Die Espressomaschine ohne Strom: Uniterra Nomad

Simon Balissat
Zürich, am 14.04.2019
Die Uniterra Nomad verspricht Espresso mit reiner Muskelkraft. Sie braucht bloss heisses Wasser. Eigentlich genial, müsste ich die Nomad nicht selber reinigen.

Sie könnte aus unserem Playmobil-Sortiment stammen, die Uniterra Nomad. Oder handelt es sich um einen modernen Locher fürs Büro? Weder noch. Die Nomad ist eine Espressomaschine für unterwegs. Alles was ich brauche, ist heisses Wasser, gemahlene Kaffeebohnen und Muskelkraft.

Kaffeebereiter
Nomad (0.35l)
344.–
Uniterra Nomad (0.35l)

Vollwertige Espresso Maschine für unterwegs

Wippen, bis der Kaffee kommt

Das Prinzip erklärt sich von selbst: In das kleine Sieb in der Schublade fülle ich den Kaffee, in den Tank das heisse Wasser. Dann wippe ich den grauen Hebel hin und her, um Druck aufzubauen.. Da ich die Anleitung nicht gelesen habe, kommt es zur ersten Sauerei. Die Kaffeetasse steht am falschen Ort, das braune Gold ergiesst sich über den gesamten Tisch. Design ist toll, aber leider nicht selbsterklärend. Im zweiten Versuch treffe ich dann auch die Tasse. Wobei die Dosierung zunächst Glückssache ist. Ich brauche ein paar Tassen Übung. Je länger ich wippe, umso mehr Kaffee fliesst aus der Nomad. Es dauert ein paar Sekunden, bis die ersten Tropfen fliessen. Höre ich mit dem Wippen auf, läuft die Maschine ein paar Sekunden weiter und die Tasse überläuft. Hier hätte ich mir ein System gewünscht, das den aufgebauten Druck auf einmal freisetzt.

Schönes Design, aber was taugt es?
Schönes Design, aber was taugt es?

Die wichtigste Frage aber ist: Wie schmeckt der Kaffee? Meines Erachtens: Hervorragend! Sofern das Wasser auch wirklich heiss ist und die Bohnen den richtigen Mahlgrad haben, braucht sich der Handmaschinen-Kaffee nicht hinter seinen grossen, elektrischen Brüdern zu verstecken. Es gelingt eine anständige Crema, der Espresso ist stark, nicht zu sauer und nicht zu bitter. Ich bin überrascht.

Nach dem Genuss kommt der Frust

Ein Problem habe ich mit der Reinigung. Den Kaffee im Sieb musst du mit einem Löffel herausklauben. Ich habe es mit dem Finger probiert, das Resultat siehst du unten. Die Schublade ist anfällig auf Kaffeeflecken und du kommst mit dem Lappen schlecht in die Lücke. Das braucht zusätzliches Wasser. Wasser, das beim Wildcamping oder auf Roadtrips mit dem Camper Mangelware ist. Daher empfehle ich die Nomad auch eher für Ferienwohnungen oder Campingplätze. Dort trumpfst du aber auf. Sie dient als edler und teurer Ersatz zum Bialetti-Kaffeekocher. Besseren Espresso auf Reisen gibt es nicht.

Ohne irgendein Werkzeug bringst du den Kaffee kaum aus dem Sieb
Ohne irgendein Werkzeug bringst du den Kaffee kaum aus dem Sieb

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Simon Balissat
Simon Balissat
Editor, Zürich
Als ich vor über 15 Jahren das Hotel Mama verlassen habe, musste ich plötzlich selber für mich kochen. Aus der Not wurde eine Tugend und seither kann ich nicht mehr leben, ohne den Kochlöffel zu schwingen. Ich bin ein regelrechter Food-Junkie, der von Junk-Food bis Sterneküche alles einsaugt. Wortwörtlich: Ich esse nämlich viel zu schnell.

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