ReportageSport

Hail to the trail

Patrick Bardelli
Zurigo, il 01.10.2018
Ich bin im Engadin und mache Sport mit Julia Bleasdale. Die britische Leichtathletin läuft bei den Olympischen Spielen 2012 in London über 5 000 und 10 000 Meter jeweils auf den achten Rang. Trailrunning mit einer Olympiateilnehmerin? Das kann ja heiter werden. Oder mit Blick aufs Wetter: düster.

Es ist Mittwoch, es regnet und es ist kalt. Zum Glück habe ich mich in einem Café mit Julia Bleasdale verabredet. So starten wir wenigstens trocken zu unserem Trailrun. In drei Stunden werden wir komplett durchnässt wieder hier sein. Aber eins nach dem anderen. Wir sind in Pontresina und machen uns auf den Weg Richtung Morteratsch-Gletscher.

Vor 80 000 Zuschauern in London

Bevor wir am Fusse des Gletschers loslaufen, will ich mehr über die Leichtathletin erfahren. Zu ihrer Profizeit gehört Julia Bleasdale zu den besten Langstreckenläuferinnen Europas. Bei den Olympischen Spielen 2012 in London geht sie für Grossbritannien an den Start und holt zwei Diplome. Vor 80 000 Fans zu laufen, sei der eindrücklichste Moment ihrer Karriere gewesen, erklärt mir Julia im Interview.

Und dann laufen wir los. Moment, zuerst noch dehnen. «Wie wichtig ist das Stretching?», will ich von Julia wissen. «Ich dehne eher vor dem Laufen», meint sie. Und nachher? Sie lächelt: «Da bin ich meistens zu müde.» Und dann geht's endlich los.

Mein Trailrunning-Schuh

Sense Ride (44 2/3)
Salomon Sense Ride (44 2/3)

Alleine im Engadin

Grösser könnte der Unterschied wohl nicht sein. Vor 80 000 Zuschauern auf Weltklasseniveau in London – mit dem Hobbyläufer im Schlepptau im Engadin. Ich hänge mich an Julias Fersen und überlege, ob das für sie nicht langweilig ist. Schliesslich könnte und würde sie viel schneller laufen, hinge ich nicht keuchend hinter ihr. Egal, ich nutze die Gelegenheit und studiere ihren Laufstil. Leichtfüssig und geschmeidig macht sie einen Schritt nach dem anderen. Hat Muskulatur ein Gedächtnis? Wenn ja, scheinen Julias Muskeln genau zu wissen, was jeweils im nächsten Sekundenbruchteil geschieht. Kein Zögern, keine Unsicherheit: Jeder Schritt sitzt. Ich bin beeindruckt und brauche eine Pause.

Durchatmen
Durchatmen
Atemberaubend
Atemberaubend

Weiter geht's den Trail hoch und runter, durch diese unglaubliche Landschaft. Wenn du fragst, weshalb ich laufe, dann wohl in erster Linie deshalb: Laufen lehrt mich Demut. Das passiert mir ansonsten in meinem Leben leider nur selten. Aber hier... ich fühle mich winzig und unbedeutend im Angesicht der Jahrtausende alten Berge, die auf mich herabblicken. Es gibt in der Schweiz ja viele schöne Orte, aber das hier ist schon aussergewöhnlich. Und bei dem Tempo, das Julia anschlägt, bleibt sogar noch ein wenig Zeit, das alles bewusst wahrzunehmen. Thanks, Julia.

Nass und glücklich

Dann sind wir wieder da, wo wir losgelaufen sind. Und weil wir gerade so schön im Flow sind, laufen wir einfach weiter. Den ganzen Weg zurück nach Pontresina zum Café, wo wir uns vor drei Stunden getroffen haben. Nass bis auf die Haut, aber zufrieden, bestelle ich mir einen Cappuccino. Über einen Berg rennen und Kaffee trinken – es sind die kleinen Dinge im Leben, die glücklich machen.

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Und das nächste Mal bei «Patrick macht Sport mit ...»

Es ist Herbst, die Gartenbäder sind geschlossen, die Hallenbäder öffnen. Ich besuche eine junge Schweizer Nachwuchsschwimmerin in Uster und gehe schwimmen. Crawl, Brust, Delfin, Rücken oder doch Stein. Was wird es sein?

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Patrick Bardelli
Patrick Bardelli
Senior Editor, Zurigo
What matters isn’t how well you play when you’re playing well. What matters is how well you play when you’re playing badly.

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