
Warum ich gerne 20 Franken für einen doppelten Espresso ausgebe
Ich zahle gut und gerne 20 Franken für eine Tasse Kaffee. Das eckt in meinem Umfeld an, was ich nicht verstehe. Daher hier mein Plädoyer für mehr Toleranz, wenn es um Hobbys geht.
«Was? Du spinnst doch», sagte mir ein Freund neulich, als ich einen doppelten Espresso bestellt habe, der rund 20 Franken gekostet hat. Ich musste die speziellen kolumbianischen Bohnen einfach verkosten. Geschmäcker von Holunderblüten und Steinfrüchten. Der Kaffee war himmlisch!
Danach habe ich mir im gleichen Laden noch Bohnen gekauft. Kostenpunkt: 30 Franken. Für 100 Gramm. «Jetzt hast du einfach mal so 50 Stutz für Kaffee ausgegeben? Das kosten mich meine Kapseln in zwei Monaten!», sagte mein Freund. «Ja, die Kapseln wären mir auch keine 50 Franken wert», habe ich ihm erwidert.
Ich bin es satt, mich immer erklären zu müssen. Kaffee ist mein Hobby und Hobbys kosten Geld. Der gleiche Freund hat mir beim Mittagessen von seinem neuen Rennrad-Sattel erzählt, der noch einmal 30 Gramm leichter ist als der letzte. Wie viel die 30 Gramm bei einem Körpergewicht von gegen 100 Kilo ausmachen, habe ich nicht hinterfragt. Ebensowenig den Preis von über 300 Franken. Mein Fahrradsattel kostet null Franken, weil ich gar kein Fahrrad besitze. Das habe ich ihm nicht vorgerechnet, es ist sein Hobby und sein Geld.
Kaffee, das flüchtige Hobby
In solchen Situationen versuche ich mir selbst zu erklären, warum mein Umfeld brüskiert reagiert. Wahrscheinlich liegt es daran, dass die meisten Menschen zwar Kaffee trinken, die wenigsten das aber als Hobby durchgehen lassen. Töfffahren, Fischen oder Stricken, das sind richtige Hobbys. Da darf der neue Auspuff, der neue Köder oder die neuen Stricknadeln auch gerne unverhältnismässig viel kosten. Kaffee aber ist für die meisten ein günstiger Wachmacher.
Zudem scheint Kaffee so flüchtig. Jeder Schluck fünf Franken, schon ist der Spass vorbei. Auspuff, Köder und Nadeln bereiten vermeintlich länger Freude. Dass du für jede Ausfahrt Benzin, für jeden Fang Gebühren und für jeden Schal Wolle kaufen musst, scheint selbstverständlich. Dasselbe gilt bei Kaffee: Die teure Handmühle und die exakte Kaffeewaage sind meine Werkzeuge, die Kaffeebohnen meine laufenden Kosten. So schwer ist das nicht zu verstehen, oder?
Irgendwie ist jedes Hobby unverhältnismässig und das ist das Schöne daran. Freude und Leidenschaft stehen über der Vernunft. Darum plädiere ich dafür, dass du mich mit meinem Hobby in Ruhe lässt.
Als ich vor über 15 Jahren das Hotel Mama verlassen habe, musste ich plötzlich selber für mich kochen. Aus der Not wurde eine Tugend und seither kann ich nicht mehr leben, ohne den Kochlöffel zu schwingen. Ich bin ein regelrechter Food-Junkie, der von Junk-Food bis Sterneküche alles einsaugt. Wortwörtlich: Ich esse nämlich viel zu schnell.
Hier liest du eine subjektive Meinung der Redaktion. Sie entspricht nicht zwingend der Haltung des Unternehmens.
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