Huawei vs. USA: Was ist dran an «Alles okay, kauft weiter»? – Update 24.06.2019 // 15:30 Uhr
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Huawei vs. USA: Was ist dran an «Alles okay, kauft weiter»? – Update 24.06.2019 // 15:30 Uhr

Dominik Bärlocher
Zürich, am 24.06.2019
Huawei räumt mit zehn Gerüchten um den Handelskrieg auf, aber vergisst dabei, die Zukunft zu erwähnen. Dennoch: Endlich herrscht Klarheit um das aktuelle Line-Up.

Es herrscht globale Unsicherheit nachdem die USA in der jüngsten Runde des Handelskriegs mit China die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Unternehmen Huawei verboten hat. Wird das Huawei P30 Pro nicht mehr upgedatet? Was ist mit WhatsApp? Und ist Honor auch betroffen? Dies, obwohl seit Beginn der Situation klar ist, dass aktuell im Handel erhältliche Geräte weiterhin Updates erhalten und nicht vom Handelskrieg betroffen sind. Alles, was in Zukunft kommt, ist noch unklar.

Huawei versucht nun damit aufzuräumen. Auf einer Website macht sich der Chinesische Konzern daran, Gerüchte zu verneinen, oder zu bestätigen.

Grundsätzliches: Updates auf Android Q kommen

Bereits auf dem Index der Seite bestätigt Huawei das längst Bekannte: Geräte werden weiterhin aktualisiert, die Bestseller erhalten sogar das Update auf das kommende Android Q. Dies wohl, weil die Entwicklung eines Smartphones und einer Software länger als ein paar Wochen dauert. Daher dürfte Huawei, als einer der aktiven Entwicklungspartner Googles in Punkto Android, schon früh an Android Q mitgemischt haben. Das bedeutet, dass Verträge über Upgrades, Updates und Geräteunterstützung bereits vor Monaten oder gar Jahren unterzeichnet worden sind. Diese Verträge dürfen auslaufen. Sollte die Rechtslage ändern und der Handel mit Huawei wieder erlaubt sein, dann können neue Verträge unterzeichnet werden – sofern Huawei und Google das möchten.

Spannend ist auch der erste Satz: Die Kunden stehen an erster Stelle. Das klingt zwar wie plattes Marketing, aber interne Quellen bei Huawei ausserhalb des Marketings bestätigen, dass das die neue Stossrichtung ist. «Benutzer sollen nichts merken. Die Beziehung zu den USA, das ist unsere Sache», heisst es. Aber wie die Rechtslage aktuell ist und wie sie sich entwickeln wird, dazu schweigen auch die Quellen bei Huawei.

Die Gerüchteküche in Kürze

Der Rest der Site ist kurz erklärt. Da sind zehn Gerüchte aufgelistet, mit zehn Antworten.

  1. Alle Geräte, die aktuell im Handel sind, bleiben supported wie bisher. Sprich: WhatsApp, Instagram und alle anderen Apps bleiben funktional.
  2. Funktionen und Support bleiben erhalten, selbst wenn du dein Gerät zurücksetzt.
  3. Updates und Upgrades werden für alle aktuellen Geräte weiterhin bereitgestellt.
  4. Android wird nicht automatisch deinstalliert.
  5. Die Garantie auf deine Geräte bleibt erhalten und der «bestmögliche Service» wird geleistet.
  6. Smartphones und Tablets, die aktuell am Markt sind, können mit allen Funktionen wie gewohnt genutzt werden.
  7. Huawei verkauft weiterhin Smartphones und entwickelt weiterhin Hardware und Software.
  8. Windows bleibt auf Huawei PCs und Laptops.
  9. Windows wird weiterhin upgedatet.
  10. Windows-Geräte Huaweis werden auch nach einem Factory Reset mit Windows funktionieren.

Die einzige wirkliche Neuigkeit in dieser Liste ist, dass es Fakten zu Microsofts Windows gibt. Bisher hielt sich Microsoft öffentlich bedeckt, selbst wenn internen Quellen zufolge schon lange klar war, dass der Softwarekonzern zu Huawei steht. Die Situation dürfte sich genau gleich wie die bei den Smartphones verhalten: Aktuelle Geräte sind dabei, die Zukunft ist noch unklar.

«Alles okay, kauft weiter» ist falsch. Oder doch nicht?

Bei der ganzen Berichterstattung um Huawei und Huaweis verspäteter Antwort gibt es ein Problem: Das wird wenig bringen. Die Unsicherheit wird bleiben. Selbst wenn Huawei und Medien die oben abgeackerte Liste gebetsmühlenartig wiederholen, so sind die Antworten aus China reichlich spät. Sie hätten bereits am Tage der Sanktionen kommen sollen.

Die Rechtslage, auf die Huawei die Antworten auf HuaweiAntwortet.de basiert, ist klar seit der Konzern auf die «Entity List» der USA gesetzt wurde. Dies hat aber niemanden davon abgehalten, Gerüchte in die Welt zu setzen, Panik zu schüren oder die Faktenlage zu ignorieren. Sprich: Huawei hätte schon viel früher reagieren müssen.

Ebenfalls ein Fehler in Huaweis Kommunikationsstrategie ist, dass sich der Konzern nicht über die Zukunft äussert. Denn die Botschaft Huaweis von wegen «Alles in Ordnung, kauft weiter» stimmt dann doch nur bedingt. Mit dem aktuellen Line-Up ist alles in Ordnung, ja, aber was ab September passiert, ist nach wie vor unklar. Der eine Fakt aber bleibt: Aktuell im Handel erhältliche Geräte bleiben supported. Danebst sind noch viele Fragen offen, die auch Huawei nicht beantworten kann.

Aktuell ist die Lage im Handelskrieg die Folgende:

  • Huawei will weiterhin mit Android arbeiten.
  • Google will, dass Huawei bleibt.
  • Huawei will weiterhin mit Microsoft arbeiten.
  • Microsoft will, dass Huawei bleibt.
  • Bis Ende August 2019 steht die Handelsbeziehung Huawei/Google, da eine Ausnahmebewilligung gesprochen wurde.
  • Die USA klärt ab, ob ein Verbot der Zusammenarbeit überhaupt machbar ist ohne dass die Infrastruktur der USA zu sehr leidet. Stichwort ist hier vor allem «5G».

Dass der Stand der Verhandlungen nicht tagtäglich kommuniziert werden kann oder darf, ist verständlich. Aber dann und wann wieder ein kleines Update von wegen «sieht gut aus» oder «Läck, es geht alles den Bach runter» wäre nett. Aber vielleicht kommt das mit der neuen Kommunikationsstrategie des Unternehmens, die gerade erst anläuft.

Update 24.06.2019 // 12:00

Huawei hat eine Antwortseite für die französische Schweiz online geschaltet. Sie ist auf der offiziellen Website Huaweis zu finden.

Update 24.06.2019 // 15:30

Eine Liste der Geräte, die Android Q erhalten:

  • Huawei P30 Pro
  • Huawei P30
  • Huawei P30 Lite
  • Huawei Mate 20
  • Huawei Mate 20 Pro
  • Huawei Porsche Design Mate 20 RS
  • Huawei P Smart 2019
  • Huawei P Smart 2019+
  • Huawei P Smart Z
  • Huawei Mate 20 X
  • Huawei Mate 20 X 5G
  • Huawei P20 Pro
  • Huawei P20
  • Huawei P20 Lite
  • Huawei Mate 10 Pro
  • Huawei Porsche Design Mate 10
  • Huawei Mate 10

Dossier Handelskrieg USA/China

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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