So giftig ist deine Kleidung

So giftig ist deine Kleidung

Vanessa Kim
Zürich, am 12.04.2021
Billig produzierte Fast Fashion schadet der Umwelt und dir. Welche Gifte sich in deinen Klamotten verbergen und warum du besser die Finger von schwarzen oder knitterfreien Hemden lässt.

In der Textilindustrie hat sich in Sachen Nachhaltigkeit einiges getan. Trotz alternativer Produktionsmethoden wird laut Greenpeace aber nach wie vor 90 Prozent aller weltweit verkauften Kleidungsstücke unter kostengünstigen und vorwiegend giftigen Bedingungen hergestellt. Das schadet nicht nur der Umwelt, sondern auch deiner Gesundheit. Chemisch behandelte Klamotten geben beim Tragen Schadstoffe ab, die zu allergischen Reaktionen führen können. Während einige Chemikalien über die Haut in deinen Organismus gelangen, atmest du andere wiederum ein. So sind nebst Hautausschlägen auch Kopfschmerzen keine Seltenheit.

Das Problem sind Färbeprozesse in der Textilproduktion, die extrem giftig sind. Unbehandelte Fasern aus Synthetik und Baumwolle sind grau-beige und können kaum Farbe aufnehmen. Damit die Fasern Farbpigmente überhaupt binden können, müssen sie mit Schwermetallen wie Blei und Quecksilber oder mit Halogenverbindungen angereichert werden. Da für schwarze Stoffe besonders viele Farbpigmente benötigt werden, sind diese besonders giftig. Darum gilt: Je heller ein Stoff, desto weniger Chemikalien sind im Spiel.

Spezialeffekte um jeden Preis

Sobald ein Kleidungsstück einen bestimmten Zweck erfüllt, kommen nebst Farbstoffen weitere Chemikalien zum Einsatz: Pullover dürfen heutzutage nicht mehr kratzen, sondern müssen kuschelweich sein. Dasselbe gilt für knitterfreie Hemden und wasserfeste Regenjacken. Diese Anforderungen kosten im übertragenen Sinn ihren Preis. Wenn du dir also ein Kleidungsstück kaufst, das formbeständig, schrumpf- oder knitterfrei ist, kannst du davon ausgehen, dass es vorab mit krebserregenden Formaldehyden behandelt wurde. Shirts und Pullover mit Motivdrucken enthalten zudem giftige Weichmacher. Auch Flammschutz- oder Antischimmelmittel sind keine Seltenheit. Letzteres kommt vorwiegend in Socken und Sportbekleidung zum Zuge und ist nicht zu unterschätzen.

Besonders Vorsicht ist auch bei wetterfester Bekleidung geboten: Sie wird häufig mit Tensiden wie per- und polyfluorierte Chemikalien – kurz: PFC – aufgerüstet. Nur so werden Outdoor-Stücke wasserabweisend und atmungsaktiv. Langfristig können diese Schadstoffe dein Immunsystem schwächen. Wasche darum neue Kleidungsstücke, die du direkt auf der Haut trägst, vor dem ersten Tragen. Noch besser ist es, wenn du ganz darauf verzichtest. Eine Liste mit den elf gefährlichsten Substanzen findest du hier.

Etikettenschwindel?

Gemäss dem Textillkennzeichnungsgesetz müssen auf dem Etikett bloss die einzelnen Fasern, nicht aber die dafür verwendeten Giftstoffe aufgelistet sein. Dennoch lohnt es sich, das Textillabel vor dem Kauf zu studieren. Vorsicht gilt, wenn darauf «bügelfrei», «getrennt waschen» oder «die Farbe kann ausbluten» steht. In diesem Fall ist der Stoff nicht farbecht. Auch Kleider im Used-Look und solche, die du professionell reinigen lassen musst, sind chemisch behandelt. Obwohl viele Chemikalien geruchsneutral sind, gibt es Klamotten, die vor dem ersten Tragen richtig danach stinken. Hier gilt: Finger weg, wenn dir deine Gesundheit am Herzen liegt.

Lies bei einem Etikett auch immer zwischen den Zeilen.
Lies bei einem Etikett auch immer zwischen den Zeilen.

Nicht lebensbedrohlich, aber bedenklich

Gemäss dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen «werden allein zur Färbung von Textilien hunderte verschiedener Farbstoffsubstanzen eingesetzt.» Viele dieser Gifte können nicht von der Haut absorbiert werden. Dennoch können insbesondere Farbstoffe für allergische Reaktionen sorgen oder sich im Organismus ansammeln. Lebensbedrohlich sind sie jedoch nicht. Fatal sind diese Chemikalien hingegen für die Arbeiter*innen, die für einen Hungerlohn und ohne jegliche Schutzmassnahmen Tag für Tag in den Fabriken stehen und bis zum Abwinken Fast Fashion produzieren. Wie wäre es mit Nächstenliebe, sprich: einem nachhaltigeren Konsumverhalten?

Achte beim Kauf auf helle Stoffe aus Bio-Naturmaterialien wie Baumwolle, Leinen und Seide mit Gütesiegel wie IVN oder GOTS. Sie garantieren dir, dass bei der Herstellung keine Giftstoffe zum Einsatz gekommen sind. Einen generellen Überblick verschafft dir die Sustainability Map. Solange du jedoch weiterhin Fast Fashion konsumierst und die Produktionsprozesse deiner Lieblingsmarken nicht aktiv hinterfragst, werden sie an ihrer Arbeitsweise nichts ändern. Es heisst nicht umsonst: Never change a winning team.

Drei Kleidungsstücke von zertifizierten Modelabels:

Skinny Lin blonde orange (W27/L30)
99.–
Nudie Jeans Skinny Lin blonde orange (W27/L30)
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Skater Rainbow Stripes (116, 110)
Frugi Skater Rainbow Stripes (116, 110)

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Vanessa Kim
Vanessa Kim
Editor, Zürich
Wenn ich mal nicht als Open-Water-Diver unter Wasser bin, dann tauche ich in die Welt der Fashion ein. Auf den Strassen von Paris, Mailand und New York halte ich nach den neuesten Trends Ausschau und zeige dir, wie du sie fernab vom Modezirkus alltagstauglich umsetzt.

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