«Upstaa»: Die Stehpult-Alternative im Test

«Upstaa»: Die Stehpult-Alternative im Test

Pia Seidel
Zürich, am 18.02.2021
Zu viel sitzen ist schädlich für unsere Produktivität und Gesundheit. Trotzdem sind nur wenige Büros aufs Arbeiten im Stehen ausgelegt. Deswegen wurde der Aufsatz «Upstaa» entwickelt. Er soll jeden Tisch zum Stehpult machen. Ob das gelingt?

Ich habe noch keine Rückenbeschwerden, aber einen Homeoffice-Koller. Mir fehlt das Grossraumbüro oder Café ums Eck zum Arbeiten. Um die Hummeln im Hintern zu beruhigen, versuche ich jetzt das Arbeiten im Stehen. Der Tischaufsatz Upstaa soll mir das ermöglichen und für den nötigen Tapetenwechsel sorgen. Welchen Effekt er auf meine Gesundheit hat, klammere ich hier aus. Ich fokussiere mich stattdessen aufs Design und was es mit meinen Gewohnheiten macht. Kann ich überhaupt im Stehen arbeiten? Und wo kann ich damit überall arbeiten?

Die Spezifikationen

Alle Holzteile auf einen Blick. Sie werden aufeinander liegend in einer Kartonbox geliefert.
Alle Holzteile auf einen Blick. Sie werden aufeinander liegend in einer Kartonbox geliefert.
  • eine Ablage (35 x 1,75 x 25 cm) für den Laptop oder Monitor
  • eine Ablage (80 x 1,75 x 20 cm) für Tastatur, Maus, Smartphone, Schreibutensilien, Kaffeetasse, etc.
  • Eigenschaften: in der Höhe verstellbar
  • Material: Lackiertes FSC-Birkensperrholz
  • Maximale Belastung: 4 kg
  • Gewicht: 7 kg
  • Masse: 80 x 47 x 72 cm
  • Montage: ohne Werkzeug
  • Lieferumfang: Holzteile, Kunststoffkleber zum Schutz von Oberflächen, Anleitung und eine Kartonbox

Die Anleitung zum Aufbau sowie Kunststoffgleiter sind mit dabei.
Die Anleitung zum Aufbau sowie Kunststoffgleiter sind mit dabei.

Ich teste zum ersten Mal eine Stehpult-Alternative. Dafür stellt mir der Hersteller ein Muster zur Verfügung, das platzsparend in einer flachen Kartonbox geliefert wird. Darin kann Upstaa auch mal im Schrank verstaut werden. Das gefällt mir schon jetzt. Nichts ist schlimmer als sperrige Dinge, die du zuhause nicht verstecken lassen. Die Montage klappt dank des simplen Aufbaus auf Anhieb und ich kann «losstehen».

Mein 13-Zoll-Laptop passt auf die obere Ablage.
Mein 13-Zoll-Laptop passt auf die obere Ablage.

Bisher sass ich zuhause an meinem 75 Zentimeter hohen Schreibtisch Journal von Normann Copenhagen. Diesen verwende ich jetzt als Basis für das grosse Upstaa-Modell aus der Classic-XL-Reihe. Es bietet verschiedene Höhen für die Arbeitsplatten an. So kann ich die Höhe auf meine Körpergrösse von 1,74 Meter anpassen. Falls du ein weniger breites Modell benötigst, gibt es mit 72 cm auch die kleinere und mit 260 Franken günstigere Version namens Classic-Standard.

Auch ein 14-Zoll-Laptop hat auf den Seiten noch Platz.
Auch ein 14-Zoll-Laptop hat auf den Seiten noch Platz.

Die Stehpult-Alternative kann ich auf zwei verschiedene Arten verwenden. Entweder nutze ich nur die Monitor-Desk-Ablage für einen Laptop oder diese zusammen mit der Keyboard-Desk-Ablage für eine zusätzliche Tastatur und Maus. Ich entscheide mich für Letzteres und wähle zunächst den Schreibtisch als Basis. Nach kurzem Probieren, finde ich die geeignete Höhe, bei der meine Arme in einem rechten Winkel sind. Die untere Arbeitsplatte positioniere ich auf der dritten Stufe und platziere darauf meine Bluetooth-Maus und -Tastatur. Falls du keine Bluetooth-Varianten besitzt, musst du dich nicht um Kabeldurchlässe sorgen. Alles rundum Upstaa ist frei. Das ist Fluch und Segen zugleich. So wird’s für Ästheten schwieriger Kabel zu kaschieren.

Die Leiter hat zahlreiche Öffnungen zur Kabelführung.
Die Leiter hat zahlreiche Öffnungen zur Kabelführung.

Ich verwende den Laptop jetzt nur als Monitor. Deshalb lasse ich fünf Öffnungen frei. Vier oder drei wären auch möglich, um die Tastatur zu bedienen. Allerdings würde dann das Display nicht frontal vor mir stehen. Ich müsste beim Arbeiten den Kopf senken. Um Upstaa in verschiedenen Szenarien zu erleben, nutze ich auch das Esszimmer. Zum Verschieben des Aufsatzes ist es am einfachsten, ihn schnell abzubauen. Alles zusammen wiegt immerhin sieben Kilogramm und die Einzelteile sind nur lose miteinander verbunden. Der Esstisch ist 76 Zentimeter hoch. Deshalb versetze ich alles um eine Stufe nach unten. Der Abstand zwischen den Brettern bleibt gleich.

Es braucht mindestens drei Stufen Abstand, um die Tastatur sehen zu können.
Es braucht mindestens drei Stufen Abstand, um die Tastatur sehen zu können.

Auf der unteren Holzablage habe ich neben den elektronischen Geräten links noch etwas Platz. Ich nutze ihn meist für ein Wasserglas, das mich ans regelmässige Trinken erinnert. Während der Arbeit sind meine Arme entspannt. Ich lasse sie zwischendurch hängen, verschränke sie oder stemme die Hüfte. Meine Schulterpartie gewöhnt sich schnell an die neue Haltung. Meinem unteren Rücken geht es da anders. Er schmerzt etwas. Obwohl ich abseits der Arbeitszeit jogge und trainiere, scheint meine Muskulatur in diesem Bereich nicht ausreichend gestärkt zu sein. Daran kann ich ab jetzt sogar während des Schaffens arbeiten.

Die Keyboard-Desk-Oberfläche fühlt sich auf Anhieb angenehm weich an. Meine Maus bewegt sich darauf einwandfrei. Manchmal rutsche ich über die obere Kante. Wäre das untere Brett um einige Zentimeter tiefer, liesse sich das umgehen. Aus demselben Grund passt auch nur ein besonders kleines Mauspad auf die untere Holzfläche, die fünf Zentimeter schmaler als die obere ist. Den Handballen kann ich dennoch ablegen. Bei grösseren Händen könnte es hingegen knapp werden.

Die Keyboard-Desk-Ablage ist zu schmal, um dort ein Mauspad zu nutzen.
Die Keyboard-Desk-Ablage ist zu schmal, um dort ein Mauspad zu nutzen.

«On the sunny side of things»

Manchmal arbeite ich gerne nur am Laptop – und in der Sonne. Diese lässt sich weder in meinem Arbeitszimmer noch im Esszimmer blicken. In der Küche hingegen schon. Deshalb verlagere ich meine Workstation erneut und teste nur die Monitor-Desk-Ablage direkt vorm Fenster, das ich immer wieder wegen der Wärme von der direkten Sonne öffnen muss. Das fühlt sich fast so an, als würde ich im Freien arbeiten. Weil die Küchenzeile 90 Zentimeter hoch ist, verwende ich die zweitunterste Stufe. Für eine Tastatur ist in dem Szenario nicht genug Platz. Es braucht allgemein mindestens einen Abstand von zwei Stufen, um die zweite Ablage nutzen zu können. Das aber auch nur, wenn du ohne zu gucken, tippen kannst. Bei grösseren Personen schaut das natürlich anders aus. Nach oben gibt es ja noch Luft.

Da ich jetzt nur auf der Tastatur vom Laptop tippe, wippt Upstaa erstmals etwas mit. Das stört mich aber nicht. Für gewöhnlich arbeite ich ja gerne an wackeligen Café- oder Zugtischen. Mir ist wichtiger, dass das Konstrukt meinen teils ruckartigen Gesten – du könntest meinen, ich sei Italienerin – in Video-Calls standhält. Und das tut es.

Mit der Zeit spüre ich in dieser Position, dass ich den Nacken zu sehr nach unten neigen muss. In den folgenden Tagen wechsle ich daher immer wieder zwischen den unterschiedlichen Räumen sowie Sitz- und Stehphasen. Bei gewissen Aufgaben bevorzuge ich es, mit zwei Bildschirmen zu arbeiten. Dies geht mit der Monitor-Ablage bei den gegebenen Massen leider nicht. Deshalb kommt auch mein Journal-Schreibtisch nicht zu kurz.

Nach einigen Tagen des sitz-stehenden Arbeitens fühlt sich mein unterer Rückenbereich besser an. Wie so oft gilt auch hier: Eine gute Mischung macht’s Leben besser.

Aussehen ist alles

Nenn mich oberflächlich, aber es kommt mir bei jedem Einrichtungsgegenstand auf den Look an. Upstaa überzeugt mich in dieser Hinsicht. Ob in der Küche, dem Esszimmer oder Homeoffice – das reduzierte Design passt zu vielen Wohnstilen. Nicht zuletzt, weil die Farbe Weiss so neutral ist. Die Stehpult-Alternative ist auch in den Primärfarben und Pastelltönen erhältlich, falls du es bunter magst. Wenn dir die Grösse nicht genügt, gibt es auch eine XL-Variante. Ich finde es toll, dass es sich bei diesem Stehpult um kein «ich-tu-nur-so-als-ob»-Material handelt. Das Birkenholz unter der Kunststoffbeschichtung ist sichtbar und fühlt sich rauer als die glatte Oberfläche an.

Die Holzdetails schaffen einen Kontrast, der zum dekorativen Rahmen für Upstaa wird.
Die Holzdetails schaffen einen Kontrast, der zum dekorativen Rahmen für Upstaa wird.

Kein Klebstoff und keine Schraube stören die Ästhetik. Sollte ich mir Upstaa nach dem Test zulegen, würde ich mich jedoch nicht für das Modell in Weiss, sondern in Salbeigrün entscheiden. Nichts geht über einen Farbtupfer im mobilen Homeoffice, der die Sinne stimuliert.

Fazit: Die Upstaa-Ups and -Downs

Mit Upstaa spare ich mir keinen Schreibtisch, aber vielleicht die tägliche Vitamin-D-Tablette im Winter. Ich kann an unterschiedlichen Orten in meiner Wohnung arbeiten. Was bei mir die Küchenzeile oder der Gartentisch in der Sonne ist, kann bei dir die Kommode oder der Tisch im Wintergarten sein. Die unterschiedlichen Stufen machen es leicht, das Stehpult auf meine Körpergrösse und den Untergrund anzupassen. Dieses ausgeklügelte und schlichte Design, das sich in jedes Interieur einfügt, hat seinen Preis: Mit 273 Franken kostet der Tischaufsatz mehr als Alternativen wie der Steh-Sitz-Arbeitsplatz von NewStar. Dafür kannst Upstaa ohne Aufwand zusammenlegen und unter dem Schreibtisch verstecken, wenn du frei hast.

Über die Langzeitwirkung auf meinen Körper kann ich zwar nichts sagen, über die kurzfristige aber schon: Ich halte meinen Rücken aufrechter als im Sitzen und bewege mich öfter. Ich schwinge die Hüfte zum Lieblingssong oder laufe zur Denkpause öfter mal im Zimmer herum. Wünschenswert wäre, denselben Spielraum für die Maus zu haben – wie bei einem regulären Tisch. Dennoch stimmt mich das abwechslungsreiche Arbeiten mit Upstaa positiv für die Zukunft. Wie Kollege Michael Restin zum Arbeiten im Stehen einmal weise gesagt hat: «Unser Körper ist dazu gemacht, sich zu bewegen». Nur Sitzen ist nicht gut. Und nur stehen bleiben auch nicht. Obschon Upstaa keine günstige Stehpult-Alternative sein mag, habe ich dadurch einen Tapetenwechsel im Homeoffice – und beuge ganz nebenbei hoffentlich langfristig künftigen Rückenbeschwerden vor.

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Pia Seidel
Pia Seidel
Senior Editor, Zürich

Es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles ein Wunder. Ich glaube an Letzteres. – Albert Einstein


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