
Geniale Idee, doch bei Flecken enttäuscht die Waschmittel-Alternative
Das Wasch-Ei von Ecoegg soll mit Mineralien die Waschmittelmenge reduzieren – als ökologische Alternative zu Flüssigmittel und Pulver. Ich habe im Selbstversuch geschaut, ob meine Kleidung wirklich sauber wird.
Weniger Waschmittel, gleiche Sauberkeit – ein ambitioniertes Ziel, das sich Ecoegg vorgenommen hat. Mithilfe von Mineralien soll das Wasch-Ei weniger Seife benötigen und schmutzige Textilien trotzdem sauber kriegen.
Klingt vielversprechend. Oder doch zu gut, um wahr zu sein?
Mineralien, die die Waschmittelmenge reduzieren (sollen)
Damit du das Grundprinzip des Ecoegg verstehst, fasse ich dir die Wirkweise von Seifen zusammen. Sie reinigen unter anderem, weil die enthaltenen Tenside die Oberflächenspannung des Wassers herabsetzen. Dadurch dringt das Wasser besser in die Textilfasern ein und spült den Dreck heraus. Gleichzeitig docken Tenside an Fette und andere Schmutzpartikel an, lösen sie und verhindern, dass sie sich wieder auf den Kleidern ablagern.
Ecoegg möchte diesen Vorgang mithilfe von Mineralien unterstützen. Sie sollen die Oberflächenspannung des Wassers zusätzlich herabsetzen, so dass weniger Waschmittel und somit Tenside ins Wasser gelangen. Und das auch bei tiefen Wassertemperaturen. Ein spannender Ansatz und mit gut 15 Franken für 70 Waschgänge sogar preiswert.
Die zusätzlichen Mineralien kommen aus sogenannten Tourmaline-Pellets, mit denen ich das Ecoegg neben den Waschmittel-Pellets befülle. Ob diese Mineralien wirklich wirken, ist bisher kaum belegt. Eine geringe Reduktion der Oberflächenspannung des Wassers scheint mit den Mineralien möglich zu sein. Ob diese Reduktion reicht, um die Waschmittelmenge erheblich zu senken, müssen weitere Studien erst zeigen.

Aber auch ohne die Wirkung der Mineralien könnte das Ecoegg eine ökologische Alternative sein, denn Waschmittel ist im Produkt drin. Ob es für saubere Kleidung reicht, teste ich im Alltag.
Beim 40er-Waschgang ganz okay
Meinen ersten Versuch wage ich mit Sportbekleidung. Leicht durchgeschwitzt, aber keineswegs stinkig. Ein würdiger Gegner für den Anfang. Ecoegg liefert die weissen Waschmittel- und die schwarzen Tourmaline-Pellets gleich mit dem Wasch-Ei mit. Sind die Pellets aufgebraucht, sorgen Nachfüllpackungen für Abhilfe.



Ich kippe die weissen und schwarzen Pellets ins Ei, lege es auf die Wäsche und fülle die Trommel nur mässig mit Kleidern, damit sich das Ei bewegen kann. Wie gewohnt schalte ich den 40-Grad-Waschgang ein.


Eine Stunde später hole ich die Wäsche aus der Maschine. Die Kleidung wirkt sauber, riecht frisch und nur dezent parfümiert. Für meinen Geschmack zu milde, aber für geruchsempfindliche Personen könnte das ein Vorteil sein. Stellen, die besonders von Schweiss betroffen sind, riechen ebenfalls neutral – ein gutes Zeichen.

30er-Waschgang: Keine Wirkung
Der zweite Durchgang, bei tieferer Temperatur, läuft deutlich schlechter. Ein Pulli in meiner Wäsche hat einen muffigen Gestank an die anderen Kleider abgegeben. Statt nach frischen Leinen riecht alles nach modrigem Waschlappen. Meine Wäsche dreht also nochmals eine Runde – aber diesmal mit meinem Standard-Waschpulver. Das Ecoegg hat bei diesem Waschgang versagt. Ich gehe davon aus, dass der Pullover zu viel Wasser aufgesaugt hat und das Ecoegg deswegen nicht genügend Waschmittel abgeben konnte. Mein Fazit vom Durchgang: Ein zu schmutziges Kleidungsstück und ich kann die ganze Übung wiederholen.
Ein halb-analytischer Ansatz
Ich will wissen, wie gut das Wasch-Ei mit starkem Schmutz klarkommt. Dafür besudle ich zwei weisse, ausrangierte Socken mit Barbecue-Sauce und einem Schuss Olivenöl. Ein zweiter Fleck am Fussrücken bearbeite ich zuerst mit Gallseife, weil Ecoegg rät, hartnäckige Verschmutzungen im Voraus zu behandeln.
Die erste Socke wasche ich zusammen mit dem Wasch-Ei im 40-Grad-Sportwaschprogramm. Die zweite Socke wasche genauso, aber ganz ohne Wasch-Ei – nur mit Wasser.


Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Die Socken sehen trotz unterschiedlichen Waschmethoden praktisch gleich aus. Die Öl- und Saucenflecken sind noch immer da. Das gilt sowohl für die Socke, die mit dem Ecoegg gewaschen wurde (auf dem Bild links mit Foldback-Klammer), als auch für die, die nur mit Wasser in Berührung kam.


Bei mir bleiben offene Fragen:
- Hat das Waschmittel im Ecoegg überhaupt einen Effekt oder hat das Wasser die ganze Arbeit übernommen?
- Gibt das Wasch-Ei bis zum Schluss des Waschgangs kleine Mengen vom Waschmittel ans Wasser ab?
- Würde es funktionieren, wenn ich die weissen Waschmittel-Pellets durch Waschpulver ersetzte?
- Ist es wirklich ökologisch, wenn die Tourmaline-Pellets im Restmüll entsorgt werden müssen, weil ihre genauen Auswirkungen auf Pflanzen und Tiere nicht getestet wurden?
Das Wasch-Ei bleibt ein Experiment mit einer netten Idee, die sich bisher nicht als Revolution entpuppt hat. Als Ergänzung funktioniert es zum Waschen von Kleidern, die weder verschwitzt noch fleckig sind. Aber mein Standard-Waschmittel wird das Ecoegg nicht ersetzen. Dafür müsste es auch bei tiefen Temperaturen zufriedenstellende Ergebnisse liefern. Eine bessere Alternative zu Waschmittel könnten wohl die in der Community beliebten Waschstreifen von Bluu sein.
Fazit
Nicht die erhoffte Waschmittel-Revolution
Pro
- gibt nur wenig Waschmittel ab
- Preis
Contra
- Wirkungslos bei starken Flecken oder Geruch
Die Wände kurz vor der Wohnungsübergabe streichen? Kimchi selber machen? Einen kaputten Raclette-Ofen löten? Geht nicht – gibts nicht. Also manchmal schon. Aber ich probiere es auf jeden Fall aus.
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