

Ist Schminken schädlich fürs Auge? Eine Optometristin klärt auf
Ich schminke mich, seit ich 15 bin, leidenschaftlich gerne. Wie sich das gesundheitlich auf meine Augen auswirkt? Diese Frage habe ich bisher geschickt verdrängt. Was ich nicht weiss ... oder?
Vor einem Jahr wurde ich auf einen Facebook-Aufruf hingewiesen. Gesucht wurden Menschen, die Interesse an einer allgemeinen Kontrolle ihrer Augen haben. Dabei handelte es sich um eine kostenlose Untersuchung, die zu Lernzwecken von den Studierenden am Institut für Optometrie an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Olten durchgeführt wurde. Unter der Aufsicht der Dozierenden, versteht sich. Perfekt, denn als Linsenträgerin bin ich auf regelmässige Kontrollen angewiesen und habe mich deshalb gleich für einen Termin angemeldet.
Vor Ort traf ich Melina Andrea. Sie war zu dem Zeitpunkt gelernte Optikerin und absolvierte an der FHNW gerade ihr letztes Ausbildungsjahr zur Optometristin. Während der eineinhalb Stunden, die ich auf ihrem Untersuchungsstuhl sass, kamen bei mir immer mehr Fragen auf. Speziell im Bezug auf meine Schminkerei und welche Konsequenzen die für meine Augengesundheit haben könnte. Mittlerweile hat Melina ihr Studium erfolgreich abgeschlossen und arbeitet im Augenzentrum Emmen. Und sie hat mir meine Fragen beantwortet.
Melina, von dir habe ich zum ersten Mal gehört, dass ich meine Lidränder regelmässig reinigen sollte. Weshalb ist das wichtig?
Melina Andrea, Augenoptikerin und Optometristin B.Sc.: Auf unseren Lidern bilden sich Ablagerungen. Vor allem Talg. Aber auch Staub oder Schmutz können daran haften. Diese verstopfen die Drüsenkanäle zwischen den Wimpern und können mit der Zeit zu einer Drüsen-Dysfunktion oder Lidrandentzündung führen. Eine regelmässige Reinigung kann dem vorbeugen. So kannst du die Gesundheit der Meibomschen Drüsen und des Tränenfilms bis ins hohe Alter unterstützen.
Die Meibomschen Drüsen?
Die Meibomschen Drüsen, in der Kurzform auch Meibomdrüsen genannt, produzieren den öligen Anteil unserer Tränen. Diese Lipidschicht hält unsere Augen feucht und geschmeidig und sorgt dafür, dass die Tränen nicht direkt verdunsten.
Ist so eine Lidrand-Reinigung kompliziert?
Nein, aber sie nimmt Zeit in Anspruch. Die Wimpern reinigst du am besten zuerst mit einem hautverträglichen Abschminktuch. Schnapp dir anschliessend zwei Wattepads und befeuchte sie mit warmem Wasser, ca. 40 °C. Die legst du auf deine geschlossenen Augen. Lass die Wärme fünf Minuten lang einwirken. Kirschkissen oder Wärmegelmasken speichern Wärme und können dich in diesem Schritt zusätzlich unterstützen. Danach entfernst du die Rondellen und massierst mit deinen Fingern das Unterlid nach oben und das Oberlid nach unten. So kann der durch die Wärmebehandlung verflüssigte Talg der Augendrüsen ab- und heraustransportiert werden. Zum Schluss gibst du etwas Augen-Make-up-Entferner auf ein Wattestäbchen und fährst damit am Ober- und Unterlid der Wimpernbasis entlang, bevor du deine Augen mit kühlem Wasser spülst.
Wie oft sollte ich denn zu den Wattestäbchen und -Pads greifen?
Ohne akute Beschwerden ein- bis zweimal pro Woche. So verhinderst du, dass die Meibomdrüsen verstopfen.
Kommt das denn häufig vor?
Sehr häufig sogar. Das kann verschiedene Ursachen haben: zum Beispiel das Ablagern von Schuppen, Make-up-Rückständen und Bakterien oder die Erschlaffung des Augengewebes. Auch eine Überproduktion der Lipidschicht kann Schuld sein. Das von den Drüsen produzierte Öl verdickt und kann nicht mehr auslaufen. Dadurch sind die Tränen viel dünnflüssiger und die Augen trocknen schneller aus. Genetik, Lebensstil und der allgemeine Gesundheitszustand spielen hier ebenfalls eine Rolle. Schwache Verstopfungen lassen sich aber oft schon durch eine warme Dusche in Kombination mit einer Lidmassage lösen. Als Sofortmassnahme gegen trockene Augen empfehle ich Benetzungstropfen.

Ich schminke mich gerne. Welchen Einfluss hat das auf meine Lidgesundheit?
Aus Erfahrung kann ich sagen, dass die Lidränder bei Frauen oftmals gesünder sind als bei Männern. Das liegt daran, dass sie abends beim Abschminken die Wimpernzwischenräume gezielt reinigen und sich deshalb keine mehrere Tage alten Ablagerungen bilden, sofern das Make-up gründlich entfernt wird.
Meinen Kajal trage ich am liebsten in meiner Wasserlinie auf. Soll ich damit aufhören?
Idealerweise ja. Auf der Wasserlinie (der schmale, feuchte Rand des Augenlids direkt zwischen den Wimpern und dem eigentlichen Augapfel) befinden sich die Drüsenausgänge. Durch den Kajal können diese blockiert und die Tränen verunreinigt werden, was zu Augenirritationen führen kann. Ich empfehle, das Produkt nur ausserhalb der Wasserlinie aufzutragen.
Wie steht es um Mascara? Oftmals bröckelt die ja …
Mascara kann aus verschiedenen Gründen problematisch sein. Gelangen Rückstände ins Auge, kann das Reizungen oder kleine mechanische Schäden verursachen. In der Regel heilen solche kleinen Kratzer an der obersten Zellschicht schnell ab. Wasserfeste Tusche hat den Vorteil, dass sie besser auf den Wimpern hält und ihre Bestandteile weniger schnell ins Auge gelangen. Bei empfindlichen Augen empfehle ich eine Tubing Mascara zu verwenden. Die legt sich wie eine «Röhre» um jede einzelne Wimper, hält, ohne zu verschmieren oder zu bröckeln, und lässt sich ganz einfach mit warmem Wasser entfernen.

Catrice TUBING Stay In Place Volume Mascara
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Gibt es weitere potenziell negative Folgen für meine Augengesundheit?
Wer sich langfristig halbherzig abschminkt, läuft Gefahr, dass sich Farbpigmente in der Augenhaut einlagern, wo sie kaum mehr zu entfernen sind. Das Auge trocknet aus, kratzt, ist irritiert und das Tragen von Kontaktlinsen wird erschwert. Alles, was aber kurzfristig im Auge landet, wird durch die Tränen wieder ausgespült. Es ist nicht möglich, dass etwas «hinter das Auge rutscht», wie es oft behauptet wird. In Sachen Make-up sehe ich aber noch eine andere Gefahr für unsere Augen.
Die wäre?
Der Gebrauch von Produkten, deren Haltbarkeitsdatum längst überschritten ist. Vor allem abgelaufene Mascara kann mikrobielle Infektionen verursachen. Viele Menschen sind sich der Risiken einer Augeninfektion nicht bewusst. Das Auge kann sich in so einem Fall nicht stark genug vor Bakterien schützen.

Quelle: Karolina Grabowska via Pexels
Wieso das?
Antikörper werden im Blut transportiert. Unser Auge besitzt jedoch keine zentralen Blutgefässe. Ist die Hornhaut erst mal infiziert, ist in schweren Fällen ein mehrtägiger Krankenhausaufenthalt notwendig.
Worauf sollte ich bei der Wahl meines Augen-Make-up-Entferners achten?
Greif zu sanften Produkten speziell für empfindliche Haut. Vermeide Tenside. Sie können den Tränenfilm destabilisieren und die Haut austrocknen. Ölhaltige Entferner lösen wasserfeste Produkte zuverlässig, sollten aber anschliessend selbst gründlich vom Auge entfernt werden, um Rückstände zu vermeiden. Wenn du etwas Natürliches bevorzugst, kann ich Kokosöl empfehlen. Verwende es aber sparsam, damit Reste nicht ins Auge gelangen und die Drüsen verstopfen.
Wie stehst du zu Klebewimpern oder semipermanenten Wimpern-Extensions?
Falsche Wimpern sehen nur schön aus, bis man sie unter einem Vergrösserungsglas betrachtet. Der Klebstoff bei Extensions ist sehr hartnäckig und kann wochenlang, selbst nach der vermeintlichen Entfernung die Wimpernansätze, verkleben. Ausserdem kann er Allergien oder Reizungen hervorrufen. Nicht zu unterschätzen ist auch die mechanische Belastung. Das regelmässige Entfernen kann die natürlichen Wimpern schädigen und zu Lidentzündungen führen. Bei mangelnder Hygiene während der Applikation besteht zudem auch ein Infektionsrisiko.
Eine letzte Beauty-Frage hätte ich noch für dich: Einige Augenärztinnen und -ärzte warnen vor dem Einsatz retinolhaltiger Hautpflegeprodukte rund um das Auge. Was steckt dahinter?
Retinol kommt oft in Anti-Aging-Kosmetika zum Einsatz und fördert die Hauterneuerung, was die Haut dünner und empfindlicher machen kann. So kann es bei manchen Meschen vorkommen, dass die Haut rund um das Auge eingefallen wirkt. Gemäss einer Studie von Ding & Sullivan aus dem Jahr 2012 sollen Retinoide – eine potentere Form des Retinols – auch trockene Augen und eine Meibomdrüsen-Dysfunktion fördern. Aber es gibt generell noch wenig Forschung zu den spezifischen Auswirkungen von Retinol auf die Meibomdrüsen.
Als Disney-Fan trage ich nonstop die rosarote Brille, verehre Serien aus den 90ern und zähle Meerjungfrauen zu meiner Religion. Wenn ich mal nicht gerade im Glitzerregen tanze, findet man mich auf Pyjama-Partys oder an meinem Schminktisch. PS: Mit Speck fängt man nicht nur Mäuse, sondern auch mich.
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