Lebkuchenhaus feat. Light my Bricks – so kommt Licht und Leben in die Lego-Bude

Lebkuchenhaus feat. Light my Bricks – so kommt Licht und Leben in die Lego-Bude

Martin Jungfer
Zürich, am 13.01.2022

Du hast kleine und geschickte Finger, viel Geduld und Freude an Beleuchtung? Dann ist Light My Bricks etwas für Dich. Mir sind beim Test zu wenig freudige Lichter aufgegangen.

Als in der Nachbarschaft die einen ihr gesamtes Haus erleuchteten, habe ich «nur» ein Lego-Lebkuchenhaus zum Strahlen bringen wollen. Mit dem «Lightning Kit» der australischen Firma Light My Bricks soll das gehen. Um herauszufinden, ob ich mit einem Lego-Haus ein wenig Griswold-Feeling auslösen kann, habe ich ausprobiert.

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Auspacken und sortieren

Was ich für den stolzen Preis von rund 90 Franken bekomme, sieht nicht nach viel aus. In einer Mini-Schachtel liegen sieben schwarz-gelbe Plastiktütchen mit Kabeln und kleinen LEDs. Es sind «Bit Lights» und «Micro Bit Lights». Dazu ein Säckchen ohne Beschriftung, in dem kleine Platinen stecken sowie kreisrunde Plastikteile, die wohl auf Legosteine passen. Nur eine Anleitung fehlt.

Das ist drin: kleine Plastiktüten mit noch kleineren LEDs.
Das ist drin: kleine Plastiktüten mit noch kleineren LEDs.

Erst als ich den Text auf der beigelegten Postkarte lese, kommt etwas Licht ins Dunkel. Ich werde gebeten, die Anleitung auf der Light-my-Bricks-Webseite herunterzuladen.

Dort gibt es eine Liste mit 170 Lego-Sets, die du dank Light My Bricks inzwischen «zum Leben erwecken» kannst – so lautet zumindest der auf Deutsch übersetzte Marketing-Slogan. Ich sehe gefühlt alle Hogwarts-Gebäude aus der Harry-Potter-Lizenz, und dann finde ich auch die krümelige Spur zu meinem Lebkuchenhaus.

Hinter dem Link zum Lebkuchenhaus geht es zu einer Liste mit den Bestandteilen aus meinem Set. Insgesamt 25 dünne Kabel mit LEDs, die in verschiedenen Farben erstrahlen und teilweise blinken. Dazu Expansion und Effects Boards – die Anleitung gibt’s nur in Englisch. Kabel, Klebeecken und eine Plastikbox für drei Batterien – nicht im Lieferumfang enthalten – machen mein Material komplett.

Ich lade die angebotene PDF-Anleitung auf mein Tablet. 58 einschüchternde Seiten warten auf mich. Immerhin: Ich brauche wohl keinen Lötkolben. Dafür aber lege ich mir eine Lupe zurecht.

Der leuchtende Baum: grosse Finger, sehr kleine Stecker

Sie zu benutzen, verbietet mir mein Stolz allerdings. Ich arbeite mich rund anderthalb Stunden am Weihnachtsbaum ab. An der Anleitung liegt es nicht, die ist sehr präzise. In vielen Bildern und mit wenig Text wird jeder einzelne Schritt erklärt – wie ich den Baum demontiere, mit LEDs pimpe und ihn wieder zusammensetze. Ich bin das Problem. Weil meine Feinmotorik untrainiert ist oder dank des Alters schon nachgelassen hat.

Ich muss mit Daumen und Zeigefinger einer Hand mit dem Kabel eine LED über einer Lego-Noppe – Durchmesser 4,8 Millimeter – halten. Dann mit der anderen Hand den vorher demontierten transparenten Stein wieder auf die LED und die darunterliegende Noppe setzen. Das feine Kabel muss ich dabei sanft mit einquetschen. Hätte ich vorher nicht die fünf Seiten Warnungen vorKabelbruch gelesen, wäre ich jetzt vielleicht etwas mutiger.

Grosse Finger, kleine Dioden.
Grosse Finger, kleine Dioden.

Am Weihnachtsbaum gibt es acht transparente Steine, die ich mit LEDs unterlegen darf. Bei jeder wird das Kabel zwischen die grünen Platten geklemmt. Am Ende müssen die vier Elemente des Weihnachtsbaumes wieder an den Stamm. Und zwar so, dass die acht Kabel gesammelt unten am Stamm aus dem Baum kommen. Ich lege sie an Noppen vorbei in sehr kleine Zwischenräume und hoffen, dass sie kurz vor dem Zusammendrücken der Elemente nicht wieder herausrutschen. Irgendwie habe ich es am Ende geschafft. Jetzt sollten alle LED funktionieren.

Das überprüfe ich, indem ich die acht Anschlüsse ins Expansion Board stecke. Achtmal werde ich so daran erinnert, wie mühselig es früher war, Komponenten in meinen ersten 286er-PC einzubauen und anzuschliessen. Die Stecker waren im Vergleich zu denen von Light My Bricks riesig.

In den letzten Steckplatz kommt der Anschluss für die Batteriebox. Der Schalter auf «On» gestellt – und es leuchtet! Die Mühe hat sich gelohnt.

Geschafft, es leuchtet und blinkt.
Geschafft, es leuchtet und blinkt.

Innenraumbeleuchtung: Kabelsalat im Kamin

In den nächsten Schritten wird der Innenraum zum leuchtenden Leben erweckt. Dafür baue ich die Dachteile ab, Möbel aus dem Haus räumen. Auf meiner Schreibtischunterlage widme ich mich den Plastikflammen aus dem Kamin. In die transparenten Dots kommen wieder LEDs. Bevor ich die Flamme wieder einsetzen kann, kürze ich mit einer Schere den Zapfen. Denn dort, wo der sonst sitzt, hat jetzt die LED ihren Platz. Das ist zum Glück aber das einzige Mal, wo ich Lego-Steine «zerstöre».

Weitere Leuchtdioden kommen in die Nachttischlampe, in die Laternen an der Haustür und die Kerzen über dem Kamin. Die Montage habe ich inzwischen eingeübt. Jetzt wird dafür der wachsende Kabelsalat zur Herausforderung. Die Light-My-Bricks-Anleitung zeigt gut, wohin ich die Kabel verräumen sollte, in welchen Zwischenräumen sie verschwinden sollen und zwischen welchen Lego-Steinen sie eingeklemmt, gesammelt nach aussen geführt werden. Sie lassen sich nur nicht so einfach zähmen.

Das Effects Board steuert, welche LEDs blinken oder statisch leuchten.
Das Effects Board steuert, welche LEDs blinken oder statisch leuchten.

Ich verheirate Kabel, die zwar flexibel sind, aber sich mitunter auch in Richtungen verbiegen, die meinen Vorstellungen entgegenlaufen. Und ich lerne Ecken des Lebkuchenhauses kennen, die mir beim Bau nicht aufgefallen sind. Zum Beispiel gibt es da eine unbewohnte Dachkammer als Ausbaureserve. Darin findet ein ganzes Knäuel Kabel samt Expansion Board seinen Platz. Auch im Kamin verschwinden Kabel. Davon sollte die Feuerpolizei nicht Wind bekommen.

Wo ist ein guter Platz für zu viel Kabel? Richtig, im Kamin.
Wo ist ein guter Platz für zu viel Kabel? Richtig, im Kamin.

Ansonsten lege ich die Kabel gemäss Anleitung möglichst unsichtbar in Ecken und unter der Decke entlang. Die «Deckenlampen» sind noch die leichteste Übung. Hier nehme ich nur eine LED und fixiere sie mit einer abgerundeten transparenten 2x2er-Platte.

Zum Schluss räume ich noch einmal Kabel auf und fixiere sie teilweise mit Klebstreifen. Am Ende habe ich 5,65 Meter Kabel verlegt – in einem nur 26 Zentimeter breitem Haus. Zwei Expansion Boards kleben jetzt im und am Gebäude. Ein Kabel verbindet den Hausanschlusskasten mit dem Weihnachtsbaum, ein weiteres Kabel ist an die Batteriebox angeschlossen. An ihr betätige ich den Schalter. Es werde Licht!

Vor- und Nachteile in der Übersicht

Contra

  • Das fertig gebaute Lego-Set muss in Teilen wieder demontiert werden.
  • Die Kabel lassen sich nicht sonderlich gut verstecken.
  • Die Stecker lassen sich wegen ihrer Grösse nur schwer handhaben.
  • Es werden keine Batterien mitgeliefert.
  • Im Set sind keine Reserveteile enthalten (die gibt’s dafür hier).

Pro

  • Die Beleuchtung ist stimmungsvoll.
  • Anleitung ist sehr verständlich und detailliert.
  • Stundenlanger Bastel-«Spass» ist garantiert.

Fazit: nur für Menschen mit Fingerspitzengefühl

Das sieht nach einem Elektriker aus, der keine Lust mehr hatte. Und der war: ich.
Das sieht nach einem Elektriker aus, der keine Lust mehr hatte. Und der war: ich.
Yep, es leuchtet und blinkt.
Yep, es leuchtet und blinkt.

Würde ich wieder einmal ein Lego-Set mit Light My Bricks illuminieren? So kurz nach meinem ersten Versuch würde ich sagen: nein. Zwar ist das Platzieren der LED und der feinen Kabel eine fordernde und abwechslungsreiche Aufgabe. Aber die insgesamt rund acht Stunden, die ich investiert habe, um das Lebkuchenhaus zu beleuchten, haben mir letztlich mir zu wenig Spass gemacht. Ich bin einfach nicht talentiert und geduldig genug, mit so kleinen Teilen und derart dünnen Kabeln zu arbeiten.

Wenn an dir dagegen vielleicht ein Elektrotechniker oder eine Elektronikerin verloren gegangen ist, wirst du Lego-Sets mit Light My Bricks mit Freude verkabeln. Dann ist für dich womöglich auch die sehr präzise Anleitung eher Inspiration als Abschreckung.

Egal, wie der Weg dorthin war – beim Ergebnis strahlen alle. Das elektrifizierte Lebkuchenhaus macht im Regal als Weinachtsdeko Eindruck. Und trotz meiner ungeschickten Finger habe ich mir keinen Stromschlag geholt. Grüsse gehen raus an Chevy Chase. Im Ruhestand sind die 5-Volt-Leitungen für ihn ungefährlicher als der Starkstrom aus den wilden 80er-Jahren.

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Martin Jungfer
Martin Jungfer

Head of Content, Zürich

Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln.

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