Patrick Vogt
Meinung

Hilfe, ich trinke wie ein Kind!

Reto Hunziker
27.3.2026

Kaffee? Bitter und grusig! Bier? Bitter und grusig! Ich entspreche so gar nicht dem Getränke-Mainstream und ziehe einen feinen Sirup einem guten Wein vor. Warum das manchmal anstrengend ist.

Ich kann nicht nur Wasser trinken. Hat mir zu wenig Geschmack. Klar, es wäre das Gesündeste. Aber ich vergesse zu trinken, wenn mir nur Wasser zur Verfügung steht. Wahrscheinlich, weil es für mich kein «Erlebnis» ist, Wasser zu trinken. Kein Geschmackserlebnis. Mir ist bewusst, dass das wie aus einem schlechten Werbespot von früher klingt.

Vielleicht ist das der springende Punkt: Ich bin ein Kind der 80er und 90er, das getränketechnisch nicht erwachsen geworden ist. Redaktionskollege Patrick Vogt scheint es ähnlich zu gehen. Wann immer ein neues Süssgetränk auf den Markt gespült wird, ist er an vorderster Front.

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Meine Kindheit und Jugend sind geprägt von Getränken mit Geschmack: Rivella, Sprite, Eistee, Himbo, Seven-Up, Bilz, Fanta, Citro, Flauder, Cola, Sinalco. Ich kann mich sogar erinnern, als Kind mal Crystal Pepsi getrunken zu haben (ich fands gut, glaubs).

Bitte nicht bitter!

Zucker war meine Droge. Als junger Erwachsener habe ich diese ab und an mit Alkohol gemischt. Vodka-Cola, Whiskey-Cola, Rum-Cola und hie und da ein Vodka-Red-Bull (würde ich heute natürlich nicht mehr machen).

Hats gemundet? Ja. Hats geschadet? Bis auf ein, zwei Löcher in den Zähnen und etwas lädiertem Zahnschmelz kann ich mich nicht beklagen.

Seitdem hat sich nicht viel getan. Alles, was bitter schmeckt, ist mir nach wie vor zuwider; heisst: kein Kaffee, kein Bier, kein Aperol-Spritz für mich. Da, wo sehr viele gerne so tun, als wäre es für sie extreeem wichtig, was sie konsumieren und wie, kann ich nicht mitreden – und will es auch gar nicht. Volles Bouquet und fruchtiger Abgang beim Wein – good for you. Ob der Kaffee lungo, venti oder von einer ganz exquisiten Plantage aus Ecuador ist – könnte mich nicht weniger interessieren; ich trinke ja keinen.

So etwas findest du nicht in meinem Haushalt.

Antrainierte Begeisterung könnte ich auch

Nun findest du vielleicht, dass ich weiss Gott was verpasse, weil ich ach so genüssliche Genüsse verschmähe. Doch mir fehlt nichts. Was nicht heisst, dass ich nicht manchmal etwas neidisch bin auf diese Begeisterung, mit der andere über ihren Morgenkaffee («Highlight des Tages») oder einen edlen Tropfen vergorenen Traubensaftes («hervorragend gealtert») schwärmen. So wie ich hin und wieder etwas neidisch darauf bin, wie fanatisch Leute ein Fussballteam feiern können.

Sirup: mein edler Tropfen.
Sirup: mein edler Tropfen.
Quelle: Reto Hunziker

Diese Begeisterung ist aber – glaube ich zumindest – eh antrainiert. Wenn ich wollte, könnte ich das Pepsi Zero, mein aktuelles Lieblingsgetränk, genauso zelebrieren: prickelnd, erfrischend, vor Säure zischend. Geschmäcker sind nun mal verschieden und keiner ist besser als der andere. Vielleicht sollte ich Softdrink-Sommelier werden: «Zu den Spinatkartoffeln empfehle ich Ihnen ein Rivella Blau.»

Ein bisschen komisch angeschaut wirst du dennoch, wenn du weder Wein, Bier noch Spritzes magst. Meine Militärzeit war jedenfalls kein Zuckerschlecken (dafür umso mehr ein Zuckertrinken). Mittlerweile hinterfrage ich sogar grundsätzlich, ob es Sinn ergibt, Alkohol zu trinken (eigentlich nicht, oder?).

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6 x 50 cl

Mein aktuelles Lieblingsgetränk: Ist Cola und schmeckt nach Cola. Erfüllt.

Künstlich ist auch pfui

Vielleicht sind Süssgetränke mein einziges Laster: ernährungstechnisch. Wobei fraglich ist, wie gross das Laster wirklich ist, zumal ich vorwiegend Zero-Produkte, oder eben Pepsi Zero, konsumiere.

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Wie ich dazu gekommen bin? Nach Ausschlussverfahren. Sich beim Trinken allzu viel Zucker zuzuführen ist als Erwachsener ebenso unvernünftig wie sich eine niedrige Dosis Nervengift einzuverleiben. Sirup stark verdünnen hingegen geht. Die Sirups vom Sirupier de Berne kann ich sehr empfehlen; sie kosten aber halt auch etwas.

Brausetabletten wie Dropz haben mich nicht überzeugt: entweder haben sie zu wenig Geschmack oder einen ekligen (Cola etwa schmeckt überhaupt nicht nach Cola).

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Soll Cola sein, schmeckt aber überhaupt nicht danach. Nicht erfüllt!

Eine Weile habe ich mit Sodastream experimentiert. Auch dort: Die meisten Geschmacksrichtungen sind ungeniessbar. Die Sodastream-Cola (Pepsi) geht knapp noch, aber auch sie schmeckt sehr künstlich. Immerhin kann ich selbst dosieren, ich kann sie also auch nur leicht künstlich machen. Allein dieser Satz lässt erkennen, dass ich kein Gourmand bin – geschweige denn befugt, über andere aufgrund ihres Trinkverhaltens zu urteilen.

Von den prätentiösen Genussmenschen kann ich mich klar distanzieren, aber zu den Supergesunden und Zusatzstoffverweigerern gehöre ich auch nicht. Ich bin weder Nihilist noch Hedonist und doch heikel, was das Gesöff anbelangt.

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Kann man notfalls machen, muss man aber nicht.

Wenn schon Kind, dann glücklich

Moment, ist das vielleicht alles eine grosse Allegorie? À la: Sag mir, was du trinkst, und ich sage dir, wer du bist? Was würde das über mich aussagen? Ich interpretiere es mal positiv: Ich habe das glückliche innere Kind in mir erhalten.

Wo ist also das Problem? Ausser, dass ich eine Trinkgewohnheit habe, die man eher mit einem Kind in Verbindung bringt als mit einem Erwachsenen. Ausser, dass mir der Zahnarzt rät, weniger säurehaltige Getränke zu trinken. Ausser, dass mir das schwerfällt, weil mir Wasser zu platt ist. Ausser, dass ich statt drei Flaschen Wein drei Flaschen Sirup zu Hause stehen habe. Ausser, dass ich fast im Wochenrhythmus neun Liter Pepsi nach Hause bugsiere. Ausser, dass ich ein Trink-Exot bin.

So wie ich das sehe, gibt es gar kein Problem. Oder hast du etwa eines damit?

PS: Kürzlich habe ich wieder mal an einem Kaffee genippt. Es war schrecklich.

Titelbild: Patrick Vogt

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Ich bin freier Journalist, Kommunikationsverantwortlicher und Text-Vieleskönner. Am liebsten schreibe ich über Themen, die sich im Dunstkreis von Nonsens und gesellschaftlicher Relevanz befinden.


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