Was taugt das pflanzliche Fleisch «Beyond Meat»?

Was taugt das pflanzliche Fleisch «Beyond Meat»?

Simon Balissat
Zürich, am 06.03.2019
Bilder: Thomas Kunz
Seit letzter Woche gibt es den «Beyond Burger» in Zürich in den drei «Helvti Diner» zu kaufen. Die rein pflanzlichen Patties sollen ein echter Fleischersatz sein. Typisch rote Färbung, typische Bräunung aussen. Aber schmecken sie auch wie Fleisch?

«Ich will dir nicht zu viel verraten», sagt Arbeitskollege David, «aber probiere den rein veganen UND den Cheese-Burger». Er hat die Burger vor ein paar Tagen schon probiert. Der Käse beim veganen «Plant Based Burger» ist aus Cashew-Nüssen, im Brioche hat es keine Butter. Ich bin skeptisch. Für den Notfall habe ich den doppelten Cheeseburger dazu bestellt. Normales Brioche, normaler Käse. Mit Cocktailsauce. Keine Experimente.

Ort des Geschehens: «Helvti Diner» beim Stauffacher in Zürich
Ort des Geschehens: «Helvti Diner» beim Stauffacher in Zürich

Ich spring auf den Hype-Train

Der Hype um die erste wirklich fleischähnliche Burgeralternative ist gross. Auch nach 14 Uhr ist das «Helvti» beim Zürcher Stauffacher gut besucht. Wir müssen ein paar Minuten warten. «Was erwartest du?», fragt Fotograf Thomas. «Fleisch. Fleisch, das aber kein Fleisch ist». Thomas sagt nichts und schaut mich verdutzt an. Das war ja auch eine Antwort, die keine Antwort ist. «Es muss die Textur von Fleisch haben. Innen saftig und nicht spröde, wie diese Pilzschnitzel. Und eine Kruste braucht es auch. Dann bin ich zufrieden». «Ok, ich verstehe. Fleisch, das kein Fleisch ist», sagt Thomas und zieht seine Kamera aus der Tasche. Unsere Burger sind bereit.

Passform: Die Burger schauen lecker aus, die Patties sind mir etwas zu uniform
Passform: Die Burger schauen lecker aus, die Patties sind mir etwas zu uniform

«Ja. Das ist ein Burger», denke ich mir, während Thomas die Teller ins rechte Licht rückt. Einziger Kritikpunkt: Die Patties sind zu einheitlich. Gleich rund, gleich hoch, gleich breit. «Wir beziehen die Burger bei einem Schweizer Lieferanten, der Kontakt zu «Beyond Meat» in den USA hat», heisst es von Helvti-Diner CEO Christian Kramer. Bei ihm gibt es «Beyond Meat» also derzeit nur in Form von vorgefertigten Burgern. «Es sind aber weitere Produkte mit «Beyond Meat» bei uns in Entwicklung». Ich will mich nicht beklagen, schliesslich stehen zwei Burger vor mir. Ich schneide sie in der Mitte durch. Das gibt mir einen Eindruck davon, wie das Vegi-Fleisch aussieht und wir können die Burger brüderlich teilen.

Querschnitt: Sieht aus wie Fleisch
Querschnitt: Sieht aus wie Fleisch

Endlich: ein herzhafter Biss. «Schmeckt es tatsächlich wie ein Burger, mit der Sauce und so…?», fragt Thomas und schiesst ungünstige Fotos von mir beim Essen. Ja, der Burger als Ganzes schmeckt nach Burger. Das Patty hat einen «fleischigen» Biss, die Zutaten der veganen Variante (Pesto Rosso, Walnüsse, veganer Käse und Rucola) sind schön balanciert, einzig der typische Rindgeschmack eines guten Burgers fehlt. Das stört mich bei diesem Burger nicht besonders.

En guete: Es hat geschmeckt
En guete: Es hat geschmeckt

Doppeldecker ohne Oomph

Etwas mehr fällt der fehlende Rindgeschmack beim Cheesburger auf. Der Doppeldecker ist zwar genauso saftig, wie ein Burger sein muss und die Konsistenz ist ebenfalls sehr «fleischig». Der richtige Burgergeschmack kommt nie. Das lässt sich mit einem Feuerwerkskörper vergleichen, der mit dickem Strahl zum Himmel steigt und dann in einem «Pfupf» in einer schönen Palme explodiert. Das sieht zwar toll aus, doch der Knall fehlt. So ist auch der «Beyond Burger». Er schmeckt toll, doch der Knall fehlt. Ich habe tatsächlich schon viel schlechtere Burger mit echtem Fleisch gegessen.

Bruchtest: Die Eigenschaften des Vegiburgers sind denen von Fleisch sehr ähnlich
Bruchtest: Die Eigenschaften des Vegiburgers sind denen von Fleisch sehr ähnlich

«Das ist wirklich ein Burger!», sagt Thomas. «Und im Verhältnis sind die Dinger nicht so teuer», erwidere ich beim Blick auf die Menukarte. Wenn du dein Rindspatty durch «Beyond Meat» ersetzen willst, zahlst du 19.50 statt 16.50. Der Premium-Burger mit Angus kostet noch einmal drei Franken mehr. Zürich-Burger-Preise halt. Thomas und ich sind uns auf jeden Fall einig: Der «Beyond Burger» ist ein Vegiburger für Fleischliebhaber. Wer Fleisch von der Konsistenz her nicht mag, der wird auch «Beyond Meat» nicht mögen. Und wenn sie den Rindgeschmack noch irgendwie reinbringen, dann bestelle ich das Teil regelmässig. Schliesslich ist es unter dem Strich umweltfreundlicher als Fleisch.

Die «Beyond Meat» Burger wurden uns vom «Helvti Diner» offeriert.

Vegi Fleisch

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  • Ich mag die Konzistenz von Fleisch nicht, daher: Eher nicht
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  • Muss das sein? Ich bleib beim Fleisch
    27%

Der Wettbewerb ist inzwischen beendet.

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Simon Balissat
Simon Balissat
Senior Editor, Zürich
Als ich vor über 15 Jahren das Hotel Mama verlassen habe, musste ich plötzlich selber für mich kochen. Aus der Not wurde eine Tugend und seither kann ich nicht mehr leben, ohne den Kochlöffel zu schwingen. Ich bin ein regelrechter Food-Junkie, der von Junk-Food bis Sterneküche alles einsaugt. Wortwörtlich: Ich esse nämlich viel zu schnell.

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