

Alles, was Jungs wirklich wissen wollen – und nie zu fragen wagten
Dödel, Johannes, Schnäbeli oder «bester Freund»: Der Penis hat viele Namen. Und mindestens genauso viele Missverständnisse gibt es rund um das Fortpflanzungsorgan. Ich habe ein Buch gefunden, das die wichtigsten Fragen souverän beantwortet – und das nicht nur für Jugendliche.
Bei Teenagern tauchen irgendwann Fragen auf. Spätestens dann, wenn ihr Geschlechtsteil ein erstaunliches Eigenleben entwickelt oder ringsum Haare sprießen. Und dann? Wird vermutlich die Youtube- oder Tiktok-Lebenshilfe konsultiert. Das Ergebnis: ein Wirrwarr an Informationen und viele Irritationen. Alle wissen irgendwas. Aber niemand weiß es wirklich. Und seien wir ehrlich: Eltern sind der erklärte Endgegner eines jeden Pubertierenden – die letzten also, die am Frühstückstisch mit Fragen zum Penis konsultiert werden.
Genau hier setzt das Buch «Penis!» an. Es heißt so unverblümt wie das Thema, dem es sich widmet. Als Teil der Reihe «Wissen für unter der Gürtellinie» aus dem Hanser Verlag nehmen die Sexualpädagoginnen Nadine Beck und Tim Berkel ihre Leserschaft mit auf eine Entdeckungsreise durch die Welt des männlichen Geschlechtsorgans. Gedacht ist das Buch für Menschen ab 11 Jahren.

Quelle: Hanser
Kunterbuntes Mitmachbuch
Das schmale Bändchen hat nichts mit verkopften «Aufklärungsschriften» oder trockenen Biologiebüchern gemein. Es fordert die Lesenden stets auf, aktiv zu werden. Manchmal reicht es, eine kurze Frage zu beantworten: «Wie geht's dir heute?» oder «Wie nennst du das gute Stück?» An anderer Stelle ist dann Handarbeit im besten Sinne gefragt – etwa wenn im Sinne der Gesundheitsvorsorge die Hoden abzutasten sind. Die Erklärungen sind niemals peinlich oder distanziert.
«Penis!» lebt auch von den bunten und liebevollen Illustrationen von Sandra Bayer. Mit ihrem Stil schafft sie es, dass selbst anatomische Erklärungen wie ein Comic wirken. Und die Bildchen lockern die Wissenshäppchen auf charmante Art auf.
Von der reinen Anatomie bis zur Lust
Mit viel Witz und Leichtigkeit räumt das Buch in Kapiteln wie «Fake News» mit Mythen und Vorurteilen auf. Dabei spricht es ganz nebenbei Unsicherheiten und Ängste an. Ist der eigene «Mitbewohner» groß genug? Gibt es Wundermittel, die ihn wachsen lassen? Und ist es eigentlich normal, wenn die Blase schüchtern ist – also auf der Männertoilette sprichwörtlich nichts läuft?
Trotz des humorvollen Tons bleibt «Penis!» stets einfühlsam und informativ. Die wichtigste Botschaft lautet: Alles an dir ist völlig in Ordnung. Es ist okay, wie du aussiehst und wie du dich fühlst. Diese Grundbotschaft gefällt mir persönlich sehr gut. In meiner Rückschau ist die Pubertät ohnehin verwirrend genug. Alles ändert sich. Du gehörst noch nicht zu den Erwachsenen, bist aber «kein Kind» mehr. Und bei jeder körperlichen Veränderung dann immer der Gedanke, ob das bei den anderen auch alles so ist? Ob die das gleiche denken wie ich? Wenn ich in einem Buch versichert bekomme, dass ich nicht allein bin mit meinen Fragen, nimmt das den Druck.
Apropos Anatomie und Lust: Die «Wasch- und Pflegeanleitung» widmet sich nicht nur ausführlich der Körperhygiene, sondern geht auch auf eventuellen Juckreiz oder das Frisieren der Schamhaare ein.

Quelle: Hanser
Geputzt wird in dem Buch ebenfalls. Das Kapitel rund ums «Sperma» informiert nicht nur über die Zusammensetzung oder einen gesunden Lebensstil – es enthält außerdem SOS-Tipps für Flecken auf Bettwäsche und Kleidung. Das könnte für den einen oder anderen Lesenden durchaus nützlich sein, um peinlichen, elterlichen Fragen aus dem Weg zu gehen.
Keine Angst auch vor schwierigen Themen
Natürlich geht es in dem Buch auch um Sex, um die Erektion, das Onanieren und auch um Probleme wie die Vorhautverengung. Das Buch holt Heranwachsende in ihrer Lebens- und Gedankenwelt ab.
Gut, dass das Thema Verhütung und Schutz vor übertragbaren Krankheiten nicht fehlt. Um die passende Kondomgröße zu finden, liegt sogar ein Maßband bei. Es kommt schließlich auf die richtige Passform an, weil das Gummi sonst verrutschen könnte und nicht mehr gut schützt.

Quelle: Hanser
«Penis!» geht auch den für die meisten Eltern vermutlich schwierigen Themen nicht aus dem Weg. Grooming, Sexting und Dickpics werden einfühlsam besprochen. Der Abschnitt «Dunkle Seite der Macht» liefert passende Worte für Fälle sexualisierter Gewalt. QR-Codes führen direkt zu Hilfsangeboten.
Ende mit Stereotypen
Positiv fällt auf, wie beiläufig das Buch mit Stereotypen aufräumt. Im Kapitel «Geheimrezept, wie du ein richtiger Mann wirst» wird klar: Es gibt nicht den einen Weg zum «echten Mann» – und das ist auch gut so. Besser als das folgende Zitat lässt sich das Buch nicht zusammenfassen:
Egal, was die scheinbare «Norm» über deine Geschlechtsidentität sagt, du darfst als Mensch mit Penis alles anziehen, was dir gefällt, Schmuck und Schminke tragen, weinen, Gefühle zeigen und tanzen, keine Muskeln oder ganz viele haben und alle Frisuren und Hobbies, die dir gefallen. Es ist dein Leben.
Fazit
«Penis!»: ein herrlich unaufgeregter und informativer Ratgeber
Pro
- locker und witzig geschrieben
- sehr schöne Illustrationen
- greift auch schwierige Themen auf
- widmet sich gesundheitlichen Aspekten
Contra
- Eltern müssen den Mut haben, das Buch zu kaufen

Hamburger, Leseratte, Eishockey-Fan. Papa und Grosspapa. Bastelt ständig an seinem Smarthome herum. Interessiert an DIY, Outdoor, Mode und Kosmetik.
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