Pia Seidel
Produkttest

50 Stunden? Was diese Kerze von Yankee Candle wirklich hält

Pia Seidel
6.11.2026
Bilder: Pia Seidel

Mit «Crackling Embers» verspricht Yankee Candle 50 Stunden Winterstimmung. Ich habe probegerochen und nachgewogen, ob das stimmt.

Zimt, Kardamom, Muskatnuss, schwarzer Pfeffer: Schon die Kopfnote dieser Yankee-Candle-Kerze liest sich wie eine Gewürzschublade im Advent. Dahinter folgen Jasmin, Bernstein und Eukalyptus in der Herznote, Sandelholz, Vanille und Tonkabohne in der Basis. Ihr Name passt dazu: «Crackling Embers», knisternde Glut, eine limitierte Edition von Yankee Candle mit zwei Dochten.

Crackling Embers, übersetzt knisternde Glut, ist eine limitierte Edition.
Crackling Embers, übersetzt knisternde Glut, ist eine limitierte Edition.

Der Hersteller verspricht: 50 Stunden soll diese Grösse brennen. Vom selben Duft gibt's auch Modelle für 10, 29 und 90 Stunden. Ich habe die Kerze über mehrere Wochen in meinem 15 Quadratmeter grossen Wohnzimmer abgebrannt und nach jedem Durchgang gewogen. Ausserdem liess ich drei Kolleginnen blind daran schnuppern.

Erster Eindruck

Die Kerze kommt unspektakulär in Luftpolsterfolie an, damit das Glas unbeschädigt bleibt. Es ist durchsichtig und trägt Sticker, deren Schriftbild wirkt, als stamme es aus der Zeit vor Photoshop.

Irgendwo zwischen WordArt und Clip-Art: Auch wenn es die Deklarationen braucht, sie könnten dezenter angebracht werden.
Irgendwo zwischen WordArt und Clip-Art: Auch wenn es die Deklarationen braucht, sie könnten dezenter angebracht werden.

Insgesamt bringt die Kerze 686 Gramm auf die Waage. Davon sind laut Etikett 368 Gramm Wachs. Glas und Deckel machen mit rund 318 Gramm also knapp die Hälfte des Gewichts aus – ein ausgewogeneres Verhältnis, als ich es bei meiner letzten Testkerze gesehen habe.

Das eingravierte Logo im Deckel ist das einzige Gestaltungselement, das auffällt.
Das eingravierte Logo im Deckel ist das einzige Gestaltungselement, das auffällt.

Das Design macht sonst wenig her – mehr Logo im Deckel als Charakter auf dem Glas. Mein erster Griff: die Sticker abziehen. Danach wirkt die Kerze angenehm schlicht.

Der Duft

Das ungebrannte Wachs riecht bereits leicht würzig. Die Gewürznote kündigt sich an, sobald ich den Deckel öffne. Nach dem Anzünden dauert es rund 30 Minuten, bis weitere Nuancen hinzutreten. Die Jasmin- und Eukalyptusnoten passen überraschend gut dazu, obwohl sie für sich genommen nicht nach Winter klingen.

Nach dem Löschen hängt der Duft noch circa eine Stunde lang spürbar in der Luft.

Der Blindtest

Drei Kolleginnen haben an der Kerze geschnuppert, ohne Etikett, ohne Markenname: Was riechst du? Wie intensiv ist der Duft auf einer Skala von 1 bis 10? Und: Wo würdest du sie anzünden?

Im 15 Quadratmeter grossen Wohnzimmer verteilt sich der Duft schnell.
Im 15 Quadratmeter grossen Wohnzimmer verteilt sich der Duft schnell.

Anders als beim letzten Test – bei «Calm & Serenity» von Cerería Mollá – sind sich hier fast alle einig. Natalie Hemengül riecht etwas Warmes, Pflaumiges, Holziges. Laura Scholz mag, «dass er nicht so penetrant ist» – warm, wohlig, fruchtig. Carmen Baumann braucht gar keine Umwege: «Das läutet die Adventszeit ein.»

Bei der Intensität zeigt sich eine klare Tendenz nach oben: Natalie vergibt eine 6, Laura eine 8, Carmen eine glatte 10 – «intensiver als die andere». Bei «Calm & Serenity» lagen alle drei Werte noch zwischen 3 und 5.

Nach einem Namen gefragt, bleiben zwei nah am Weihnachtsthema: «Heisse Zwetschge» (Laura), «Holzige Pflaume» (Natalie). Carmen überrascht mit einer Spitze: «Discount-Advent.»

Wo würden sie die Kerze anzünden? Natalie im Flur, weil der Duft dort mit der Zeit präsenter werde. Laura im Schlafzimmer. Carmen im Wohnzimmer – natürlich, «für die Adventszeit».

Der Brenntest

Das Wachs war bereits nach eineinhalb Stunden vollständig flüssig. Wie empfohlen, lasse ich die Kerze beim ersten Brand mindestens eine Stunde brennen. Ich puste sie aus und nutze den Deckel sogleich, um den Rauch zu stoppen. Vor jedem neuen Anzünden kürze ich die Dochte – die verkohlte Spitze bröselt dabei weniger stark als bei meiner letzten Testkerze.

Dank der zwei Dochte entsteht jedes Mal schnell ein vollständiger Wachsspiegel – keine Ränder, kein Tunneling, kein Russ.

Was mich dennoch stört: Das Glas sieht nach wenigen Durchgängen schmutzig aus. Wachsspritzer und ein milchiger Film ziehen sich über die obere Hälfte, Schlieren inklusive. Bei «Calm & Serenity» ging ich genau gleich vor, dort fiel es nur nicht auf – das getönte Glas kaschierte die Spuren. Dafür war die Flamme kaum zu sehen. Hier ist es umgekehrt: volle Sicht auf die Flamme, aber eben auch auf jeden Rückstand.

Über mehrere Brennzyklen hinweg verliert die Kerze durchschnittlich 8,4 Gramm Wachs pro Stunde. Die Streuung zwischen den Durchgängen ist dabei gering. Hochgerechnet auf die volle Füllmenge von 368 Gramm reicht das für rund 44 Stunden. Das sind rund sechs Stunden – etwa 12 Prozent – weniger, als die 50 Stunden auf der Produktseite versprechen.

Inhaltsstoffe

Auf dem Etikett nennt der Hersteller sechs Stoffe, darunter die deklarationspflichtigen Duftallergene Cumarin und Zimtaldehyd. Letzterer passt zum würzigen Zimt in der Kopfnote. Zwei weitere, Octabenzon und 2-(2H-Benzotriazol-2-yl)-p-Kresol, sind gar keine Duftstoffe, sondern UV-Stabilisatoren: Sie verhindern, dass Duftöl und Wachsfarbe unter Lichteinfluss verblassen.

Entsprechend trägt das Etikett ein Gefahrensymbol. Das Etikett rät: Bei Hautkontakt mit reichlich Wasser waschen, bei Reizungen einen Arzt konsultieren. Erwähnenswert dagegen: Auf der Verpackung steht unmissverständlich «Natural & Synthetic Fragrance». Anders als bei meiner letzten Testkerze verzichtet Yankee Candle hier darauf, das «Natürlich» als alleiniges Verkaufsargument aufzuführen.

Preis pro Brennstunde

Bei 28.90 Franken und den versprochenen 50 Stunden käme die Kerze auf 58 Rappen pro Stunde. Ich habe mit einer Küchenwaage gemessen und komme auf rund 44 Stunden – macht 66 Rappen pro Stunde. Etwas mehr, als das Etikett suggeriert, aber deutlich weniger als die 95 Rappen bei «Calm & Serenity».

Fazit

Würziger Winterduft mit Abstrichen

Der Duft sitzt: Zimt, Kardamom und Muskatnuss ergeben ein würziges, präsentes Aroma. Alle drei Testerinnen erkannten es im Blindtest unabhängig voneinander als weihnachtlich, ohne das Etikett zu kennen.

Auch der Abbrand stimmt. Dank zweier Dochte ist die Oberfläche nach eineinhalb Stunden vollständig flüssig, das Wachs brennt sauber ab, ohne Ränder oder Russ. Nur verzeiht das klare Glas nichts: Wachsspritzer und Schlieren sieht man sofort. Und bei der Brenndauer komme ich auf rund 44 statt der versprochenen 50 Stunden. Für Weihnachtsstimmung reicht sie trotzdem.

Pro

  • würziger Adventsduft, im Blindtest bestätigt
  • sauberer Abbrand ohne Russ und Wachsränder
  • abnehmbare Etiketten
  • Duftstoffe transparent deklariert
  • günstiger pro Brennstunde als die Vergleichskerze

Contra

  • Brenndauer 12 Prozent kürzer als angegeben
  • wenig einladendes Design
  • enthält zwei Duftstoffallergene
  • klares Glas zeigt Wachsspritzer
Produktbild Yankee Candle Crackling Embers
Duftkerzen
−6%
CHF26.90 statt CHF28.50

Yankee Candle Crackling Embers

Titelbild: Pia Seidel

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Mit der Begeisterung eines Cheerleaders feiere ich gutes Design und bringe dir alles näher, was mit Möbeln und Inneneinrichtung zu tun hat. Regelmässig kuratiere ich einfache, aber raffinierte Interior-Entdeckungen, spüre Trends auf und interviewe kreative Köpfe zu ihrer Arbeit. 


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