Zum Klimastreik:  Fake-Poulet gegen den Kollaps
News & Trends

Zum Klimastreik: Fake-Poulet gegen den Kollaps

Simon Balissat
Zürich, am 15.03.2019
Heute streiken auf der ganzen Welt junge Menschen und fordern den Klima-Notstand. Seit Wochen lehren sie Firmen und Politikern mit dieser Aktion das Fürchten. In Zürich wird auch Lukas Böni von «Planted» mitlaufen. Er selbst hat mit seinem Startup längst mit dem Umdenken begonnen.

«Planted» will im Frühsommer erstmals pflanzliches Pouletfleisch verkaufen. Erbsenprotein und andere pflanzliche Proteine und Fasern sind die Grundlage für das Produkt, das eine verblüffend ähnliche Struktur wie Poulet hat. Dahinter steckt viel Tüfteln. Zwei Lebensmittelwissenschaftler haben es entwickelt, Ökonom und Co-Founder Pascal Bieri kümmert sich bei «Planted» um den wirtschaftlichen Teil. «Wir helfen die Umwelt zu schützen, indem wir viel weniger CO2 ausstossen, weniger Wasser verschwenden und Land verbrauchen» sagt Pascal Bieri, während er gerade eine Bratpfanne voll «Planted Chicken» anbrät. Wir haben uns im Restaurant «Bellavista» an der ETH verabredet. Er präsentiert dort exklusiv für die geladenen Gäste eines Startup-Wettbewerbs das «Planted Chicken» und kocht es gleich selber.

Pascal Bieri und seine zwei Mitgründer wollen mit «Planted» den Lebensmittel-Markt aufmischen
Pascal Bieri und seine zwei Mitgründer wollen mit «Planted» den Lebensmittel-Markt aufmischen

Mit veganem Fleisch zum dritten Platz

Kurz zuvor hat «Planted» im Saal nebenan beim Wettbewerb den dritten Platz belegt. Zehn Startups sind angetreten und haben ihre Produkte in einer dreiminütigen Präsentation, einem sogenannten «Pitch», vorgestellt. Das Publikum und ein Expertengremium konnten die Präsentationen danach bewerten. Vorherrschendes Thema: Nachhaltigkeit. Nachhaltige Dämmaterialien, nachhaltiger Beton und nachhaltige Ernährung. Das Ziel von «Planted»: Partner aus dem Gastro- und Foodbereich finden für den nächsten, grossen Schritt. «Wir werden voraussichtlich ab Herbst dieses Jahr eine Finanzierungsrunde anstreben» sagt Bieri.

«Bis jetzt haben wir durch das ETH Pioneer Fellowship 150'000 Franken erhalten. Entstanden ist die ganze Firma nämlich aus meiner Masterarbeit», sagt der dritte Mitgründer Eric Stirnemann, während er aufgeschnittene Baguettes mit Gemüse, Sauce und Fleischstücken füllt. «Es ist der absolute Trend im Moment. Umweltbewusst und vegetarisch ernähren und trotzdem nicht auf den Biss und die faserige Struktur von Fleisch verzichten». Ähnliche Startups aus den USA haben dreistellige Millionenbeträge von namhaften Investoren erhalten, darunter Microsoft-Gründer Bill Gates oder Google. Diese Firmen imitieren Rindfleisch, während «Planted» sich auf Poulet konzentriert und sich so abheben will.

Placeholder image
placeholder

placeholder

(Noch) so teuer wie Bio-Poulet

Zunächst gibt es «Planted Chicken» noch nicht im Kühlregal. «Im Mai wollen wir ein paar wenige Restaurants beliefern und schauen, wie es läuft», sagt Business-Mann Pascal. So ist gewährleistet, dass Produkte immer verfügbar sind. «Würden wir schon zu Beginn in den Detailhandel, könnte es böse Überraschungen geben. Wir haben noch nicht die Kapazität dafür», gibt Eric zu Bedenken. Zum Verkaufsstart in den Restaurants dürfte «Planted» ähnlich teuer sein, wie Bio-Pouletfleisch. Je mehr Erfolg, desto günstiger wird das Produkt im Laufe der Zeit.

Eric, Lukas und Pascal von Planted (v.l.n.r)
Eric, Lukas und Pascal von Planted (v.l.n.r)

Die Weichen für den Erfolg sind gestellt: Der Klimawandel war noch nie so ein allgegenwärtiges Thema wie jetzt, vor allem bei den Jungen. Dank dem weltweiten Klimastreik oder der 16-ährigen Jung-Aktivistin Greta Thunberg, die schon vor der UNO gegen den Klimawandel kämpfte, werden grosse Firmen zum Umdenken gezwungen. Diesen Schwung kann «Planted» ausnützen.

10 Personen gefällt dieser Artikel


Simon Balissat
Simon Balissat
Editor, Zürich
Als ich vor über 15 Jahren das Hotel Mama verlassen habe, musste ich plötzlich selber für mich kochen. Aus der Not wurde eine Tugend und seither kann ich nicht mehr leben, ohne den Kochlöffel zu schwingen. Ich bin ein regelrechter Food-Junkie, der von Junk-Food bis Sterneküche alles einsaugt. Wortwörtlich: Ich esse nämlich viel zu schnell.

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren