Meater: Klingt wie Blödsinn, ist aber unabdingbar für die Alltagsküche

Meater: Klingt wie Blödsinn, ist aber unabdingbar für die Alltagsküche

Dominik Bärlocher
Zürich, am 23.03.2021
Einer der besten Helfer in der Küche ist der Meater. Das smarte Fleischthermometer klingt zwar nach Unsinn, darf aber in keiner Küche fehlen.

Die Ära des «Alles muss zwingend smart werden» ist vorbei. Nur wenige Dinge haben die grosse Hinterfragung von wegen «Warum muss das smart sein?» überlebt. Eines davon ist der Meater, ein smartes Fleischthermometer.

Ein. Smartes. Fleischthermometer.

Namens Meater.

Das klingt bestenfalls überflüssig, schlimmstenfalls nach einer Verarsche. Der Test aber zeigt, dass der Meater tatsächlich nützlich ist und verdammt gute Steaks produziert. Hätte ich mir den Meater gekauft, wenn ich ihn nicht hätte testen müssen? Niemals. Doch nach einem Stück Schwein, einem Schnitzel vom Rind und einem Stück Thunfisch will ich das Teil nie mehr hergeben.

Achtung vor dem ersten Steak

Der erste Eindruck des Meaters ist durchwachsen. Auf Hardware-Ebene macht der Meater viel her, selbst wenn das Design minimalistisch gehalten ist. Er besteht aus drei Teilen:

  1. Die Sonde: Ein simples elektronisches Thermometer mit kleinem Akku
  2. Der Charger: Die Basis, die den Meater wieder auflädt und das Bluetooth-Signal der Sonde verstärkt
  3. Die App: Damit interagierst du am ehesten

Bevor wir zur erstaunlich guten App kommen, ein bisschen zur Hardware. So wenig Kram in der Verpackung drin ist, so gut durchdacht ist er. Der Charger wird von einer AAA-Batterie betrieben. Warum hier kein Akku mit USB-C Charger verbaut wurde, ist nicht ganz klar.

Nur ein Thermometer mit Akku und Bluetooth
Nur ein Thermometer mit Akku und Bluetooth

Das Batteriefach ist magnetisch verschlossen und da sind zwei Magnete an der Rückseite, mit denen du den Charger auf eine magnetische Oberfläche in deiner Küche legen kannst. Das ist simpel, clever und effektiv. Ich mag das, selbst wenn das einzige magnetische Teil in meiner Küche der Dampfabzug ist. Der Meater wird dort nur zu Demonstrationszwecken angeheftet – anfangs. Am Ende der Testphase ist er ein Fixum in der Küche.

Bevor du aber loslegen kannst, muss der Meater vier Stunden lang geladen werden. Egal, ob der Akku jetzt voll ist oder nicht. Das heisst, wenn du um 10 vor 12 entscheidest, dass dein Steak zum Mittagessen mit dem brandneuen Meater perfekt Medium Rare werden soll, dann wird das nichts. Du musst hinten das Batteriefach aufmachen, den Kontakt zwischen Charger und Sonde herstellen, dann vier Stunden warten.

Ferner empfehle ich dir dringend, die App vorher mal anzusehen und deinen Benutzer-Account einzurichten, alle Tutorials mal durch klicken – wichtigste Erkenntnis: Putzen nach dem Nutzen – und dann kann das Kochen endlich losgehen. Wenn du deinen Meater vor der ersten Verwendung reinigen willst: Die Sonde kannst du einfach in den Geschirrspüler packen und gut ist.

Der Initialaufwand ist unverhältnismässig hoch, wenn du bedenkst, wie ein Küchengerät sonst funktioniert. Auspacken, verwenden. Mit dem Meater hast du Auspacken, warten, laden, Download, Anmeldung, klicken.

Reinstecken, loskochen, perfekt

Sobald du das Setup der Meater-Veranstaltung überstanden hast, ist die Sache ziemlich einfach. Du steckst die Sonde ins Fleisch, an der dicksten Stelle bis zum Ring im Metall. Weiter sollst du die ziemlich dicke Sonde nicht ins Fleisch stecken, da sonst die Sensorwerte verfälscht werden könnten.

Die Sonde ist ziemlich dick und darf nur bis zum Ring ins Fleisch gesteckt werden
Die Sonde ist ziemlich dick und darf nur bis zum Ring ins Fleisch gesteckt werden

Danach bist du hardwareseitig fertig. Ab jetzt bedienst du den Meater nur per App. in einem ersten Schritt suchst du dir aus, was genau du denn machen willst. Der kleine Helfer kennt so ziemlich jedes Fleisch, das du in den gängigen Supermärkten kaufen kannst. Rind, Schwein, Kalb, Poulet, Ente, Känguru, Thunfisch…

Bei rotem Fleisch gibt es nur eine richtige Machart: Medium Rare. Das ist im Alltagsleben ein kleines Kunststück hinzukriegen, denn wenn du dir einfach schnell ein Stück Fleisch zum Zmittag machen willst, dann hast du oft nicht die Muse, lange mit der Pfanne oder dem Backofen zu hantieren.

Der Meater aber gibt dir nach der Auswahl des Fleisches die zweite Auswahl an «Wie hätten Sie Ihr Fleisch gerne?». Das ist der Punkt, an dem Meater clever wird. Die Temperaturangaben zieht die App vom amerikanischen Landwirtschaftsministerium USDA.

Ich drücke also Schwein, Medium Rare, hau das Stück Fleisch in die Bratpfanne und brate die Aussenseite schnell knusprig und dann ab in den Backofen damit, bis der Meater mir mit einem lauten Piepen mitteilt, dass mein Fleisch «Medium Rare» ist. Ich solle es von der Hitze nehmen. Die Sonde macht das alles locker mit. Wenn es dem kleinen Metallstab etwas zu heiss wird, dann warnt es dich per App.

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Fünf Minuten bevor mein Fleisch durch ist, sagt mir der Meater, dass es noch fünf Minuten dauert. Bis dahin kann ich machen, was ich will. Ich kann sogar vor die Tür gehen. Dank Bluetooth 4.0 LE geht das etwa 30 Meter, dank der Cloud-Funktion kann ich sogar aus New York mein Steak in Niederurnen garen lassen. Die Distanz zwischen mir und Fleisch kann unendlich gross sein. Es ist nicht ganz klar, warum das gut sein soll. Aber es klingt sicher gut auf der Verpackung. Nützlich wird die Cloud-Funktion dann, wenn du in der Küche ein Tablet hast, das so deine smarten Küchenapparate verwaltet und dich entschliesst, während dem kochen im Home Office etwas Kabelmanagement zu betreiben. Denn dank der Cloud kannst du auf dem Tablet den Cook – so nennt die App den Prozess, ein Stück Fleisch auf deine gewünschte Garstufe zu bringen – aufsetzen und dich auf dem Handy in die App einloggen. Dann bekommst du auch auf dem Handy – und auf der Smartwatch, wenn vorhanden – Benachrichtigungen zum Fleisch.

Das ist etwas Lebensqualität so nebenbei.

Das Spiel mit dem Warten

Etwas das ich sonst nie tue: Nach dem Braten, Grillieren oder Backen, das Fleisch etwas ruhen lassen. Solltest du aber tun. Aus zwei Gründen:

  1. Die Flüssigkeit, die aktuell als Dampf im Fleisch ist, wird wieder zu Flüssigkeit. Dein Fleisch wird zarter
  2. Wenn du das Fleisch von der Hitze nimmst, dann gärt es noch. Gib ihm ein paar Minuten.

Mache ich natürlich nicht. Oder besser: Habe ich bislang nie gemacht. Am Mittag war mir das bisher zu blöd. Der Meater aber zeigt mir einen Countdown an, wie lange ich noch warten soll, bis die Feuchtigkeit perfekt sind. Und das klingt jetzt irgendwas zwischen blöd und esoterisch, aber das Warten nach dem Cook hat fast etwas spielerisches. Ich muss mich beherrschen während sich die Küche mit dem Geruch von perfekt gegartem Fleisch füllt.

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Kurz: Wenn du dein Fleisch gerne Medium Rare hast, auch im Alltag, und so wenig wie möglich dem Zufall überlassen willst, dann ist der Meater für dich unabdingbar. Er macht es einfach, Fleisch perfekt hinzukriegen.

En Guete.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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