamtwerke? Dann wäre es wohl Kafka… Nein, dann gleich den Brockhaus! Gibt es den eigentlich noch?

Diese Entscheide bleiben wohl auf ewig (sorry!) auf Messers Schneide...

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Simon Balissat
Simon Balissat

Teamleader Editorial, Zürich

Als ich vor über 15 Jahren das Hotel Mama verlassen habe, musste ich plötzlich selber für mich kochen. Aus der Not wurde eine Tugend und seither kann ich nicht mehr leben, ohne den Kochlöffel zu schwingen. Ich bin ein regelrechter Food-Junkie, der von Junk-Food bis Sterneküche alles einsaugt. Wortwörtlich: Ich esse nämlich viel zu schnell.

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