Sleepys Herzstück: Die DIY-Wasserkühlung muss Federn lassen

Sleepys Herzstück: Die DIY-Wasserkühlung muss Federn lassen

Kevin Hofer
Zürich, il 16.07.2019
Sleepy – der Sleeper-PC, den ich baue und dann verlose – ist schon fast fertig. Heute entwerfe ich die Distro-Platte sowie die Pumpe/Reservoir-Combo für die Wasserkühlung. Leider machen mir die hohen Fräskosten einen Strich durch die Rechnung.

Eigentlich wollte ich die Distro-Platte sowie die Pumpe/Reservoir-Combo selbst fräsen. Meine Qualitäten als CNC-Fräser sind, gelinde ausgedrückt, noch nicht ausgereift genug. Bevor ich die Teile zum Fräsen gebe, muss ich sie erstmal im CAD-Programm Fusion 360 erstellen.

Fusion 360 wähle ich, da es für Private gratis ist. Hinzu kommt, dass Alex Banks von bit-tech auf Youtube ein «How to» zum Erstellen einer Distro Plate veröffentlicht hat. Die Schritt-für-Schritt-Anleitung ist für mich als Fusion-360-Neuling Gold wert. Ich schreib dir deshalb hier keine Anleitung, sondern erzähle dir, was ich mir beim Design der Teile überlegt habe.

Pumpe/Reservoir-Combo und Distro-Platte sind in Sandwich-Form gehalten. Sie bestehen aus einer Grundplatte und einer Deckplatte, die miteinander verschraubt werden. Hinter der Grundplatte wird die Pumpe befestigt. Zwischen den beiden Platten fliesst die Flüssigkeit in Kanälen und ausserhalb dieser Kanäle sorgen Dichtungsringe dafür, dass kein Wasser ausläuft. Die Löcher für die Ports sind auf der Frontplatte.

Die Pumpe/Reservoir-Combo

Beim letzten Mal habe ich Papier-Schablonen für diePumpe/Reservoir-Combo und die Distro-Platte erstellt. So weiss ich, wie gross die beiden Teile sind und wo ich die Ports platzieren muss.

Da ich Herausforderungen mag, beginne ich mit dem schwierigeren Teil: der Pumpe/Reservoir-Combo. Es ist mein erstes Mal mit Fusion 360. Deshalb folge ich zu Beginn den Anweisungen im Video. Zuerst platziere ich die Pumpe – und zwar wie von Alex gezeigt – in der Mitte. Das macht in meinem Fall Sinn: Meine Pumpe/Reservoir-Combo ist zu klein, um die Pumpe unten oder sonstwo zu platzieren. Die vier kleinen Löcher um das grosse Pumpenloch sind übrigens für die Montage der Pumpe an der Hinterseite .

Leider macht Alex Banks im «Howto» nur eine sehr elementare Pumpe/Reservoir-Combo mit geraden Ein- und Auslass-Kanälen. Würde ich die Vorlage kopieren, könnte ich die Ports nicht dort platzieren, wo sie nötig sind.

Ich füge deshalb weitere Kanäle hinzu. Im Vorfeld hatte ich die Idee, die Kanäle in Form von zwei Halbmonden – einen links und einen rechts der Pumpe – zu gestalten. So wäre der obere Teil von Sleepy ein stilisierter Nachthimmel geworden. Die Idee habe ich schnell verworfen. Einerseits erschien sie mir zu kitschig, andererseits hätte das auf der kleinen Pumpe/Reservoir-Combo nicht Platz gehabt.

Aufgrund meiner mangelnden Erfahrung mit Fusion 360 und dem beschränkten Platz der Pumpe/Reservoir-Combo, habe ich mich für eine Verlängerung der zwei ursprünglichen Kanäle entschieden. In meiner Version schlängelt sich die Flüssigkeit durch insgesamt acht Kanäle, vier pro Seite, die ich miteinander verbinde.

Zudem füge ich von vorne gesehen rechts oben einen weiteren, kurzen Kanal hinzu. Dieser dient als Füll-Port, strategisch am höchsten Punkt platziert. Das Füllen des Wasserkühlungs-Loops ist so möglichst einfach.

Danach adde ich noch die Kanäle für die Dichtungsringe, die Ports sowie die Schraubenlöcher, um beide Teile zusammenzuschrauben. Der fertige Entwurf sieht so aus:

Distro-Platte

Mit der Pumpe/Reservoir-Combo sind die Vorbereitungen für die Wasserkühlung noch nicht fertig. Damit ich einen geschickt platzierten Port fürs Leeren des Wasserkühlungsloops habe, entwerfe ich in Fusion 360 eine Distro-Platte. Diese reicht vom tiefsten Punkt des Loops bis zum Radiator. Die Platte eignet sich also bestens für den Port zum Leeren.

Dank der Schablone weiss ich genau, wo ich die Ports platzieren muss. Aufgrund der knappen Platzverhältnisse wird die Distro-Platte mit 4.5 Zentimetern relativ schmal. Ansonsten gibt’s eigentlich nichts zu dem Teil zu sagen, ausser, dass mein Modell am Ende so aussieht:

Wer fräst die Teile?

Nachdem ich beide Komponenten im CAD-Programm erstellt habe, beginnt die Suche nach jemandem, der mir die Teile fräst. Ich frage verschiedene Anbieter in der Schweiz an. Da es sich um Einzelaufträge handelt, sind die Preise eher hoch. Die Pumpe/Reservoir-Combo schlägt mit 625 Franken zu Buche, die Distro mit 370. Relative hohe Preise, die dadurch zustande kommen, dass es sich um Einzelteile handelt. Ich weiss nicht, ob ich den hohen Preis bei meinen Vorgesetzten rechtfertigen kann.

Zum Vergleich hole ich mir noch eine Offerte von Protolabs ein. Protolabs ist ein international tätiger Online-Anbieter für Prototypen und Kleinserien. Auch das Auslagern der Produktion ins Ausland drückt die Kosten nicht wirklich. Die Distro ist mit 420 Franken gar teurer als das Angebot aus der Schweiz. Dafür ist die Pumpe/Reservoir-Combo «nur» 588 Franken.

Leider gelingt es mir nicht, meinen Vorgesetzten beide Teile zu verkaufen. Deshalb bin ich auch Redaktor und nicht Verkäufer geworden. Damit Sleepy so funktioniert, wie ich ihn geplant habe, gebe ich die Distro beim Schweizer Anbieter akuplex in Auftrag. Die Distro ist mir wichtiger als die Pumpe/Reservoir-Combo, da sie über den Port zum Entleeren verfügt. Mir ist es wichtig, dass der «Service» von Sleepy möglichst einfach ist. Statt meiner selbst entworfenen Pumpe/Reservoir-Combo verbaue ich jetzt die Alphacool Laing DDC310 mit Acryl-Top.

Testen und Hoffen

Nach ein paar Tagen halte ich die Distro endlich in den Händen: Sieht geil aus und auch wenn ich mir den Aufwand für die Pumpe/Reservoir-Combo umsonst gemacht habe, freue ich mich über die Distro-Platte.

Als nächstes schneide ich den Dichtungsring zu. Dabei halte ich mich an ein weiteres Video von bit-tech. In diesem erklärt Modder Alex Banks, worauf es beim Machen soller Dichtungsringe zu achten gilt. Hoffentlich mache ich alles richtig, fingers crossed.

Als Material wähle ich Silikon, weil ich da am schnellsten ran komme. Den Dichtungsring schneide ich auf die korrekte Länge zu und leime ihn mit Sekundenkleber zusammen. Jetzt muss ich ihn nur noch in den dafür vorgesehenen Kanal legen und die Vorder- mit der Rückseite verschrauben. Dazu nutze ich M4-Schrauben und fertig ist die Distro-Platte.

Bevor ich die Distro-Platte in Sleepy montiere, teste ich sie auf Lecks. Ich erstelle einen kleinen Wasserkühlungs-Loop mit Distro-Platte und Pumpe. So zeigt sich auch, wie mein DIY-Teil auf Druck reagiert. Den Test lasse ich übers Wochenende laufen.

Nach dem Wochenende steht fest: Die Distro-Platte hält dicht. Ich kann sie ohne Bedenken einbauen. Bevor es aber so weit ist, muss ich noch die restlichen Arbeiten an Sleepy machen. Davon erzähle ich dir beim nächsten Mal.

Gewinnen kannst du folgendermassen: Über die kommenden Wochen liest du jeweils am Dienstag und Donnerstag etwas zum Projekt Sleeper-PC. Am Ende der Artikel stelle ich dir eine Frage mit drei Antwortmöglichkeiten. Die korrekte Antwort findest du im Artikel selbst. Pro korrekte Antwort kriegst du einen Punkt. Beantworte möglichst viele der Fragen korrekt und du schaffst es in die Endverlosung. Dort entscheidet das Los, wer den PC gewinnt.

Aus welchem Material ist der Dichtungsring der Distro-Platte?

Il concorso è terminato.

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Kevin Hofer
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Editor, Zürich
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten ist meine Leidenschaft.

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