Du bist nicht mit dem Internet verbunden.
Galaxus Logo
Meinung Essen + Trinken1039

Das mieseste Stück Fleisch: Das Pouletbrüstli

Der Fitnesswahn hat dazu geführt, dass die Pouletbrust seit Jahren einen Hype erlebt. Viel Protein, kaum Fett, gar kein Geschmack. Eine Abrechnung mit dem traurigsten Stück Fleisch der Welt.

Die Pouletbrust ist das fleischgewordene Äquivalent der zersiedelten Schweizer Einfamilienhaus-Agglomeration: Profillos und traurig. Sie ist geschmackloser als ein Gemälde von Rolf Knie oder eine Show von Divertimento. Sie ist die politische Mitte der Fleischindustrie. Der BDP-Slogan «Langweilig, aber gut» könnte genausogut vom Branchenverband «Proviande» für das Pouletbrüstli gewählt worden sein.

Wir fliegen auf Geflügel

Ein Blick auf den Agrarbericht zeigt, dass sich Schweizer Geflügelfleisch immer besser verkauft. Zwar ist der Pro-Kopf-Konsum insgesamt etwas gesunken, Schweizerinnen und Schweizer kaufen aber bewusster ein und greifen zu Schweizer Produkten. Aus Sicht der Nachhaltigkeit sicher erfreulich. Weniger erfreulich ist, dass ein Grossteil des Fleisches als Brüstli auf Fitnesstellern und dem Grill landen. Über 13 Millionen Kilo Pouletbrust pro Jahr sind es, wie «Proviande» auf Anfrage mitteilt. Zum Vergleich: In der gleichen Zeit verkaufen sich 8 Millionen Kilo Pouletschenkel. Was treibt den Menschen also dazu, ein Stück Fleisch zu verzehren, das nach nichts schmeckt und nach noch weniger aussieht?

«Ich esse eigentlich kein Fleisch, ausser…»

Die Pouletbrust ist das Stück Fleisch für den gesundheitsbewussten Flexitarier. Der isst «eigentlich nie» Fleisch. Ausser Pouletbrust. Seit Jahrzehnten preisen Fitnessbibeln und Ernährungsprogramme die Pouletbrust als das Stück an, das «gesund» ist. Wenig Fett, kein Cholesterin, viel Protein und kaum Eigengeschmack. Die Geschmacklosigkeit des Pouletbrüstli gilt in diesen Kreisen als Qualitätsmerkmal. Du darfst dein Pouletbrüstli nach Belieben würzen, es hat ja eh keinen Eigengeschmack. Jedem sein individuelles Stück. Das Fleisch verkommt zum Träger von Gewürzen, Marinaden und Saucen. Es ist nichts mehr als das Stück Brot, das beim Frühstück als Träger für Butter, Konfi und Palmöl-Haselnussaufstrich dient. Jetzt magst du vielleicht sagen «Richtig zubereitet ist es auch nicht trocken!». Stimmt. Richtig zubereitet schmeckt das Brüstli aber immer noch nicht. Und meist ist das Brüstli sowieso falsch zubereitet.

Zartrosa und unbrauchbar: Das Pouletbrüstli in der rohen Form

Während bei Schwein und Rind schon längst ein Trend zum Verspeisen des ganzen Tieres («Nose to tail») zu erkennen ist, hat das Huhn noch immer einen Sonderstatus. Wenigstens hat die Industrie einen Weg gefunden, die Resten zu verwerten. Sie serviert uns durch Siebe gepresste Karkassen als Pouletnuggets, Schnitzel oder Cordon Bleu. Auch hier gilt: Hauptsache, du siehst die Urform nicht.

Direkt aus der Matrix

In dystopischen Zukunftsvisionen essen die Menschen graue, undefinierbar geformte Lebensmittel. Was von den Autoren und Regisseuren eigentlich Abscheu beim Zuschauer hervorrufen sollte, ist heute schon längst Tatsache. Das Pouletbrüstli gleicht einer kulinarischen Horrorvision. Einzig das Anbraten verleiht dem Stück noch eine leichte Bräunung und kaschiert das gräulich-weisse Fleisch damit. Blanchierst du das Pouletbrüstli, dann könnte es direkt aus «The Matrix» stammen. Sein graues, trauriges Aussehen lässt dich vergessen, dass es einmal ein Tier war. Keine Haut, keine Knochen, kein Fett, keine Adern, kein Blut. Bloss ein Stück Protein.

Lass es sein

Lass das Pouletbrüstli daher links liegen. Iss lieber gar kein Fleisch. Oder kauf dir Pouletschenkel, Pouletflügeli und ganze Poulets. Die bieten knusprige Haut, saftiges Fleisch und knackige Knorpel. Das ist Poulet. Hast du das Pouletbrüstli erst einmal überwunden, dann gönn dir auch mal Hühnerleber. Oder Hühnerherzen. Oder Hühnerkämme. Meinetwegen kannst du sogar Nuggets und Pouletschnitzel essen. In denen landet nämlich der Rest der Poulets, die für ihre Brüstchen das Leben lassen mussten. Das schmeckt alles besser als Pouletbrüstli.

Leider bestimmt die Nachfrage das Angebot. Aufgepumpte Fitnesstrainer empfehlen das Brüstli. Ihre Jünger folgen ihnen blind. Folgen kannst du mir übrigens auch, mit einem Klick unten bei meinem Autorenprofil. Du kriegst dann eine Mail, sobald ich einen neuen Artikel veröffentliche.

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren

Mit diesem einfachen Trick gelingen dir <strong>knusprige Pouletflügeli aus dem Ofen</strong>

Mit diesem einfachen Trick gelingen dir knusprige Pouletflügeli aus dem Ofen

<strong>Zum Klimastreik</strong>:  Fake-Poulet gegen den Kollaps
News & TrendsEssen + Trinken

Zum Klimastreik: Fake-Poulet gegen den Kollaps

Avatar

Simon Balissat, Zürich

  • Editor
Als ich vor über 15 Jahren das Hotel Mama verlassen habe, musste ich plötzlich selber für mich kochen. Aus der Not wurde eine Tugend und seither kann ich nicht mehr leben, ohne den Kochlöffel zu schwingen. Ich bin ein regelrechter Food-Junkie, der von Junk-Food bis Sterneküche alles einsaugt. Wortwörtlich: Ich esse nämlich viel zu schnell.

10 Kommentare

3000 / 3000 Zeichen
Es gelten die Community-Bedingungen

User yankeepat

Krass auch, was die Folgen für die restliche Welt sind: Während in Europa nur noch einzelne Teile des Huhns gegessen werden, exportiert man den Rest (oder die sogenannten "Suppenhühner") nach Westafrika (wo man das ganze Tier noch zu schätzen weiss), und zerstört dort die Lebensgrundlage von Bauern. Siehst du: programm.ard.de/TV/arte/arm...

12.06.2019
User daccurda

Genau deswegen weil Poulet-Brust keinen Geschmack hat, eignet sie sich ja perfekt für Gerichte, bei denen der Fleischgeschmack im Hintergrund steht. Natürlich kann man da auch argumentieren, gar kein Fleisch reinzupacken, weil es in diesen Gerichten eben nicht so wichtig ist geschmacklich.

Eines meiner Lieblings Pouletbrustgerichte bei denen das so zutrifft ist z.B. Kung Pao en.wikipedia.org/wiki/Kung_... - hier ist die Marinade vom Poulet sowie die leicht klebrige Sauce im Vordergrund.

Da kann man aber z.B. auch die Pouletbrust durch Tofu ersetzen und es ist fast das Gleiche. Wichtig ist etwas festeren Tofu zu kaufen da es von der Konsistenz her sonst einfach nicht passt. Teilweise ist es mit Tofu sogar besser da saftiger.

12.06.2019
User comunas

Seit wann ist denn Tofu saftig??

13.06.2019
Antworten
User charles34

Bin nicht sicher, ob dieser Artikel einen zynischen Ton hat oder ob es der Autor ernst meint. Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, da sich Simon ja selber als Junk-Food Konsument bezeichnet und daher so ziemlich unglaubwürdig rüber kommen würde. Und wenn man sich schon als Moralapostel hinstellt, dann hinterfragt doch auch die Herstellung eurer importierten China-Ware. Zur Nachfrage: ohne es zu wissen würde ich behaupten, dass der Konsum von Poulet zunimmt, da das "gute" Fleisch kaum bezahlbar geworden ist.

12.06.2019
User daccurda

Das ist bestimmt ein Faktor, wobei gutes Poulet ebenfalls hart an der Grenze des bezahlbaren liegt, mit knapp 30 CHF / kg

12.06.2019
User DigiMermar

Natürlich hat dieser Artikel nen sogar sehr zynischen Ton! Ich denke, die Frage ist mehr, knöpft man das dem lieben Simon auch ab? Nö, nicht wirklich. Aus den 15 sind mittlerweile wahrscheinlich 20 Jährchen geworden, seit er selber kocht. Und da sind bestimmt auch einige Pfannenmodelle in der Küche "verbraucht" worden. Vielleicht solltest Du mal die Kuhn Rikon Hotpan probieren. Richtig zubereitet werden die Brüstchen Butterzart, einfach lecker. Guten Appetit dann!

13.06.2019
Antworten
User Coloneljesus

Soweit ich weiss hat Poulet einen wesentlich kleineren CO2 Abdruck pro Kilo als andere Fleische. Besonders Rind ist schwerwiegend.

13.06.2019
User sven1988

Was diskutiert ihr da über zu hohe Pouletpreise? 30.- für ein leben!!! Fleisch ist keine Resource die auf den Bäumen wächst!!! Aus Respekt zum Tier fordert Simon euch auf das ganze Lebewesen zu verspeisen. Sprich zu jedem Pouletbrüstchen gehören 12 Chickennuggets!!! Seit euch eurem Handeln bewusst!!! Gruss sven

14.06.2019
Antworten
User Anonymous

Pouletbrust ist ideal fürs "Kochen" ohne Aufwand ;) Zum Beispiel paar Zitronenscheiben drauf, ab in den Steamer, etwas nachwürzen und fertig.
Wenn man etwas mehr Zeit hat ist aber eine gefüllte Pouletbrust sehr geil und lässt der Kreativität viel Freiraum.

gestern 11:25
User MauzTheCore

Null Plan was dieser Artikel soll. Hat der Autor einen persönichen Hass gegen Pouletbrüstli oder die "aufgepumpten Fitnesstrainer"? Mal wieder ein Paradebeispiel für die Nuzlosigkeit von digitec/galaxus-Artikel die nicht direkt auf ihre Produkte bezogen sind.

gestern 19:20