Schlafe ich als Single mit dieser Decke besser?

Schlafe ich als Single mit dieser Decke besser?

Pia Seidel
Zürich, am 24.07.2020
Eine Decke, die das Gefühl simuliert, gehalten oder umarmt zu werden, soll mir beim Einschlafen helfen. Schlafe ich wie ein Stein, oder unter einem?

Eine Nachteule war ich schon immer. Dass ich nun gleichzeitig zur Lerche werde, ist mir neu. Abends habe ich Mühe, einzuschlafen. Morgens wache ich trotz Rollladen lange vor meinem Wecker auf – und das leider nicht erholt. Die Ursache für die Unruhe? Schwer zu sagen. Auffällig ist nur, dass der schlechte Schlaf zeitgleich mit dem Ausbruch des Coronavirus hierzulande angefangen hat. Seither ist Körperkontakt auf ein Minimum beschränkt, weil ich mich ans Social Distancing halte. Als Single schiebe ich auch das Dating auf. Wie wichtig Berührungen für die Gesundheit sind, weiss ich nicht erst seit dem Gespräch mit Scifi-Künstlerin Lucy McRae über ihr Design «Hug Machine». Das wirkt sich wohl auf meinen Schlaf aus. Wobei: Eigentlich schlafe ich gerne alleine, aber vielleicht möchte mir mein Unterbewusstsein etwas durch den neuen Schlafrhythmus mitteilen?

Das Gefühl einer Umarmung kann das Nervensystem beruhigen. Genau hier setzt «Gravity Blanket» an. Die Gewichtsdecke soll den Schlaf verbessern, indem sie einen leichten Druck auf dich ausübt. Sie wurde von der britischen Marke Gravity entwickelt. Aufgrund eurer positiven Bewertungen entscheide ich mich dazu, die Bettdecke zu testen. Allerdings wähle ich nicht das Ganzjahres Modell mit einem Mikrofaser-Bezug, sondern den Nachfolger «Cooling Duvet», der kühlend wirken soll.

Cooling (6800g, 182 x 121 cm)
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Gravity Cooling (6800g, 182 x 121 cm)

«Heavy» Decke

Ob Single oder nicht – diese Bettdecke ist nicht zum Teilen gedacht. Sie eignet sich mit den Massen von 182 x 121 Zentimetern für eine Person. Damit sie sich wie ein Körper an dich schmiegen und den richtigen Druck ausüben kann, soll sie so schwer wie zehn Prozent des Körpergewichts sein. Die leichteste Version der «Gravity Blanket» wiegt 8 Kilo, 10 Kilo die mittlere und 12 Kilo die höchste.

Verpackung und Aussehen gleichen dem einer normalen Bettdecke. Einzig das Gewicht verrät die Gewichtsdecke.
Verpackung und Aussehen gleichen dem einer normalen Bettdecke. Einzig das Gewicht verrät die Gewichtsdecke.

Die Bettdecke kommt in einer Tragtasche mit eigenem Duvet daher. Vor dem ersten Gebrauch wasche ich dieses kalt und gebe es bei niedriger Temperatur in den Trockner. Sollte ich einmal die Bettdecke waschen müssen, ginge das per Hand oder chemischer Reinigung. Der erste Pluspunkt: Bügeln wäre auch erlaubt, ist aber nicht nötig. Das Duvet kommt glatt aus dem Trockner. Es wirkt hochwertig und dank des grauen Farbtons sowie den Ziernähten sieht es schick aus.

Der Stoffbezug wird im Innern mit der Baumwolldecke verknüpft. Er ist aus Faux-Tencel, das für seine schweissaufsaugende und temperaturregulierende Funktion bekannt ist.
Der Stoffbezug wird im Innern mit der Baumwolldecke verknüpft. Er ist aus Faux-Tencel, das für seine schweissaufsaugende und temperaturregulierende Funktion bekannt ist.

Obwohl die ausgepackte Bettdecke als Schwergewicht sperrig wirken könnte, ist das Gegenteil der Fall. Vielmehr erinnert sie mich an eine herkömmliche Steppdecke aus Daunen und fühlt sich dank des Baumwollbezugs auch so an. Jede der Kammern enthält Glaskügelchen, die das Gewicht gleichmässig verteilen, weil sie mit einer weichen Polyesterfaser umrandet sind. Das fühlt sich wie Sand an und soll für einen besseren Luftstrom sorgen. Auch das Duvet besitzt feine Löcher durch die Ziernähte, die verhindern, dass sich Wärme ansammelt.

Doppelt hält besser: Schleifen sowie Knöpfe sorgen dafür, dass nichts verrutscht.
Doppelt hält besser: Schleifen sowie Knöpfe sorgen dafür, dass nichts verrutscht.

Bett machen: Kein Kraft-, aber Zeitaufwand

Das Bett beziehen ist kein leichtes oder besser gesagt kurzes Spiel. Damit die Bettdecke an Ort und Stelle bleibt, muss sie am Stoffbezug mittels Knöpfen und Schleifen befestigt werden. Dafür breite ich zuerst die Decke aus und nehme den umgekehrten Bettbezug zur Hand. Nachdem ich eine der langen und kurzen Seiten im Sitzen zusammengebunden habe, stülpe ich den Bezug um die Decke und verbinde die restlichen Seiten. Zum Waschen waren die Schleifen vom Bezug zwar schnell geöffnet, aber hier brauche ich fast dreifach so lange. Am Ende schliesse ich Reissverschluss, der sich auf der langen Seite befindet, und zupfe nur noch ein wenig an den Ecken. Es braucht im Vergleich zu normalen Bettdecken weder Schütteln, noch viel Kraftaufwand und die Decke liegt faltenlos.

Ein Reissverschluss an der langen Kante erleichtert das Bettbeziehen.
Ein Reissverschluss an der langen Kante erleichtert das Bettbeziehen.

Probeschlafen

Aus dem Testlauf mache ich kein wissenschaftliches Experiment. Ich verfolge meinen Schlaf weder mit einem Tracker, noch besuche ich ein Schlaflabor. Mir genügt es, wenn ich besser einschlafe und fühle, dass ich nach dem Aufwachen erholt bin. Um mich an das Gewicht zu gewöhnen, teste ich die Decke zum Lesen für circa zwanzig Minuten und lasse meine Arme dabei draussen. Dabei fällt mir besonders das leichte Pochen meines Herzens unter der Decke auf. Es ist auch beim ersten Powernap das letzte, was ich wahrnehme, bevor der Wecker wieder klingelt. Normalerweise brauche ich tagsüber länger, um einzuschlafen. Mit der Gravity Blanket kann ich auch bei weiteren Nickerchen besser herunterfahren. Dasselbe gilt für den Grossteil der darauf folgenden Nächte: Ich schlafe in kürzester Zeit ein.

Obwohl ich gerne seitlich schlafe, fühlt sich die Gewichtsdecke auch auf dem Rücken liegend gut an. Nur die Füsse strecke ich in dieser Position oftmals heraus, weil der Druck dort etwas unangenehm ist. Damit, dass ein Positionswechsel im wachen Zustand mehr Kraft als sonst braucht, arrangiere ich mich schnell. Viel wichtiger ist, dass ich währenddem ich schlafe, davon nicht aufwache. Auch nach Wochen scheine ich nicht nur wie ein Stein zu schlafen, sondern auch wie unter einem zu liegen.

Wohltuend ja, aber kühlend nein

«Dieses Design verfügt über ein revolutionäres Kühlgewebe, das so optimiert ist, dass es Feuchtigkeit ableitet und Sie sich verjüngt fühlen», heisst es im Beschrieb von Gravity. Doch wie soll mich eine Bettdecke abkühlen, die sich eng an meinen Körper schmiegt? Dieses Versprechen kann die Bettdecke für mich nicht einhalten. Bei den aktuellen Sommertemperaturen wird mir unter der Decke wärmer, als mir lieb ist. Um darunter nicht zu schwitzen, lasse ich Arme ich meine Beine draussen. Das schwächt den Umarmeffekt. Zum Vergleich schlafe ich eine Nacht mit meiner gewohnten Sommerdecke, die ich mit Leinenbettwäsche beziehe und als wesentlich kühler empfinde.

Mehr als ein Self-care-Gadget

Gravity Blanket ist zwar kein offizielles therapeutisches Tool ist, aber die Idee dahinter basiert im Unterschied zu vielen anderen Schlafhilfen auf Langzeitstudien. Bei der Therapie namens Deep touch pressure werden Gewichtsdecken eingesetzt, um die Symptome von Menschen mit Angstzuständen bis hin zu ADHS zu lindern. Die tiefe Druckberührung auf den Körper regt laut Studien die Serotoninproduktion an. Das Glückshormon gibt ein Gefühl von innerer Ruhe und Zufriedenheit, während es Ängste oder Kummer dämpft. Später wandelt sich das Serotonin in Melatonin um, das unter anderem den Tag-Nacht-Rhythmus des Körpers regelt und zum Schlafen veranlasst.

Nach dem Waschen ist die Decke ohne Bügeln mit ein bisschen Zupfen glatt.
Nach dem Waschen ist die Decke ohne Bügeln mit ein bisschen Zupfen glatt.

Das Gewicht hat seinen Preis

Der Preis für die Gewichtsdecke ist im ersten Moment hoch, ist aber begründet. Details wie die Nähte oder ein versteckter Reissverschluss machen das Design elegant. Der Stoffbezug sowie die Füllung sind hochwertig. Günstige Modelle besitzen laut Angaben im Netz oft nur Kunststoffkügelchen, die spürbar und hörbar sind. Günstige Modelle sollen ausserdem das Gewicht ungleichmässig verteilen, was den Umarmeffekt schwächt und das Zurechtrücken der Decke mühsam gestaltet. Beim Cooling Duvet laufe ich einmal ums Bett und ziehe ich nach dem Aufstehen nur an den Seiten herum und streiche einmal drüber, um das Bett zu machen.

Die Glaskügelchen im Innern fühlen sich so fein wie Sand an.
Die Glaskügelchen im Innern fühlen sich so fein wie Sand an.

Bevor du so viel Geld in die Hand nimmst, empfehle ich dir dennoch eine Trockenübung. Lege dich zum Beispiel unter eine Bettdecke mit einem Kleiderstapel darauf, um zu sehen, wie du auf das Gewicht reagierst. Kläre auch ab, ob sich eine Gewichtsdecke für dich und deine gesundheitlichen Voraussetzungen eignet. Für Menschen, die unter chronischen Krankheiten wie Diabetes, Asthma oder Herzproblemen leiden können Gewichtsdecken gefährlich werden. Dasselbe gilt für deine Kinder: Sie müssen in der Lage sein, die Bettdecke mit dem passenden Gewicht selbstständig entfernen zu können.

Fazit: Wie ein «alter» Stein

Es ist wie mit einer Massage: Weil ich denke, dass ich mir mit der Gewichtsdecke etwas Gutes tue, bin ich zufriedener und schlafe schneller ein. Besonders in den ersten Nächten fokussiere ich mich darauf, wie sich die Decke anfühlt. Das hilft beim Abschalten. Klar, kann ich schlafend nicht beobachten, wie viel ich mich bewege, aber ich wache oft in derselben Position und nicht mehr vor meinem Wecker auf. Deshalb plane ich jetzt circa zehn Minuten länger beim Wecker stellen ein, um im Bett munter werden zu können. Anders, als vom Hersteller angegeben, wirkt der Stoffbezug jedoch weder verjüngend, noch kühlend auf mich. Deswegen überlege ich mir einen Leinenbezug für den Sommer zu nähen und diesen mit Schleifen und Knöpfen zu versehen. Im besten Fall bietet Gravity bald mehr Stoffbezug-Alternativen an. Denn eigentlich hat mir gefallen, dass die Bettdecke bereits mit passendem Duvet geliefert wurde, das perfekt dazu passt.

Obwohl die Gewichtsdecke keine Umarmung ersetzt, erinnert mich das Gefühl, unter ihr zu liegen, an etwas Schönes: Als mich meine Eltern oder Grosseltern noch ins Bett gebracht haben, wurde ich in die Bettdecke wie in einen Kokon gewickelt. Damals so wie heute, schlafe ich dadurch spürbar besser.

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Pia Seidel
Pia Seidel
Senior Editor, Zürich

Es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles ein Wunder. Ich glaube an Letzteres. – Albert Einstein


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