Kaufratgeber

Strom selbstgemacht: Mit einer Balkon-Solaranlage zapfst du die Sonne an

Martin Jungfer
01.09.2022

Energiesparen ist angesagt in den nächsten Monaten. Den Verbrauch reduzieren ist das Eine. Das Andere ist die eigene Stromerzeugung. Bei der Vermeidung einer Strommangellage hilft auch eine kleine Solaranlage für die Steckdose.

Fast täglich werden wir vor einem Winter gewarnt, in dem es eng werden könnte. Wegen Russlands Krieg in der Ukraine wird das Gas knapp. Der Hitze- und Dürresommer hält uns die Klimakrise spürbar vor Augen. Wir sollen und müssen Strom sparen: kürzer duschen, Standby-Geräte ganz ausschalten, den Deckel auf dem Topf lassen beim Eierkochen. Klassiker. Erinnerungen werden wach an Bundesrat Adolf Ogi und das Jahr 1988, in dem er der Schweiz vor laufenden Kameras demonstrierte, wie in der Küche Strom gespart wird.

Strom sparen ist gut. Strom selbst zu erzeugen ist besser, wenn er aus einer nachhaltigen Quelle kommt. Das ist möglich mit kleinen Solaranlagen. Dabei handelt es sich um Geräte, die nicht aufwändig auf dem Dach installiert und von Fachleuten angeschlossen werden müssen.

Du hast einen nach Süden ausgerichteten Balkon oder ein besonntes Gartenhäuschen mit Flachdach? Und eine Aussensteckdose? Perfekt! Du kannst deine eigene kleine Solaranlage installieren. Mit einem sogenannten Balkon-Kit bekommst du ein oder zwei Solarpaneele. Diese hängst du ans Balkongeländer oder aufs Dach vom Gartenhaus und steckst das Kabel in die Steckdose. Damit speist du automatisch den Sonnenstrom in dein eigenes Stromnetz ein.

Mobile Anlagen bis zu einer Leistung von 600 Watt dürfen in der Schweiz derzeit – Stand August 2022 – ohne Bewilligung montiert und angeschlossen werden. Der örtliche Stromanbieter muss lediglich informiert werden. Einige bieten derzeit sogar Förderungen, wenn du so eine Anlage installierst, zum Beispiel das EKZ im Kanton Zürich.

Balkon-Solaranlage liefert genug Strom für Laptop und Lampen

Mit so einer Stecker-Solaranlage kannst du genug Strom selbst erzeugen, um im Homeoffice deinen Computer zu betreiben, den E-Bike-Akku zu laden oder deine Lampen anzuschalten. Experten rechnen mit bis zu 15 Prozent des Strombedarfs, den so eine Installation liefern kann. Die aus der Sonne gewonnene Energie reicht allerdings nicht aus, um die Geschirrspülmaschine laufen zu lassen oder Pasta zu kochen. Diese Geräte im Haushalt brauchen mehr Power. Übrigens auch der Tesla. Der benötigt mindestens die fünffache Leistung, bevor der Ladebalken überhaupt erleuchtet.

Zum Zeitpunkt der Publikation des Beitrags sind die Balkon-Solaranlagen nicht direkt im Shop verfügbar. Du kannst allerdings eine Benachrichtigung aktivieren. Per E-Mail erfährst du damit, wann sie bestellbar sind. Alternativ kannst du sie auch direkt in den Warenkorb nehmen und bestellen; Auslieferung erfolgt dann, sobald sie verfügbar sind.

Trotzdem: Liefert dein Balkon-Kraftwerk Strom, musst du weniger dazukaufen. Idealerweise schaltest du deine Stromverbraucher im Haushalt dann ein, wenn die Sonne draussen scheint. Damit du weisst, dass und wie gut deine Solaranlage arbeitet, empfehlen sich smarte Zwischenstecker, die dir die aktuelle Stromproduktion zum Beispiel per App auf dem Smartphone anzeigen. Du kannst mit solchen intelligenten Zwischensteckern auch steuern, dass Geräte sich dann einschalten, wenn genügend Strom produziert wird.

Autarkie mit einer eigenen kleinen Solaranlage?

Eines können diese Plug-and-Play-Komplettsysteme allerdings nicht: Im Fall von Stromabschaltungen für private Haushalte hast auch du keinen Strom im Haushalt. Das hat mir die Medienstelle der Elektrizitätswerke Zürich (EKZ) auf Nachfrage erklärt. Bei einem Stromausfall schalten sich nämlich die Wechselrichter automatisch ab. Das ist deshalb so, weil in der Regel Stromabschaltungen dann gemacht werden, wenn zum Beispiel Reparaturen nötig sind. Dann muss das Stromnetz spannungsfrei sein. Energieerzeugungsanlagen, die ans Netz angeschlossen sind, dürfen in solchen Fällen keinen Strom erzeugen, so das EKZ. Und wenn der Wechselrichter nicht funktioniert, entsteht kein Wechselstrom.

Braucht die Balkon-Solaranlage eine Genehmigung?

Die Antwort auf diese Frage ist kompliziert. Denn: Es kommt darauf an. Als Eigentümerin oder Eigentümer eines Einfamilienhauses hast du in der Regel gut lachen. Hier kannst du (fast) tun und lassen, was du willst, solange es im Einklang mit den örtlichen Bauvorschriften steht. Besitzt du Stockwerkeigentum, ist die Sache schon komplizierter. Hier empfiehlt sich ein Blick in die Hausordnung. Es könnte sein, dass du in den Regeln zu Anbauten am Balkon das Thema Solaranlagen nicht findest. Dann solltest du bei deinen Miteigentümern das Okay einholen, um Streit zu vermeiden. Auch als Mieterin oder Mieter solltest du eine Einwilligung beim Hauseigentümer einholen, insbesondere dann, wenn die Anbringung eines Solarpanels Auswirkungen auf das Erscheinungsbild des Hauses hat. Was wohl in den allermeisten Fällen so ist.

Die Lage ist juristisch insgesamt mindestens diffizil. So schreibt zum Beispiel das Bundesamt für Energie (BFE) in einem Merkblatt, dass mobile Anlagen zur Stromerzeugung bewilligungsfrei sind. Dem entgegen steht die Meinung der Justizabteilung des Hauseigentümerverbands (HEV). Dort plädiert man für eine Bewilligungspflicht – allein schon aus Haftungsgründen.

Aus diesen Teilen bestehen Balkon-Solaranlagen

Um sofort mit der Stromproduktion beginnen zu können, solltest du beim Kauf darauf achten, dass du in einem Komplettset alle Teile bekommst. Oder zumindest weisst, was du brauchst, wenn du selbst ein Set zusammenstellen möchtest.

Solarmodul(e)

Du wirst Module finden, die zwischen 250 und 400 Watt Nennleistung haben. Es ist nicht ganz einfach, das beste Preis-Leistungsverhältnis herauszufinden. Der Einfachheit halber kannst du den Preis durch die Wattzahl teilen. So ähnlich wie beim Preis pro 100 Gramm im Supermarkt. Du wirst feststellen: Nicht immer ist das Modul mit höherer Nennleistung das günstigste. Für mehr Leistung zahlst du in diesem Fall auch in Relation mehr.

Dazu kommt, dass es verschiedene Typen Solarmodule gibt, die einen unterschiedlichen Wirkungsgrad haben. Weit verbreitet sind monokristalline Solarzellen mit 21 bis 26 Prozent Wirkungsgrad. Sie arbeiten bei wenig Licht besser und können auch bei Regenwetter noch etwas Strom erzeugen. Da sind polykristalline Solarzellen weniger effektiv. Ihr Wirkungsgrad, also stark vereinfacht der Anteil an Sonnenenergie, der zu Strom wird, ist mit 18 bis 21 Prozent auch schlechter.

Wattstunde Black Line (250 W, 13 kg)
Solarpanel
433.–

Wattstunde Black Line

250 W, 13 kg

2
Victron Energy Solarmodul (360 W, 22 kg)
Solarpanel
421.–

Victron Energy Solarmodul

360 W, 22 kg

Übrigens musst du dir keine Gedanken wegen der aus Sicherheitsgründen definierten Obergrenze von 600 Watt machen, die du produzieren beziehungsweise ins Netz zurückspeisen darfst. Die Angabe zur Leistung der Solarmodule ist eine eher theoretische und nur unter sehr seltenen idealen Bedingungen überhaupt zu erreichen. Anders gesagt: Ein 360-Watt-Solarmodul wird kaum je diese 360 Watt Leistung erbringen. Die Natur draussen ist eben kein Labor, in dem diese Angabe entsteht.

Wechselrichter

Dieses Kästchen macht aus dem in den Modulen erzeugten Gleichstrom den im Haushalt einsetzbaren Wechselstrom. Achte darauf, dass dein Balkonkraftwerk im Set einen Modulwechselrichter enthält. Sie sind speziell für kleine Anlagen konzipiert. Der Wechselrichter begrenzt in der Regel auch die Leistung, die maximal in deinen Stromkreis eingespiesen wird. Wichtig: Planst du eine Mini-PV-Anlage mit zwei Modulen, muss der Wechselrichter entsprechend zwei Anschlussmöglichkeiten haben.

Autosolar mi300 Modulwechselrichter mit App 300W - Einspeisung über Steckdose
Spannungswandler

Autosolar mi300 Modulwechselrichter mit App 300W - Einspeisung über Steckdose

Autosolar mi600 Modulwechselrichter 600W mit App - Einspeisung über Steckdose
Spannungswandler

Autosolar mi600 Modulwechselrichter 600W mit App - Einspeisung über Steckdose

Die Verfügbarkeit von Wechselrichtern ist derzeit (Stand: Anfang September 2022) schlecht. Die Kollegen und Kolleginnen aus dem Einkauf arbeiten daran, dass die Verfügbarkeit sich verbessert.

Anschlusskabel

In der Regel sind auf der Rückseite des Solarmoduls Plus- und Minus-Leitung mit entsprechenden Steckern und Buchsen vorhanden. Die können dann mit den passenden Gegenstücken am Modulwechselrichter verbunden werden. Willst oder musst du Wechselrichter und Solarmodul weiter weg voneinander montieren, brauchst du eventuell ein Verlängerungskabel. Für die Verbindung des Wechselrichters an die Steckdose ist das passende Kabel meist im Set enthalten. Achte hier darauf, dass du einen CH-Stecker bekommst.

Wenn du dir das Zusammenstecken einer Balkon-Solaranlage schon einmal anschauen willst, wird das in diesem Video anschaulich erklärt:

Halterung

Eine Mini-PV-Anlage sollte stabil an deinem Balkongeländer montiert sein. Auch ein Sturm soll dem Teil nicht gefährlich werden können. In einem guten Komplettset findest du deshalb passendes Montagematerial. Oder es wird dir als Zubehör direkt empfohlen. Für die Anbringung an einem Balkongeländer sind das C-Haken, für den Einsatz auf oder am Gartenhäuschen empfehlen sich im Winkel verstellbare Halterungen.

Lohnt sich eine Batterie für die Balkon-PV-Anlage?

Mit einer eigenen kleinen Solaranlage kannst du in erster Linie deine Stromrechnung tief halten. Scheint die Sonne und speist du selbst gemachten Strom über die Steckdose in dein Stromnetz ein, brauchst du weniger Strom von deinem Stromanbieter. Zockst du nachts an deinem Hochleistungs-Gaming-PC, nutzt dir die Solaranlage auf dem Balkon aber nichts. Ausser du speist den tagsüber erzeugten Strom in eine Batterie ein und kannst ihn dann nutzen, wenn du ihn benötigst.

Solche Solaranlagen mit Stromspeicher gibt es auf dem Markt, auch bei uns im Shop. Sie sind aber so teuer oder liefern nur sehr wenig Strom, dass sie sich in aller Regel während ihrer Lebensdauer nicht amortisieren lassen. In diesem Blog-Beitrag wird das exemplarisch einmal durchgerechnet – auf Basis der höheren Strompreise in Deutschland. Für die Schweiz ist die Rechnung also noch schlechter. Denn, weil hierzulande Strom so billig aus der Steckdose kommt, lohnt es sich erst recht nicht, ihn in teuren Akkus zu speichern.

Es gibt übrigens auch kein Geld vom Stromanbieter zurück, weil du nicht selbst verbrauchten Strom ins Netz zurückgibst. Beispielhaft erklärt das EKZ dazu, dass eine Stecker-Solaranlage so wenig Strom liefert, dass sich der administrative Aufwand nicht lohne. Eine solche Anlage ist also primär für den Eigenverbrauch gedacht.

Ein Stromspeicher ergibt wirtschaftlich also wenig Sinn. Die Menge Strom, die ein oder zwei Module am Balkongeländer produzieren, ist viel zu gering. Glaubst du allerdings an das Eintreten einer Strommangellage, bei der gemäss Schweizer Aktionsplan im schlimmsten Fall auch in privaten Haushalten die Abschaltung droht, ist die Wirtschaftlichkeit vielleicht nicht deine grösste Motivation. Bist du eher der Prepper-Typ, kannst du mit einem Stromspeicher auftrumpfen, weil dann das Licht bei dir als letztes ausgeht. Oder es anbleibt, solange der Akku hält.

Wer weniger pessimistisch ist, ist mit Kerzen, Taschenlampe, einem Radio und entsprechenden Batterien gut gerüstet. Oder mit einem Gerät, das keine Batterien braucht und alles in einem bietet.

Midland ER300 (FM)
Radio
74.70

Midland ER300

FM

28

Apropos: Interessierst du dich ernsthaft für solche Batteriespeicher, empfehle ich dir den Beitrag von Carolin, die sich mit Power Stations bereits ausführlich beschäftigt hat.

  • Kaufratgeber

    Power Stations: Welches Modell ist das richtige?

    von Carolin Teufelberger

Hast du noch Fragen zu kleinen Solaranlagen? Stelle deine Frage gerne unten im Artikel als Kommentar. Oder hast du bereits eine solche Anlage und magst deine Erfahrungen teilen – auch darüber freut sich die Community im Kommentarbereich.

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Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln. 


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