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«...keine drei Monate später hatte ich meine eigene Firma!»

Mit der Drohne umherfliegen – für viele ein tolles Hobby. Martin Schumacher hat es zum Beruf gemacht. Im Interview berichtet er aus seinem Alltag, über sein Equipment und sein schönstes Erlebnis.

Hatten Sie schon vor der beruflichen Drohnenfliegerei Erfahrungen mit ferngesteuerten Modellen?

Martin Schumacher: Meine ersten Erfahrungen im RC-Bereich habe ich sehr früh gemacht. Schon mein Vater ist mit ferngesteuerten Autos Rennen gefahren. Schliesslich haben wir dann beide Rennen gewonnen und Pokale nach Hause gebracht.

Wie sind Sie auf Drohnen gekommen?

Das war anlässlich meiner Hochzeit im Jahr 2013. Meine Frau wollte unbedingt mehrere Kutschen. Und ich dachte, wenn wir schon so einen Aufwand betreiben, dann wollen wir das auch angemessen festhalten. Wir haben einen Drohnenfotograf angeheuert. Ich fand das so faszinierend, dass ich mir dann auch gleich eine kleine Drohne gekauft habe.

Wie haben Sie gemerkt, dass das ein Geschäftsmodell ist?

Das ging sehr schnell. Die Bilder meines Quadrocopters postete ich auf Facebook. Sie stiessen rasch auf grossen Anklang. Bald kamen die ersten Anfragen für Aufträge rein. Keine drei Monate später hatte ich meine Firma und die Marke gegründet.

Wer sind Ihre Kunden?

Das ist sehr breit gefächert. Kürzlich haben wir für «Joko und Klaas» (Pro7) Aufnahmen gemacht. Aber auch Architekten, die vor oder während des Baus schon Aufnahmen möchten, um Interessenten die spätere Aussicht zu zeigen. Inspektionen von Baustellen oder Brücken machen wir immer wieder. Firmen- und Imagevideos sind ebenfalls gefragt. Auch für die Tourismusbranche sind Drohnenfotos interessant. Aktuell haben wir einige 360°-Videos für die Schweizer Armee gedreht.

Schönstes Erlebnis?

Einmal haben wir an einer Hochzeit die Ringe mit der Drohne übergeben. Die Ringe kamen sozusagen aus dem Nichts angeflogen und hingen an einer Schnur. Das war sehr schön.

Schlimmstes Erlebnis?

Manchmal gibt es Leute, die – während ich am Arbeiten bin – dazustossen und quatschen wollen oder mich auf die ihrer Meinung nach geltende rechtliche Lage aufmerksam machen müssen. Leute, die eine Absperrung um ein Filmgebiet nicht respektieren. Einmal hat jemand versucht, mich wegzuschubsen. Das hätte gefährlich werden können, ich musste dann gleichzeitig die Drohne kontrollieren und den aggressiven Mann in Schach halten.

Apropos Rechtslage – sind die Schweizer Dröhneler diszipliniert?

Meiner Erfahrung nach kennen die Leute die Rechtslage gut. Vor zwei Jahren wurde der Schweizerische Verband ziviler Drohnen gegründet. Seither geht es in die richtige Richtung.

Vor allem früher, als Drohnen neu waren, gab es leichtsinnige Wettbewerbe: Wer fliegt am höchsten, wer fliegt am weitesten. Wenn das ein Profi sah, versuchte er, den Kollegen darauf aufmerksam zu machen.

Wie beurteilen Sie die Gesetzgebung in der Schweiz?

Die ist sehr liberal, verglichen mit dem nahen Ausland. In Deutschland, Österreich und Frankreich ist das viel strenger reglementiert. Da braucht man für jeden einzelnen Flug eine Aufstiegsgenehmigung, und die gilt für einen sehr begrenzten Radius. Das macht Drehs im Ausland kompliziert. Man kann vor Ort nicht spontan woanders filmen.

Teils ist schon für grössere Hobbydrohnen die Absolvierung einer Prüfung und das Lösen einer Lizenz Pflicht. Selbst wenn man im hinterletzten Krachen fliegen will, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen.

Letzte Woche wurde bekannt, dass der Bund jede einzelne Drohne nachverfolgbar machen möchte. Was halten Sie davon?

Nicht viel. Zwischen einer liberalen Gesetzgebung und der kompletten Kontrolle sollte es einen Mittelweg geben. Da gibt es nicht nur Schwarz und Weiss. Passanten fragen dann prompt, ob meine Drohne schon eine IP-Adresse hat.

Für mich wirkt das als Negativpresse. Das war auch so, als «10vor10» das Video eines Zusammenstosses zwischen einem Flugzeug und einer Drohne gezeigt hat. Dabei war das ein gestelltes Video, welches im Netz viel Aufmerksamkeit erzeugt hatte. Bei einigen Zuschauern bleibt dann nur «Drohnen sind lebensgefährlich» hängen.

Sind sie ja auch. Im letzten Dezember ist der Skifahrer Marcel Hirscher beinahe von einer Drohne getroffen worden.

Das war schlimm. Ich kenne die Details nicht, aber hier sind sicher gleich mehrere Dinge schief gelaufen. Die Technik und der Faktor Mensch haben versagt. Akkus halten im kalten Winter deutlich weniger lange als im Sommer. Und der Pilot hat einen klaren Fehler gemacht, als er über der Piste geflogen ist.

Deshalb habe ich vor Live-Einsätzen grossen Respekt. Der Druck ist sehr gross. Man wird dazu gedrängt, noch ein bisschen näher zu gehen. Und schon ist es passiert. Der Zwischenfall, der zum Glück glimpflich ausgegangen ist, hat mich zwei Aufträge gekostet. Eine Woche später hätte ich – natürlich neben der Piste – am Lauberhorn filmen sollen. Der Dreh wurde abgesagt.

Wie sieht es eigentlich bei den neuen Verfolger-Drohnen (Yuneec Typhoon H, Airdog) aus?

Ja, die sind stark im Kommen! Das Gesetz sagt, dass man im autonomen Betrieb jederzeit im Sichtbereich fliegen muss. Und die Drohne muss jederzeit mit der Fernsteuerung kontrolliert werden können. Ich denke, dass man dazu zu zweit sein muss. Jemand muss ja die Fernsteuerung griffbereit haben.

Welche Geräte haben Sie im Einsatz?

(Zählt im Kopf nach). Wir haben sieben Drohnen im Einsatz. Das Gerät für 360°-Aufnahmen habe ich selbst gebaut. Bei dieser Drohne können bis zu 10 GoPros angehängt werden. Eine andere Drohne kann mit einer Vollformat Canon EOS Mark III bestückt werden.

Panorama von Luzern. (Bild: air-view.ch)

Also keine Hobbygeräte?

Besitze ich auch. DJI zum Beispiel macht gute Geräte. Ich habe Kontakte zum Hersteller. Aber sobald man einen spezifischen Einsatzzweck verfolgt oder qualitativ sehr gute Fotos machen möchte, reicht eine GoPro nicht mehr und man benötigt ein anderes Kaliber. Das geht dann auch ins Geld: Die 360°-Drohne mit allem Zubehör, Akkus, SD-Karten etc. hat an die 25’000 Franken gekostet.

Was denken Sie über die Pläne diverser Unternehmen, Päckli mit Drohnen auszuliefern? Kann Galaxus.ch auch bald mit der Drohne ausliefern?

Die Päckli-Drohne ist für mich Marketing. Es ist ja auch eine super Idee und man redet darüber. Technisch sind aber noch grosse Herausforderungen zu meistern. In Katastrophengebieten gezielt Medikamente zu liefern ist aber sicher schon heute machbar.

So, ich muss jetzt weiter! Es wartet ein Auftrag in Schaffhausen.

Herr Schumacher, vielen Dank für das Gespräch!

Martin Schumacher auf YouTube, Facebook und Instagram

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Aurel Stevens

Hauptberuflicher Schreiberling, nebenberuflicher Papa. Ich interessiere mich für Technik, Computer und HiFi. Ich fahre bei jedem Wetter Velo und bin meistens gut gelaunt.

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