
Produkttest
Dieser Fusselroller ist die Wunderwaffe im Kampf gegen Tierhaare
von Darina Schweizer

Auf Social Media feiern Haustierhaltende einen Tierhaar-Handschuh. Ich habe ihn einem Realitätscheck unterzogen.
Jetzt reicht’s dann! Zum fünften Mal taucht in meinem Feed ein Video über einen Handschuh auf, der aussieht wie ein Topflappen – und Tierhaare auf Oberflächen im Handumdrehen entfernen soll. Die Logos auf den Handschuhen wechseln ständig, doch die Verarbeitung bleibt gleich schlecht. Ich fühl mich ver(ha)arscht …
Bewertungen gibt es – nur positive. Natürlich. Einige Marken versprechen gar, dass ihr Handschuh das Original sei und sich qualitativ von anderen Nachmacher-Produkten abhebe. «Ich bin nicht wie alle anderen.» Das sagen sie alle.
Ich sehe, dass Galaxus ein ähnliches Modell im Sortiment hat. In der Kommentarspalte kriegen sich verschiedene Benutzende in die Haare: Einige finden den Handschuh «effektiver als ein Staubsauger» und «besser als Klebepapier», andere «enttäuschend» und «unpraktisch».
Und ich? Ich will die Handschuhe selbst testen und bestelle sie.
Als ich sie auspacke, bestätigen sich meine Vorurteile. Die Handschuhe sind weich, biegbar und knistern nach Plastik. Doch wie heisst es so schön: Jeder hat eine zweite Chance verdient. Also lasst es Haare regnen!

Ich hebe Katze Joy hoch und reibe sie an meinem schwarzen T-Shirt. Sie zeigt wenig Begeisterung. Kater Jasper genauso wenig, als ich ihn bürste und seine herausgekämmten Haare auf einem Stuhl verteile. Ach ja – und der Kratzbaum wurde auch schon lange nicht mehr gesaugt. Zu Testzwecken natürlich hust. Das Testumfeld ist also bereit.

Ich schlüpfe in den Handschuh und wische auf dem behaarten Stuhl hin und her. Und hin und her. Und hin und her. Im Handumdrehen – wie versprochen – halten die Haare nicht. Doch siehe da: Nach mehreren Wischbewegungen kleben auch ha(a)rtnäckige Haare an der elektrostatischen Fläche des Handschuhs. Gegen die muss sich mein Staubsauger jeweils geschlagen geben. Nur sammeln sie sich nicht schön in der Mitte an, sondern sind kreuz und quer verteilt.

Ich zupfe ein paar Haare weg und wische weiter. Das ist keine gute Idee. Die übrig gebliebenen Haare verteile ich so schön wieder übers Stuhlpolster. Grandios. Ich muss mit der Hand nochmals mehrfach über den Handschuh reiben, damit ich die restlichen Haare mit den Fingern zu fassen kriege. Und zwar ungefähr nochmals so oft, wie ich zuvor über das Polster gerieben habe.

Mit dem noch ungebrauchten Handschuh wechsle ich zum Kratzbaum. Auch hier kommen sehr viele Haare weg. Nur fällt mir auf: Der Handschuh knickt seitwärts immer etwas ab. Der Stoff der Oberfläche ist zu wenig stabil.

Fazit zu Polstermöbel: Ich kriege Haare weg, die ich mit dem Staubsauger nicht schaffe. Das Problem ist das Wie: Beim Hin- und Herschieben ist der Handschuh zu wenig stabil und verbiegt. Und die Haare kriege ich zwar von Möbeln, aber kaum mehr von der elektrostatischen Oberfläche.
Jetzt geht’s mir an den Kragen. Mein T-Shirt ist besonders um den Hals haarig. Ich rubble mit dem Handschuh darüber. Es verrutscht ständig. Das wird nichts. Immerhin ist das Reiben mit der elektrostatischen Fläche angenehm. Vielleicht sollten wir ihn ins Massagesortiment aufnehmen.

Fazit zu Kleidung: Der Handschuh funktioniert nur auf festen Stoffen, die an Ort und Stelle bleiben. Bei Kleidern ist er für die Katz.
Ein Social-Media-Hype, der in der Realität nicht abstaubt, sondern verstaubt: So bleibt mir der Tierhaarentfernungs-Handschuh in Erinnerung. Ich bleibe vorerst bei wiederverwendbaren Fusselrollern. Die entfernen Haare auf Möbeln und Kleidern ziemlich effizient – sind jedoch auch mässig stabil.
Irgendwie scheint das optimale Haarentfernungs-Tool noch nicht zu existieren … oder doch? Kürzlich habe ich dieses angebliche Wunder-Gadget auf Social Media entdeckt. Zeit für einen weiteren Test …
Wie entfernst du Tierhaare? Verrate es in den Kommentaren. Und wenn du noch mehr viral bejubelte Haustier-Gadgets getestet sehen willst, dann folge mir.
Pro
Contra
Ich liebe alles, was vier Beine oder Wurzeln hat – besonders meine Tierheimkatzen Jasper und Joy sowie meine Sukkulenten-Sammlung. Am liebsten pirsche ich auf Reportagen mit Polizeihunden und Katzencoiffeurinnen umher oder lasse in Gartenbrockis und Japangärten einfühlsame Geschichten gedeihen.
Unsere Expertinnen und Experten testen Produkte und deren Anwendungen. Unabhängig und neutral.
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