Silikone im Haar - Freund oder Feind?
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Silikone im Haar - Freund oder Feind?

Natalie Hemengül
Zürich, am 06.05.2019
Ich verzichte nun schon seit einem Jahr auf silikonhaltige Pflegeprodukte. Mein Haar hat es mir gedankt. Aber warum?

Als ich vor neun Jahren den Drang verspürte, mir meine Mähne platinblond zu färben, hatte ich es zum ersten Mal mit stark pflegebedürftigem Haar zu tun. Durch das Aufhellen wurde es trocken und spröde. Fast schon leblos. Dennoch war ich überrascht, dass ich mit der vermeintlich richtigen Pflege etwas bewirken konnte. Ich hatte sogar das Gefühl, dass ich den angerichteten Schaden zu einem gewissen Grad reparieren konnte. Heute weiss ich, dass das Quatsch ist. Es waren die Silikone in Shampoo, Conditioner und Maske, die mein Haar damals «reanimierten». Die Lösung war allerdings nur von kurzer Dauer, da dieser Inhaltsstoff nicht nur Vorteile mit sich bringt.

Mehr Shine als Sein

Du kannst zwischen zwei Silikon-Arten unterscheiden: den Wasserlöslichen und den nicht Wasserlöslichen. Erstere lassen sich mit einer einfachen Haarwäsche wieder aus dem Haar entfernen und werden von den Herstellern als «hochwertig» bezeichnet. Das nicht wasserlösliche Silikon hingegen bleibt an deinem Haar haften. Bei einer regelmässigen Anwendung sammelt es sich auf der Haaroberfläche an und bildet darauf eine Schicht, die das Haar ummantelt. Da kaputtes Haar häufig keine Schuppenschicht mehr besitzt, wirkt hier das Silikon als eine Art Ersatz. Dieser Schutzmantel lässt deinen Kamm besser gleiten und glättet deine Mähne, sodass das Licht reflektiert wird. Das nehmen wir dann als Glanz wahr, den wir fälschlicherweise mit gesundem Haar gleichsetzen. Auch ein gefärbter Schopf profitiert vom Silikonfilm, weil die Farbe dadurch länger erhalten bleibt. Silikon kaschiert ungesundes Haar, repariert es aber nicht.

Leider beschwert das Silikon dein Haar, wodurch es platt aussieht und sich so anfühlt, als würde es schnell nachfetten. Weil der Schutzfilm verhindert, dass Pflegestoffe ins Haar eindringen, trocknet das Haar mit der Zeit von innen aus und wird spröde. Silikone können auch die Poren auf deiner Kopfhaut verstopfen. Dadurch kommt es zu Schuppenbildung oder Reizungen. Nicht zuletzt gelangen Silikone in unsere Gewässer. Da es sich hierbei um einen aus Erdöl gewonnenen Kunststoff handelt, sind sie nicht biologisch abbaubar. In der Herstellung werden sie verwendet, weil sie gut verträglich sind und eine günstigere Alternative zu teuren, pflanzlichen Ölen darstellen.

Ohne geht's auch

Platinblond bin ich heute nicht mehr und daher auch nicht darauf angewiesen, meinem Haar Erste Hilfe zu leisten. Deshalb habe ich mich vor einem Jahr dazu entschieden, Silikonen den Rücken zuzukehren. Im Internet gibt es zahlreiche Anleitungen, wie du Silikonrückstände schnell aus deinen Haaren waschen kannst. Ich selbst bin auf silikonfreie Produkte umgestiegen. Den Rest hat die Zeit für mich erledigt. Wenn auch du darauf verzichten willst, erkennst du Silikone in der Regel an Endungen wie «-xane», «-cone», «-conol». Um eine lange Auseinandersetzung mit Inhaltsstofflisten zu vermeiden, kannst du wie ich auf die Codecheck App zurückgreifen. Mit ihr kannst du den Strichcode eines Produkts einscannen und du erfährst sofort, ob Silikone darin enthalten sind.

Mein Haar fühlt sich seither viel leichter und voluminöser an. Selbst mein Rossschwanz, der früher ganz traurig an meinem Hinterkopf herunter hing, besitzt heute mehr Schwung und Spannkraft. Meine Mähne muss ich weniger häufig waschen, weil ich nicht mehr das Gefühl habe, dass sie schon nach einem Tag fettig wird. Wenn du strapaziertes Haar hast, erzielst du mit silikonhaltigen Produkten schnell gute Ergebnisse und sorgst dafür, dass dein Haar gesund aussieht. Meiner Erfahrung nach hält dieser Effekt aber nicht lange an. Früher oder später wirst du andere Massnahmen ergreifen müssen, um dein Haar gesund zu bekommen. Nicht nur dein Haar wird es dir danken, sondern auch die Umwelt.

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Natalie Hemengül
Natalie Hemengül
Editor, Zürich
Als Disney-Fan trage ich nonstop die rosarote Brille, verehre Serien aus den 90ern und zähle Meerjungfrauen zu meiner Religion. Wenn ich mal nicht gerade im Glitzerregen tanze, findet man mich auf Pyjama-Partys oder an meinem Schminktisch. PS: Mit Speck fängt man nicht nur Mäuse, sondern auch mich.

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