
Freundebuch: Nella Nixe M. Freundinnen & Fr. (Wendepaill.)
Deutsch, Monika Finsterbusch, 2023

Wieder Kind sein? Lieber nicht. Gewisse Aspekte von früher üben aber schon ihren Reiz auf mich aus. Zum Beispiel das gute alte Freundschaftsbuch. Ich plädiere für ein Comeback!
Magst du dich eintragen?, werde ich schüchtern gefragt. Mein Na logo! kommt wie aus der Wasserpistole geschossen. Zu Hause dann der Druck. Meine Seiten will ich möglichst kreativ gestalten. Gefragt sind clevere Antworten mit der perfekten Prise Humor und in einer möglichst schönen Handschrift. Am besten schreibe ich gleich mit meinem neuen Glitzer-Kuli. Ein keckes Foto darf auch nicht fehlen. Vielleicht das mit der schnellen Sonnenbrille? Da sehe ich aus wie eine coole Maccaroni. Was halten wir von Delfin-Stickern? Hmm, erst mal schauen, was die anderen so fabriziert haben …
Süss! Typisch Sarah. Kopfschütteln.

Als Kind durfte ich mich in so manchem Freundschaftsbuch verewigen. Und habe natürlich auch mein eigenes in Umlauf gebracht. Von Diddl. Oder war es Pimboli? An das Design mag ich mich zwar nicht mehr gut erinnern, dafür umso mehr an die Gefühle, die es geweckt hat.
Magst du dich eintragen?, frage ich schüchtern.
Die Antwort kommt prompt: Na logo!
Dann heisst es erstmal warten und Capri Sonne trinken. Warten ist doof.
Ein Tag, zwei Tage. Eine Woche? Gib Gummi, Schwester!
Ist das Buch zurück, sprudelt die Vorfreude aus mir heraus wie Kohlensäure aus einer geschüttelten Flasche Globi-Schampus. Gelesen wird aber erst, wenn die Pausenglocke die süsse Freiheit einläutet. Sonst gibt’s Ärger.
🔔 Riiiing! 🔔
Ab auf die Holzbank und schnell vorblättern! Ein paar Klassenkameradinnen und -kameraden schauen mir dabei neugierig über die Schulter.
Süss! Typisch Anna. Kopfschütteln.
Dann ein suchender Blick in die Runde und die grosse Frage: Wer darf als nächstes?

Heute stelle ich mir eine andere grosse Frage: Wann haben wir aufgehört, so cool zu sein?
Ah ja! Als unsere Freundschaftsbücher dem digitalen Zeitalter zum Opfer fielen.
Netlog. Facebook. Instagram.
Ich will zurück. Aber geht das überhaupt? Bestellt ist es schnell, das Freundebuch. Kein langweiliges. Keins in Beige «für Erwachsene». Auf meinem schwimmt eine Meerjungfrau. Ich liebe Meerjungfrauen. Regenbogenfarbene Pailletten in Form einer Muschel sind auch mit von der Partie. Perfekt!
Mein Buch geht auf Reisen – und kehrt mit der Zuverlässigkeit eines Bumerangs zurück. Weisst du, was auch zurückgekehrt ist? Die Freude, die ich damals empfunden habe.
Es mag Einbildung sein, aber als 34-Jährige macht so ein Freundebuch sogar noch mehr Spass als früher. Vielleicht, weil meine Äuglein und die meiner Liebsten in Anbetracht der nostalgischen Komponente ein Spürchen mehr glänzen als die meiner damaligen Klassenkameradinnen und -kameraden. Vielleicht aber auch, weil uns als Erwachsene die vermeintlich banalsten Fragen mehr Introspektion abverlangen, als wir vermutet hätten.


Freundebuch: Nella Nixe M. Freundinnen & Fr. (Wendepaill.)
Deutsch, Monika Finsterbusch, 2023


Für Redaktionskollegin Laura, die sich in meinem Buch verewigt hat, kam die Hausaufgabe einer «kleinen analogen Auszeit» gleich. Eine Übung, die neben ihren spielerischen Elementen (zum Beispiel Fische ausmalen) durchaus auch existenziellen Tiefgang besitzt. Besonders die Frage Was willst du mal werden, wenn du gross bist? beantworte Laura heute weniger unbedarft als früher. «Da reflektiert man automatisch, ob man das geworden ist, was man sich mal vorgestellt hat.» Oder wo man sich in weiteren dreissig Jahren sieht.
Langsam aber sicher füllt sich mein Buch. Mit Einträgen, durch die ich meine Freundinnen und Freunde ein kleines bisschen besser kennenlerne – und sie sich auch. Mit Einträgen, die ein klitzekleines Fenster in eine unbeschwerte Zeit öffnen, deren Leichtigkeit ich mit etwas naivem Optimismus heute noch anzapfen kann. Zumindest für ein schmunzelndes Kopfschütteln – oder zwei.
Als Disney-Fan trage ich nonstop die rosarote Brille, verehre Serien aus den 90ern und zähle Meerjungfrauen zu meiner Religion. Wenn ich mal nicht gerade im Glitzerregen tanze, findet man mich auf Pyjama-Partys oder an meinem Schminktisch. PS: Mit Speck fängt man nicht nur Mäuse, sondern auch mich.
Hier liest du eine subjektive Meinung der Redaktion. Sie entspricht nicht zwingend der Haltung des Unternehmens.
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