Sonnenschirme und ihre Eigenschaften im Überblick

Sonnenschirme und ihre Eigenschaften im Überblick

Pia Seidel
Zürich, am 20.07.2020
Mit einem Sonnenschirm tankst du genau die Menge an Vitamin D auf, die dich glücklich macht. Vorausgesetzt du hast den richtigen.

Lass dich nicht von der schönen Erscheinung eines Sonnenschirms täuschen. Nicht alle spenden gleich viel Schatten. Bevor du dich zwischen Fransen oder maritimen Streifenmuster entscheidest, hat die Frage nach dem Material Priorität. Der Schirmstoff entscheidet darüber, wie gut Sonnenlicht geblockt wird. Grösse, Funktionsmöglichkeiten und Aussehen sind zweitrangig.

Die Materialien und ihre Eigenschaften

Während du dich auf die Suche nach hübschen Designs machst, solltest du dir zwei Dinge überlegen: wie viel Schutz deine Haut benötigt und wie viel Zeit du für die Pflege des Stoffbezugs investieren möchtest. Beides hängt mit dem Material des Sonnenschirms zusammen.

Wie effektiv dich ein Stoff vor den Sonnenstrahlen schützt, wird durch den UV-Schutzfaktor (USF) oder Ultraviolet Protection Factor (UPF) angegeben. Ein Gewebe mit einer UPF-Bewertung von 15 bietet einen Mindestschutz, eine Bewertung von 30 einen guten Schutz und eine Bewertung von 50 und 50+ einen hervorragenden Schutz. Die Faktoren, die zur UPF-Bewertung eines Stoffes beitragen, sind beispielsweise die Zusammensetzung der Garne oder die Farbe: Je dunkler der Schirm, desto weniger UV-Licht dringt durch.

Um die Qualität einzuordnen, werden Stoffe auf UV-Schutz sowie Lichtechtheit und Wasserdichte überprüft. Versichere dich, dass der Sonnenschirm deiner Wahl das offizielle UPF-Siegel besitzt, das von internationalen Prüfstellen wie Swiss Quality Testing Services, Bundesamt für Strahlenschutz und Arpansa vergeben wird. Gewisse Hersteller wie Glatz haben auch eine Übersicht auf ihrer Homepage, die jeden verwendeten Stoff in eine Stoffklasse einteilt.

Der Preis richtet sich vor allem nach den Eigenschaften wie Lichtechtheit, UV-Schutz und Regenschutz. Bild: Skagerak Denmark
Der Preis richtet sich vor allem nach den Eigenschaften wie Lichtechtheit, UV-Schutz und Regenschutz. Bild: Skagerak Denmark

Naturstoffe wie Baumwolle und Leinen befinden sich in der tiefsten Stoffklasse. Sie halten Wasser nur zum Teil ab, wenn sie mit natürlichen Ölen, oder synthetisch beschichtet sind und gewährleisten keinen hohen UV-Schutz. Im Gegensatz zu Kunststoffen sind sie nicht schimmelresistent und brauchen mehr Pflege, da sie regelmässig imprägniert werden sollten. Polyester kann zwar mehr UV-Schutz bieten, gehört aber auch zur niedrigen Stoffklasse unter den Kunststoffen. Bereits nach circa 80-160 Sonnentagen verblasst die Farbe. Das macht sie auch günstiger als Polyacryl, das bis zu zwei Jahre farbecht bleibt. Olefin hingegen verändert erst ab zwei Jahren seine Farbe und benötigt kaum Pflege.

Häufig wird an künstlichen Stoffbezügen kritisiert, dass sie sich nicht recyceln lassen und Sonnenschirme deshalb als Ganzes auf der Mülldeponie landen. In der Schweiz gehören Sonnenschirme zum Sperrgut. Kläre beim Hersteller ab, ob sich der ausgewählte Sonnenschirm zerlegen lässt. Marken wie Doppler oder Glatz bieten ein umfangreiches Zubehör-Sortiment. So kannst du einen beschädigten Bezug auswechseln. Auch wenn beim Gestell mal etwas kaputt geht, lassen sich Einzelteile austauschen, ohne dass du den ganzen Sonnenschirm ersetzen musst.

Einer von wenigen: Die meisten Sonnenschirme lassen nicht durchblicken. Bild: Droog
Einer von wenigen: Die meisten Sonnenschirme lassen nicht durchblicken. Bild: Droog

Die meisten künstlichen Schirmbezüge sind aus einem flächendeckenden Gewebe, das UV-Strahlen bis auf zwei Prozent blockieren kann. Mittlerweile gibt es die ersten zukunftsweisenden, aber noch nicht erhältliche Entwürfe: Sonnenschirme, die nicht nur aus biologisch abbaubaren Materialien wie einem Biopolymergewebe bestehen, sondern auch mit mehr Transparenz spielen, um gutes UV einzulassen und schlechtes UV zu blockieren.

Der Mast: Holz oder Metall?

Beim Mast und Gestell des Sonnenschirms hast du die Wahl zwischen natürlichen oder künstlichen Werkstoffen sowie Metallen. Teak, Esche oder Eukalyptus sind ähnlich wie bei Gartenmöbeln beliebte Hölzer für den Mast, weil sie abrieb- und wasserfest sind. Sie erwärmen sich im Unterschied zu Aluminium und Chromstahl weniger und punkten mit ihrer Maserung. Allerdings verändert sich ihre Farbe mit der Zeit. Das ist bei beschichteten Metallen sowie Kunststoffen anders. Je nach Beschichtung sind sie nicht nur pflegeleichter als Holz, sondern auch farbbeständig. Nur vor Kratzern sind auch Alu und Chromstahl nicht gefeit.

Ob Natur- oder Kunststoffe – jeder Sonnenschirm sollte bei Nichtgebrauch geschützt werden. Bedenke im Vornherein, dass du einen Platz in der Garage oder im Keller frei hast. So bewahrst du ihn vor Schäden und er behält länger seine Farbe. Die meisten Hersteller bieten für ihre Designs auch geeigneten Schutzhüllen an.

Welche Form eignet sich für was?

Sobald du dir einen Überblick in Sachen Material verschafft hast, gehts ums Design. Wie viel Platz du hast, hilft dabei, die Auswahl einzuschränken. Denn jeder Sonnenschirm-Typ lässt sich grob einem Einsatzgebiet zuordnen.

Ampelschirme werden auch Freiarmschirme genannt. Bild: Hunn
Ampelschirme werden auch Freiarmschirme genannt. Bild: Hunn

Ampelschirme eignen sich für grosse Aussenbereiche. Da der Mast auf der Seite ist, kannst du die gesamte Fläche darunter nutzen. Auf einem Balkon muss er in der Ecke stehen, da sein Ständer viel Platz einnimmt. Auf Terrassen bist du hingegen freier. Bedenke aber, dass ein Ampelschirm instabiler als ein Stockschirm ist. Er sollte windgeschützt stehen oder ausreichend beschwert sein. Erkundige dich, ob ein Ständer im Preis inbegriffen ist. Ansonsten fallen zusätzliche Kosten an. Ausserdem gilt: Je mehr der Ampelschirm wie ein flaches Dach geformt ist, desto schlechter läuft Regenwasser ab.

Bestens geeignet für kleine Terrassen oder Stadtbalkone sind Balkonschirme. Montiere sie am Geländer und schlage zwei Fliegen mit einer Klappe: Modelle, die sich neigen lassen, ersetzen den Sichtschutz. Halte dich genau an die Angaben des Herstellers und dem Modell, damit du den Schattenspender sicher montierst.

Ein Tisch hat meistens nur dann unter einem Stockschirm Platz, wenn er in der Mitte eine Öffnung hat. Bild: Skagerak Denmark
Ein Tisch hat meistens nur dann unter einem Stockschirm Platz, wenn er in der Mitte eine Öffnung hat. Bild: Skagerak Denmark

Bei einem Stockschirm, auch Mittelstockschirm genannt, befindet sich der Mast in der Mitte. Das macht ihn stabiler als Ampelschirme, weil sich das Gewicht gleichmässig verteilt und der Wind weniger Angriffsfläche hat. Sein Nachteil ist, dass Gartenmöbel und Co. je nach Grösse nur zum Teil von ihm bedeckt werden.

Die Form von Strandschirmen unterscheidet sich zwar nicht von Stockschirmen, ihr Gewicht aber schon. Damit du sie bequem transportieren kannst, sind sie meistens aus Kunststoff, Stahl oder Aluminium. Ohne Ständer, dafür mit passender Tragtasche bist du mit einem Strandschirm flexibel.

Wie bestimme ich die Grösse?

Mit den Jahren werden die Designs von Sonnenschirmen immer ausgefallener und entfernen sich vom klassischen Streifenmuster. Jan Kurtz
Mit den Jahren werden die Designs von Sonnenschirmen immer ausgefallener und entfernen sich vom klassischen Streifenmuster. Jan Kurtz

Damit du weisst, wie viele Personen unter deinem Schattenspender am Esstisch sitzen können, gibt es Richtwerte. Solltest du dich aber dazu entscheiden, einen Liegestuhl oder eine Gartenlounge aufzustellen, orientiere dich an deren Massen.

Anzahl SitzplätzeSpannweite (in m)
21.5
2-42-2.5
4-62.5-2.7
6-83
10+4

Was soll ein Sonnenschirm können?

Um herauszufinden, welche Funktionen du wirklich brauchst, beobachte den Sonnenverlauf einen Tag lang. Neigbare Sonnenschirme wandern mit der Sonne und passen sich Platzverhältnissen optimal an. Wenn die Kipp- oder Drehfunktion fehlt, müssen Rollenuntersetzer her, wie du sie von Blumentöpfen kennst. So kannst du den Schirm auf der verfügbaren Fläche hin und her rücken.

Überlege dir auch, wie anstrengend die Bedienung sein darf. Sonnenschirme mit Schiebern oder Spannhebeln gehören zur simpelsten Öffnungsvariante. Beide Methoden brauchen mehr Kraftaufwand und sind günstiger als andere. Sie kommen oft bei Schirmen mit einer Spannweite von eineinhalb Metern vor. Ab zwei Metern kommen der Flaschenzug oder der Kurbelantrieb zum Einsatz. Durch diese Methoden können auch Sonnenschirme über drei Meter mit links geöffnet werden. Besser und dementsprechend teurer sind nur noch Modelle mit einem Elektromotor.

Oft geht bei der Suche nach dem richtigen Lichtschutz die Tatsache unter, dass sich unter einem Schirm Wärme anstaut. Um das zu verhindern und die Luftzirkulation zu verbessern, gibt es sogenannte Kamine – Luftlöcher – im Schirmstoff. Diese findest du meistens bei hochpreisigen Modellen.

Was du brauchst, damit der Schirm hält

Rollen sind ein guter Weg, um den Untergrund vor Spuren zu schützen. Bild: Hunn
Rollen sind ein guter Weg, um den Untergrund vor Spuren zu schützen. Bild: Hunn

Egal, ob Schirmständer oder eine feste Verankerung – den Sonnenschirm sicher zu befestigen ist das A und O. Stelle vor dem Kauf sicher, dass du das nötige Equipment oder Budget hast. Manche Sonnenschirme sind mit, andere ohne Ständer erhältlich. Die günstigsten Ständer sind aus einem Kunststoffmaterial und im Inneren hohl, damit du sie mit Sand befüllen kannst. Sie eignen sich, wenn du eine kurzfristige Variante für Strand- und Stockschirme mit einer Spannweite von eineinhalb Meter suchst.

Für Ampelschirme ab zwei Meter gehst du lieber auf Nummer sicher, indem du zu Schirmständern aus Granit und Zement greifst, die mindestens fünfzig bis siebzig Kilogramm wiegen. Für Schirme mit einer Spannweite ab drei Metern werden bis zu vier Platten als Stütze empfohlen. Auch hier: Halte dich am besten an die Empfehlungen von Hersteller, damit der Sonnenschirm nicht vom Winde verweht.

Für welche Form du dich auch entscheiden magst, jeder Schattenspender wird dekorativ sein und ist befestigten Sonnensegeln und Markisen eine Sache voraus: Du kannst ihn deinen Bedürfnissen und dem aktuellen Sonnenstand anpassen.

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Pia Seidel
Pia Seidel
Senior Editor, Zürich

Es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles ein Wunder. Ich glaube an Letzteres. – Albert Einstein


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