
Das ist seit diesem Sommer der bünzligste Salat an deiner Grillade
Lange war der Tomaten-Mozarella-Salat die absolute Spitze des Schweizer Spiessertums. Keine Grillade ohne abwechselnd aufgereihte Tomaten- und Mozzarella-Stücke. Seit diesem Sommer ist der «Caprese» aber abgelöst.
Er kam aus dem Nichts und stand vor ein paar Jahren erstmals auf dem Buffet eines Grillfestes. Die Farbkombination: altbekannt.
Rot, weiss und grün.
Die Zutaten allerdings ganz neu.
Statt Tomaten, Mozzarella und Basilikum waren es Wassermelone, Feta und Minze. Die Gäste versammelten sich staunend vor der Schüssel. «Ist das nicht zu süss?», hörte ich eine besorgte Mutter fragen, um gleich von einem Midlife-Crisis-Fitnessguru gemansplained zu werden, dass Wassermelonen ja nur Wasser seien und eher der Feta kalorientechnisch bedenklich sei.
Man schöpfte sich verhalten einen halben Löffel dieses fremdartigen Salates und hielt sich an der heiligen Trifecta jedes Schweizer Salatbuffets fest: Kartoffel, Karotte und Caprese.
Neuer Salat, gleich geschmacklos
Das war vor etwa sechs Jahren. Seither hat der Wassermelonen-Feta-Salat in einem napoleonischen Siegeszug die Grillfeste des Landes erobert. Die ungesalzene Tomate wurde als Wasserträger durch unreifes Kürbisgewächs abgelöst. Das gummige Mozzarella-Fundament wurde durch bröckligen Schafskäse ersetzt. Und das warm-süssliche Basilikum musste kühl-frischer Minze weichen. Wenigstens bringen die Kräuter etwas Geschmack rein.
Oft ist das einzige verbindende Element der Salate der inflationäre Einsatz von schlechtem Balsamico-Essig. Ein Produkt, das an keinem der Salate etwas zu suchen hat. Modena, wo der süssliche Essig herkommt, ist einerseits über 600 Kilometer von Capri entfernt und hat also etwa so viel mit Caprese zu tun, wie Weisswürste etwas im Fondue verloren haben. Andererseits ist Feta schon von sich aus so sauer und Wassermelone so süss, dass es im neuen König der Bünzli-Salate keines süss-sauren Essigs bedarf.

Quelle: Shutterstock
Die beiden Salate haben also gemein, dass sie zwar schön aussehen, aber meist völlig geschmacklos zubereitet sind. Ungesalzene Tomaten sind ein Verbrechen, unreife Wassermelonen gehören verboten. Und so betrachte ich auch den neuen Herrscher auf dem Schweizer Salat-Olymp im besten Fall mit leichter Verachtung, im schlechtesten Fall mit Abscheu.
Das ist der beste Tomatensalat, den du je essen wirst
Damit ich nicht nur lafere, sondern auch liefere: Hier das Rezept für den weltbesten fucking Tomaten-Mozzarella-Salat.
- Drei Esslöffel Rotweinessig – nicht Balsamico, sondern das rötlich durchsichtige Zeug – und zwei Teelöffel Salz vermischen. Es muss sich nach zu viel Salz anfühlen.
- Zwei Knoblauchzehen andrücken, damit sie aufreissen und zum gesalzenen Essig geben. Eine halbe Stunde ziehen lassen, dann die Knoblauchzehen entfernen.
- Reife Tomaten vom Markt halbieren und in dünne Scheiben schneiden (im Idealfall sogar die Haut entfernen, ich bin aber oft zu faul dafür).
- Vor dem Servieren den gesalzenen Essig unter die Tomaten heben und gutes Olivenöl darüber geben
- Gezupften Basilikum und gezupften Mozzarella auf den Tomaten verteilen und servieren
Bitte.

Quelle: Simon Balissat
Als ich vor über 15 Jahren das Hotel Mama verlassen habe, musste ich plötzlich selber für mich kochen. Aus der Not wurde eine Tugend und seither kann ich nicht mehr leben, ohne den Kochlöffel zu schwingen. Ich bin ein regelrechter Food-Junkie, der von Junk-Food bis Sterneküche alles einsaugt. Wortwörtlich: Ich esse nämlich viel zu schnell.
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