Weniger CO2-Ausstoss dank Erbsen-Poulet von «Planted»

Weniger CO2-Ausstoss dank Erbsen-Poulet von «Planted»

Simon Balissat
Zürich, am 23.06.2020
Planted ist sowas wie der Rockstar der Schweizer Food-Branche und mischt mit veganem Pouletfleisch den Markt auf. Im letzten Frühjahr musste ich noch an die ETH, um planted.chicken zu probieren. Jetzt verkauft es der Grossverteiler.

Wer an die Eidgenössische Technische Hochschule denkt, denkt an Astrophysik, Informatik oder Medizinaltechnik. Dass veganes Pouletfleisch aus Erbsenproteinen von der ETH auf dem Teller der Konsumenten landet, ist eigenartig. Planted ist ein ETH Spin-off und produziert dort das Poulet, das die Umwelt weniger belastet. Letzten März habe ich erstmals davon gegessen.

*Zum Klimastreik**: Fake-Poulet gegen den Kollaps
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Auf den eigenartigen Produktionsstandort an einer Schweizer Hochschule angesprochen lacht Planted-Sprecherin Virginia Beljean. «Bisher haben wir quasi auf unserem Prototypen produziert – der ist in der ETH. Jetzt sind wir soweit, ziehen um und haben neue Maschinen, die uns erlauben, die Produktionsmengen zu erhöhen und so die steigende Nachfrage zu decken.» Ende Juni eröffnet die Produktion in Kemptthal auf dem Maggi-Areal. Ausgerechnet dort, wo 1869 der Jungunternehmer und Lebensmittelpionier Julius Maggi 23-jährig die väterliche Getreidemühle übernommen hatte, um mit Fertigsuppen und Bouillonwürfeln die Welt zu erobern.

Planted-Sprecherin Virginia Beljean
Planted-Sprecherin Virginia Beljean

Trendfood oder Hype-chicken?

Rückblende: Vor einem Jahr traf ich die Planted-Gründer an der ETH bei einem Startup-Wettbewerb und sprach mit ihnen über ihre Pläne. Es klang verlockend. Planted hat weniger CO2-Ausstoss und einen geringeren Wasserverbrauch als herkömmliches Fleisch, kostet etwa soviel wie Bio-Poulet und ist vegan. Dennoch erschienen mir die Ziele der Jungunternehmer damals ehrgeizig: Eine Finanzierungsrunde von mindestens einer Million Franken. Die haben sie bei weitem übertroffen. Sieben Millionen Franken wurden generiert. Geld, das vor allem ins Ankurbeln der Produktion fliesst. Letzten März war noch unklar, wann Planted in den Detailhandel kommt. Seit Anfang diesen Jahres gibt es das vegane Fleisch schweizweit in 550 Coop-Filialen und in anderen Läden zu kaufen. Zudem hat Planted einen Online-Shop und ist bei diversen Grossisten für die Gastronomie erhältlich.

Quelle: Planted
Quelle: Planted

Aber kommt das fleischlose Poulet bei den Konsumenten auch an? «Im Moment wächst die Nachfrage und die Verkaufszahlen sind gut», sagt Sprecherin Virginia Beljean. «Nach der Markteinführung im Januar haben wir eine sinkende Nachfrage und weniger Verkäufe erwartet. Dies blieb aus». Das Momentum will Planted mitnehmen und hat auf die Grillsaison hin einen Spiess entwickelt – mit Mais, getrockneten Tomaten und BBQ-mariniertem planted.chicken. Ausserdem kommt in ein paar Wochen der neuste Wurf von Planted in die Gastronomie: veganes pulled pork, das planted.pulled.

Der Erfolg von Planted zeigt, dass Nachhaltigkeit und weniger CO2- Ausstoss konkrete Bedürfnisse der Konsumenten sind und nicht bloss leere, trendige Worthülsen. Nachhaltigkeit ist vom fundamentalistischen Randthema zum kapitalistischen Milliardengeschäft geworden. Dabei geht es nicht zuletzt auch um Jobs: Bei Planted arbeiten 25 Personen. Als ich ihnen vor einem Jahr an der ETH einen Besuch abstattete, waren es erst vier Leute.

Kleiner Fisch im grossen Haifischbecken

Alternativen zu Fleisch sind im Trend, kommen aber vor allem aus dem Ausland. Ob Start-ups wie «Beyond Meat», «Impossible Burger» oder der Foodgigant Nestlé mit dem «Incredible Burger», Fleischersatz ist das nächste, grosse Ding. Die gute CO2-Bilanz der Produktion wird durch den Transport runtergezogen. Dieses Problem hat Planted nicht. Einzig der «Green Mountain» der Hilcona-Gruppe stammt auch aus der Schweiz. Die Migros hat derweil in eine israelische Firma investiert, die an Fleischalternativen forscht. In den Verkaufsregalen stehen diese Produkte noch nicht.

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Simon Balissat
Simon Balissat
Senior Editor, Zürich
Als ich vor über 15 Jahren das Hotel Mama verlassen habe, musste ich plötzlich selber für mich kochen. Aus der Not wurde eine Tugend und seither kann ich nicht mehr leben, ohne den Kochlöffel zu schwingen. Ich bin ein regelrechter Food-Junkie, der von Junk-Food bis Sterneküche alles einsaugt. Wortwörtlich: Ich esse nämlich viel zu schnell.

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