Stefanie Lechthaler
Ratgeber

Verspielte Keramik-Lampe: So modellierst du sie selbst – zuhause ohne Brennofen

Du willst Licht und Farbe in dein Leben bringen? Kein Problem. Ich zeige dir, wie du eine verspielte Lampe aus lufttrocknendem Ton modellierst.

Obwohl es im Internet nur so von Lampenfüssen aus Keramik wimmelt, gefallen mir die wenigsten davon. Deswegen versuche ich es einfach selbst und modelliere mir aus lufttrocknendem Ton eigene Kreationen, die zu mir passen.

Die Farbe, die Form und das Muster. Alles genau so, wie es mir gefällt.
Die Farbe, die Form und das Muster. Alles genau so, wie es mir gefällt.

Und so schaffst du es auch

Weil ich sowieso einen Produkttest mit dem Sculpd Töpferset mache, verwende ich, was dort drin ist. Das musst du aber keineswegs so machen, denn die Anschaffung der einzelnen Komponenten könnte sich für dich finanziell eher lohnen. Mehr dazu kannst du im Test am Ende dieser Anleitung lesen.

Wenn du für deine Kreation auch nicht in die Keramikwerkstatt rennen willst, brauchst du für den Lampenfuss lufttrocknenden Ton, ein Wallholz, Ausrollhölzer, ein Messer, Pinsel, Acrylfarbe, Acryllack und Keramikwerkzeug.

Zusätzlich brauchst du eine Leuchtengarnitur (achte darauf, dass sie einen Pressring und einen Steckdosenanschluss hat) und eine passende Glühbirne. Mir gefallen grosse Glühbirnen, die Lichteffekte auf die Wand projizieren. Sie verleihen der charmanten Lampe noch einen verspielteren Touch.

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Modellieren

Zu Beginn reisst du einen kleinen Klumpen vom Ton ab, gibst ihn zerkleinert in eine Schale und übergiesst die Stückchen mit Wasser. Daraus wird später «Schlicker», ein schlammiges Gemisch, das dir hilft, den Ton zusammenzukleben.

Den Ton für deine Skulptur knetest du, bis er eine gleichmässige Konsistenz hat. Im besten Fall erkennst du in der Masse keine Bläschen mehr. Falls sich Risse bilden, befeuchtest du den Ton mit Wasser.

Das Gemisch wird zu Schlicker. Einer Art Ton-Kleber.
Das Gemisch wird zu Schlicker. Einer Art Ton-Kleber.

Als nächstes wallst du die Modelliermasse zwischen zwei Ausrollhölzern aus, bis sie einen Zentimeter dick ist. Wende die Masse dabei mehrmals, damit sie nicht auf der Arbeitsfläche kleben bleibt. Zu schmal solltest du den Ton nicht ausrollen. In meinem ersten Versuch – mit einem halben Zentimeter – ist der Lampenfuss in sich zusammengefallen, weil er zu instabil war.

Verwende zehn Millimeter hohe Ausrollhölzer.
Verwende zehn Millimeter hohe Ausrollhölzer.

Im nächsten Schritt markierst du auf dem ausgerollten Ton einen etwa zehn Zentimeter breiten Streifen und schneidest die überstehenden Ränder mit dem Messer ab.

Dann schneidest du die beiden Ränder links und rechts ab und stellst das Rechteck auf, sodass du einen Zylinder in den Händen hältst. Übrigens eignen sich Versand- oder Papprollen an dieser Stelle hervorragend, um den Zylinder zu stützen. Wenn du eine Kartonrolle Zuhause hast, legst du den Ton um sie herum. Ansonsten musst du die Modelliermasse einfach mit den Händen gut festhalten. So mache ich es.

Nachdem du alle Ränder abgeschnitten hast, bleibt ein Rechteck.
Nachdem du alle Ränder abgeschnitten hast, bleibt ein Rechteck.

Jetzt bringst du die Rolle auf den gewünschten Durchmesser und schneidest den überstehenden Ton ab. Die beiden Ränder, die aufeinander kommen, ritzt du mit dem Messer ein.

Die mit Wasser bedeckten Stückchen vom Anfang sollten jetzt aufgequollen sein. Mit einer Gabel kannst du nachhelfen, wenn der Schlicker noch zu klumpig ist. Die glitschige Masse pinselst du seitlich, dort, wo die beiden Seiten aufeinander treffen, auf den Ton.

Mit einem Messer oder einem Stahlbesen ritzt du die Ränder ein …
Mit einem Messer oder einem Stahlbesen ritzt du die Ränder ein …
… und bepinselst sie mit Schlicker.
… und bepinselst sie mit Schlicker.

Aus den abgeschnittenen Resten formst du zwei Röllchen. Die legst du über die Naht auf die Innen- und Aussenseite und verstreichst sie, bis die Tonwürstchen nicht mehr erkennbar sind.

Dann legst du das Röllchen auf die Naht …
Dann legst du das Röllchen auf die Naht …
… und verstreichst es.
… und verstreichst es.

Um den «Deckel» zu erhalten, rollst du ein weiteres Stück Ton zwischen den Hölzern zu einem flachen Kreis. Er sollte ungefähr einen Zentimeter über den Rand des Zylinders hinausragen. In der Mitte stichst du ein Loch im Durchmesser des Pressrings aus. Dort fädelst du die Glühbirne hindurch.

Der Deckel muss leicht über den Zylinder hinausragen, damit du die Ränder verstreichen kannst.
Der Deckel muss leicht über den Zylinder hinausragen, damit du die Ränder verstreichen kannst.
Beim Durchmesser des Lochs im Deckel orientierst du dich am Pressring.
Beim Durchmesser des Lochs im Deckel orientierst du dich am Pressring.

Den oberen Rand des Zylinders ritzt du erneut ein und bestreichst ihn mit Schlicker. Dann setzt du den «Deckel» mit dem Loch darauf. Was übersteht, streichst du mit dem Finger dem Zylinder entlang herunter. Um sicherzugehen, dass alles sitzt, verstärkst du den Deckel mit einem weiteren Tonröllchen von unten.

Bepinsle den oberen Rand mit Schlicker, nachdem du ihn eingeritzt hast.
Bepinsle den oberen Rand mit Schlicker, nachdem du ihn eingeritzt hast.
Anschliessend streichst du die Ränder vorsichtig nach unten.
Anschliessend streichst du die Ränder vorsichtig nach unten.

Ein weiterer Tipp, um deine Skulptur während des Trocknens zu stützen: Lege eine Schale oder einen Karton in den Zylinder unter den noch weichen «Deckel». Sollte sich die Masse zu sehr verformen oder einfallen, kannst du sie nach ein, zwei Stunden noch immer gut in die richtige Form bringen. Unebenheiten und Risse glättest du mit den Fingern oder einem feuchten Schwamm. Sei aber lieber sparsam mit dem Wasser und taste dich an die richtige Menge heran.

Zu guter Letzt braucht der Lampenfuss einen Schlitz fürs Stromkabel. Auf welcher Seite du diesen setzt, ist nicht so wichtig. Am besten an der Stelle, die dir am wenigsten gefällt – wenn es so eine überhaupt gibt. Hauptsache, du vergisst ihn nicht.

Durch den Schlitz am unteren Rand ziehst du das Stromkabel hindurch.
Durch den Schlitz am unteren Rand ziehst du das Stromkabel hindurch.

Bemalen

Nach 48 Stunden sollte deine Skulptur knochentrocken sein. Also so, dass keine Restfeuchtigkeit im Ton mehr übrig ist. Das erkennst du daran, dass sich die Materialfarbe von einem dunkleren zu einem hellen Farbton verändert hat.

Erst wenn der Lampenfuss komplett getrocknet ist, fängst du mit Bemalen an.
Erst wenn der Lampenfuss komplett getrocknet ist, fängst du mit Bemalen an.

Für die Grundierung bepinselst du den Lampenfuss mit weisser Acrylfarbe. Am besten gleich auf der Aussen- und der Innenseite, damit das Material besser gegen Feuchtigkeit geschützt ist.

Eine Schicht sollte für die Grundierung reichen. Falls du trotzdem eine zweite auftragen willst, musst du warten, bis die erste ganz trocken ist. Ansonsten passiert dir das gleiche Missgeschick wie mir, und die Farbe löst sich an einem Stück. Obwohl die Acrylfarbe relativ schnell trocknet, rate ich dir, mindestens drei Stunden zu warten, bis du die nächste Farbschicht aufträgst.

Die erste Farbschicht gilt als Grundierung. Weiss eignet sich gut, weil es die weiteren Farben nicht verfälscht.
Die erste Farbschicht gilt als Grundierung. Weiss eignet sich gut, weil es die weiteren Farben nicht verfälscht.

In diversen Videoanleitungen verwenden die Bastelwütigen Malerband, um gerade Kanten abzustecken. Bei mir klappt dieser Versuch nicht, ohne dass ich die trockene Farbe mitsamt der Grundierung vom Malerband abziehe.

Ich habe die zwei Schichten zu schnell aufeinander aufgetragen.
Ich habe die zwei Schichten zu schnell aufeinander aufgetragen.

Deshalb entscheide ich mich schliesslich für ein einfaches Muster und verziere die Lampe mit Streifen, die ich für mehr Leuchtkraft doppelt überstreiche. Mit den richtigen Pinseln und ein bisschen Geschick steht einem wilden Gemälde aber nichts im Weg.

Die Methode mit dem Malerklebeband hat für mich nicht funktioniert.
Die Methode mit dem Malerklebeband hat für mich nicht funktioniert.
Deshalb setze ich auf ein einfaches, aber wirkungsvolles Streifenmuster.
Deshalb setze ich auf ein einfaches, aber wirkungsvolles Streifenmuster.

Auch nach der zweiten Schicht solltest du genügend lange warten, um den Acryllack aufzutragen. Dieser verleiht deiner Skulptur eine zweite Schutzschicht und lässt sie glänzen. Wie normale Farbe verteilst du den Schutzlack grosszügig mit dem Pinsel über den Lampenfuss und lässt ihn 12 Stunden trocknen. Wenn die Oberfläche nach den gewarteten Stunden keinen Widerstand mehr leistet, kannst du die Lampenfassung einschrauben und die Glühbirne einsetzen.

Acryllack gibt dem lufttrocknenden Ton und der Farbe noch eine weitere Schutzschicht …
Acryllack gibt dem lufttrocknenden Ton und der Farbe noch eine weitere Schutzschicht …
… und lässt sie glänzen.
… und lässt sie glänzen.

Dann musst du die Lampe nur noch an den Strom anschliessen und ein geeignetes Örtchen dafür finden.

Ein bisschen krumm und eigenartig und genau darum perfekt.
Ein bisschen krumm und eigenartig und genau darum perfekt.
Zusammen mit der verspielten Glühbirne ist die Lampe ein echter Hingucker.
Zusammen mit der verspielten Glühbirne ist die Lampe ein echter Hingucker.
  • Produkttest

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    von Stefanie Lechthaler

Titelbild: Stefanie Lechthaler

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Die Wände kurz vor der Wohnungsübergabe streichen? Kimchi selber machen? Einen kaputten Raclette-Ofen löten? Geht nicht – gibts nicht. Also manchmal schon. Aber ich probiere es auf jeden Fall aus.


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