Pia Seidel
Produkttest

60 Stunden Ruhe? Was die Duftkerze «Calm & Serenity» wirklich leistet

Pia Seidel
16.10.2026
Bilder: Pia Seidel

«Calm & Serenity» von Cerería Mollá soll dank Duftforschung nachweislich entspannen – und das 60 Stunden lang. Das eine stimmt. Das andere habe ich nachgewogen.

Sojawachs, zwei Dochte, ein topasfarbenes Glas: Das ist «Calm & Serenity» von Cerería Mollá. Riechen soll sie nach Sandelholz, Vetiver und frischen Zitrusnoten – und laut Name für Ruhe und Gelassenheit sorgen. Das ist keine Duftnote, das ist ein Versprechen an meine Stimmung.

Hinter der Kerze steht Cerería Mollá 1899, eine spanische Manufaktur, die das Gründungsjahr im Namen trägt und das Handwerk zum Marken-Kern macht: «Seit 1899 bewahren wir handwerkliche Techniken, die über Generationen weitergegeben wurden», heisst es auf der Website. Konkret – und damit überprüfbar – wird die Marke beim Material: 100 Prozent pflanzliches Sojawachs, natürliche Baumwolldochte, ätherische Öle.

Calm & Serenity stammt aus einer Manufaktur, die seit 1899 Kerzen giesst.
Calm & Serenity stammt aus einer Manufaktur, die seit 1899 Kerzen giesst.

Beim Duft beruft sich die Marke sogar auf Wissenschaft: Er basiere auf «olfaktorischer Neurowissenschaft» und sei «in einem renommierten spanischen Labor für die Messung emotionaler Reaktionen getestet» worden. Belegt sei damit die Fähigkeit, «tiefe Entspannung zu fördern». Das klingt beeindruckend, bleibt aber unüberprüfbar: Welches Labor, welche Methode, wie viele Testpersonen? Dazu findet sich keine Angabe. Also prüfe ich selbst: Ich brenne die Kerze in meinem 15 Quadratmeter grossen Wohnzimmer ab und lasse drei Kolleginnen blind daran schnuppern.

Erster Eindruck

Die Kerze kommt in einer farblich passenden, recycelbaren Kartonschachtel daher. Nur die Schutzhülle im Innern ist aus Kunststoff, lässt sich aber herausnehmen. Auf der Packung stehen Informationen zur Marke, eine Broschüre enthält Tipps zum Abbrennen.

Weil die Verpackung elegant wirkt, kann die Kerze so gut auch verschenkt werden.
Weil die Verpackung elegant wirkt, kann die Kerze so gut auch verschenkt werden.

Auffällig ist das Gewicht: Die Kerze bringt insgesamt 840 Gramm auf die Waage, davon sind 370 Gramm Wachs. Glas und Deckel machen also mehr als die Hälfte des Gewichts aus. Das Kerzenglas wirkt hochwertig. Bis auf die Aufschrift, die es für meinen Geschmack nicht braucht. Es kann samt Deckel wiederverwendet werden, für eine neue Kerze, die du selbst giesst, oder für ein Teelicht.

Du kannst das topasfarbene Glas später weiterverwenden.
Du kannst das topasfarbene Glas später weiterverwenden.

Der Duft

Das ungebrannte Wachs riecht beim Auspacken bereits angenehm holzig-frisch. Angezündet ist der Duft intensiver, aber nicht weniger fein. Er entfaltet sich am stärksten im Raum selbst, ist aber auch in den Nebenräumen wahrnehmbar, weil ich beide Türen in der Regel offen lasse. Das Sandelholz trägt, die Zitrusnote hält ihn frisch. Vor allem aber: Er übertönt nicht alles. Viele Duftkerzen sind nach einer halben Stunde so präsent, dass ich sie wieder lösche. Diese hier bleibt zurückhaltend genug, dass ich sie einen ganzen Abend brennen lassen kann.

Nach dem Löschen hängt der Duft noch circa eine halbe Stunde in der Luft. Wie lange, hängt auch davon ab, ob du den Deckel schliesst oder nicht.

Was der Name verspricht, löst der Duft für mich ein: Er beruhigt. Ob das an «olfaktorischer Neurowissenschaft» liegt oder einfach daran, dass Sandelholz und Vetiver seit Jahrhunderten als erdende Düfte gelten, lässt sich von meinem Sofa aus nicht entscheiden.

Der Blindtest

Weil Duft Geschmackssache ist, habe ich drei Kolleginnen an der Kerze schnuppern lassen, ohne Etikett, ohne Markenname, ohne Preis. Drei Fragen: Was riechst du? Wie intensiv ist der Duft auf einer Skala von 1 bis 10? Und: Würdest du die Kerze zu Hause anzünden?

Das Ergebnis fällt überraschend aus: Natalie Hemengül fragt erst, ob der Duft überhaupt im Raum sei, und erkennt wenig später Hölzer darin. Stephanie Vinzens findet ihn ebenfalls «eher dezent» und denkt an Weihnachten, während Carmen Baumann Saunen in den Kopf kommen.

Bei der Intensität sind sich die drei dann einig: Carmen vergibt eine 5 von 10, Stephanie eine 4, Natalie eine 3. Zurückhaltend also – genau wie ich es empfinde.

Am aufschlussreichsten ist, wie die drei Nasen die Kerze nennen würden: «She's Shy», «Weihnachtsluft» oder «Sauna Tranquility». Drei Bilder, ein Gefühl – und damit ziemlich genau das, was der Produktname verspricht.

Anzünden würden sie alle drei – nur in sehr unterschiedlichen Räumen: Carmen im Eingangsbereich, Natalie im WC, Stephanie im Schlaf- oder Wohnzimmer.

Was hier riecht, wussten die Testerinnen nicht – trotzdem landeten alle drei beim gleichen Gefühl.
Was hier riecht, wussten die Testerinnen nicht – trotzdem landeten alle drei beim gleichen Gefühl.

Der Brenntest

Das Wachs brennt sauber und völlig gleichmässig ab. Ich puste die Kerze meist aus und nutze den Deckel sogleich, um den Rauch zu stoppen. Vor jedem neuen Anzünden kürze ich die Dochte wie empfohlen. Dabei zerbröselt die verkohlte Spitze eher, als dass sie sich schneiden lässt, was typisch für Baumwolldochte ist. Die schwarzen Krümel wische ich trotzdem vom Wachs, bevor ich wieder anzünde. Sonst können sie als kleine Zweitdochte wirken und russen.

Beim Kürzen zerbröselt die verkohlte Dochtspitze. Die Krümel wische ich weg, bevor ich die Kerze wieder anzünde.
Beim Kürzen zerbröselt die verkohlte Dochtspitze. Die Krümel wische ich weg, bevor ich die Kerze wieder anzünde.

Obwohl der Hersteller empfiehlt, die Kerze mindestens zwei Stunden brennen zu lassen, damit die gesamte Oberfläche flüssig ist, kann ich theoretisch schon nach einer Stunde stoppen. Es bleiben keine Wachsränder stehen, kein Tunneling, kein Russ. Das dürfte an den zwei Dochten liegen: Zwei Flammen verflüssigen die Oberfläche schneller und gleichmässiger als eine.

Genau hier liegt das Problem: Pro Stunde verliert die Kerze rund zehn Gramm Wachs. Bei 370 Gramm Füllmenge reicht das für etwa 37 Stunden – Restwachs am Glasrand eingerechnet. Der Hersteller gibt 60 Stunden an, fast 40 Prozent mehr, als ich messe. Eine Erklärung dafür finde ich nicht: Zwei Dochte verbrauchen zwar mehr Wachs als einer, doch genau die gibt auch der Hersteller an.

Und zu meinen Gunsten gerechnet habe ich bereits: Kurze Brennphasen verbrauchen tendenziell weniger Wachs als lange, bei denen Glas und Wachs durchgehend heiss bleiben. Wer die Kerze einen ganzen Abend brennen lässt, kommt eher auf weniger als 37 Stunden.

Inhaltsstoffe

Deklariert sind vier Duftstoffe: D-Limonen, Linalool, Cumarin und Linalylacetat. Alle vier gelten als potenziell allergieauslösend und müssen deshalb ausgewiesen werden. Limonen steckt natürlich in Zitrusschalen, Linalool und Linalylacetat in Lavendel und Bergamotte, Cumarin in der Tonkabohne. Natürlich vorkommen heisst aber nicht automatisch, dass sie's hier auch tun. «Natürliche Düfte» ist kein geschützter Begriff. Wer empfindlich auf Duftstoffe reagiert, sollte diese Liste kennen, bevor die Kerze im Schlafzimmer steht. Welche Zertifikate die Marke für ihre Produkte beansprucht, zeigt die Website.

Preis pro Brennstunde

Bei 34.90 Franken und der versprochenen Brenndauer käme die Kerze auf 58 Rappen pro Stunde. Nach meiner Messung sind es rund 95 Rappen.

Was übrig bleibt, kostet mehr pro Stunde, als die Packung verspricht.
Was übrig bleibt, kostet mehr pro Stunde, als die Packung verspricht.

Fazit

Beruhigt zuverlässig, nur nicht so lange wie versprochen

Beim Duft macht «Calm & Serenity» alles richtig. Sandelholz, Vetiver und Zitrus ergeben ein Aroma, das beruhigt, ohne sich aufzudrängen. Drei Kolleginnen, die blind daran schnupperten, kamen auf ganz unterschiedliche Bilder – Weihnachten, Sauna, Schüchternheit – und meinten doch alle dasselbe: Ruhe.

Handwerklich stimmt es ebenfalls. Dank zweier Dochte ist die Oberfläche schon nach einer Stunde vollständig flüssig, und das Wachs brennt gleichmässig und russfrei ab.

Wer eine Kerze sucht, die den Raum nicht erschlägt, bekommt hier genau das. Nur eben rund 37 statt 60 Stunden lang und damit teurer pro Abend, als du denkst.

Pro

  • beruhigende Wirkung – auch im Blindtest bestätigt
  • sehr sauberer, gleichmässiger Abbrand ohne Russ und Wachsränder
  • hochwertiges Glas, wiederverwendbar
  • elegante Verpackung, eignet sich zum Verschenken

Contra

  • reale Brenndauer rund ein Drittel kürzer als angegeben
  • dadurch hoher Preis pro Brennstunde
Titelbild: Pia Seidel

5 Personen gefällt dieser Artikel


User Avatar
User Avatar

Mit der Begeisterung eines Cheerleaders feiere ich gutes Design und bringe dir alles näher, was mit Möbeln und Inneneinrichtung zu tun hat. Regelmässig kuratiere ich einfache, aber raffinierte Interior-Entdeckungen, spüre Trends auf und interviewe kreative Köpfe zu ihrer Arbeit. 


Dekoration
Folge Themen und erhalte Updates zu deinen Interessen

Produkttest

Unsere Expertinnen und Experten testen Produkte und deren Anwendungen. Unabhängig und neutral.

Alle anzeigen

Weitere Beiträge aus dem Magazin

Alle anzeigen

Weitere Beiträge aus dem Magazin

Kommentare

Avatar