

Tee ist nicht langweilig – er ist rebellisch
Neben Kaffee fristet Tee ein Schattendasein. Zu Unrecht wird er als fad und langweilig abgetan. Dabei weiss ich als echte Geniesserin: Tee ist ein Statement, eine stille Rebellion.
Wurde dir schon je ein Tee vor einem Kaffee angeboten? Mir jedenfalls nicht. Gibt es in deinem Büro neben einem Vollautomaten, einem Siebträger und einer Kapselmaschine eine einzige Teesorte? Wohl kaum. Kaffee ist in unseren Breitengraden Standard, in sämtlichen Variationen. Bei Tee kann ich mich – wenn überhaupt – zwischen einem geschmacklosen Lipton-Schwarztee und einem verstaubten Pfefferminztee entscheiden. Ergänzt mit der dürftigen Erklärung eines Kollegen: «Tee trinkt man nur, wenn man krank ist.»
«Vielleicht bist du deshalb krank» zu erwidern, verkneife ich mir jeweils. Tee ist nicht nur beruhigend und verdauungsfördernd. Er dämpft Entzündungen, stärkt das Immunsystem – ohne die Magensäure hochzufahren und den Körper unter Strom zu setzen.
Und das ist erst der Anfang.
Hier kommen fünf Gründe, weshalb Tee kein ödes Kräuterwasser für Kranke und Langweiler ist, sondern ein wahres Wunderelixier.
1. Ein ganzes Universum
Verveine, Hagebutten … die wenigen Sorten, die dir die meisten Restaurants anbieten, haben nichts mit der wahren Bandbreite an Tees zu tun. Früchte- und Kräutertees – so lecker sie auch sind – sind nicht einmal richtige Tees, sondern teeähnliche Erzeugnisse. Der Grund: Sie bestehen nicht aus der Teepflanze Camellia sinensis. Auch mit Trend-Tees wie Matcha hast du noch längst nicht das ganze Tee-Universum entdeckt. Versuche es mal mit gelbem Tee, Kukicha, weissem Tee oder Hojicha.
2. Alles andere als fad
Ich höre sie schon: Sprüche wie «Tee ist geschmacklos.» Meist stammen sie von Leuten, die Teebeutel benutzen und nachzuckern. Kein Wunder – wer nicht über den eigenen Teeschrank hinausschaut und die Aromabremse angezogen lässt, kommt nicht weit. Ein hochwertiger loser Tee (also nicht im Beutel), etwa ein Pu-Erh Shu, aufgegossen mit ein paar gekochten Früchten oder verfeinert mit Gewürzen, lässt die Geschmacksnerven regelrecht aufblühen.
3. Wohl bekomm's
In meinem Freundeskreis ist Kaffee etwa so verträglich wie Mentos und Coca Cola. Während die eine Freundin Herzrasen bekommt, klagt die andere über Bauchschmerzen. Und bei mir selbst löst Kaffee stunden- bis tagelange Übelkeit aus. Umgekehrt kenne ich keine Person, der Tee schlecht bekommt. Ausser vielleicht, wer – wie ich früher – täglich einen ganzen Krug selbstgemachten Masala Chai hinunterkippt. Die Dosis macht das Gift. Abwechslung zwischen verschiedenen Teesorten ist entscheidend.
4. Wach ohne Crash
Tee macht wach, ohne zu überdrehen. Matcha zum Beispiel treibt die Energie weniger abrupt nach oben als Kaffee, wirkt dafür gleichmässiger und länger – bis zu sechs Stunden. Er schärft den Kopf, ohne die Nerven zu strapazieren und beweist, dass Leistungsfähigkeit nichts mit innerer Unruhe zu tun haben muss. Ganz nach dem Motto: «Mit Tee kannst du’s nicht besser, aber länger.»
5. Aufmerksamkeit statt Eile
Was auch länger dauert, ist die Zubereitung von Tee. Man nimmt rasch einen Kaffee, aber man trinkt gemütlich einen Tee. Wer dir einen Tee zubereitet, signalisiert, dass die Person sich Zeit nimmt, dir Aufmerksamkeit schenkt und nicht von einem Termin zum nächsten hastet.
Wenn man es so sieht, ist Tee nicht langweilig, sondern rebellisch. Denn wer in unserer durchgetakteten Welt für ein paar Minuten aus dem Turbo-Modus aussteigt, einen Tee zubereitet und geniesst, setzt ein klares Zeichen gegen endlose Beschleunigung und Effizienzsteigerung – und tut sich etwas Gutes dabei.
Darf ich dir also einen Tee anbieten?
Oder nimmst du doch lieber einen Kaffee? Verrate mir in den Kommentaren, welches Heissgetränk du am liebsten trinkst.
Ich liebe alles, was vier Beine oder Wurzeln hat – besonders meine Tierheimkatzen Jasper und Joy sowie meine Sukkulenten-Sammlung. Am liebsten pirsche ich auf Reportagen mit Polizeihunden und Katzencoiffeurinnen umher oder lasse in Gartenbrockis und Japangärten einfühlsame Geschichten gedeihen.
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