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«Für den Beruf Erzieherin musst du geboren sein!»

Täglich werden viele Kinder fremdbetreut. Dafür braucht es gegenseitiges Vertrauen zwischen Betreuungsperson, Kind und Eltern. Sara Soliva, Erzieherin und Krippenleiterin, erzählt mir, mit welchen Herausforderungen sie im Krippenalltag zu kämpfen hat.

Das Bild der «Frau» hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Sie ist in den seltensten Fällen «nur» noch Hausfrau wie früher. Sie arbeitet entgeltlich oder ehrenamtlich. Die Kinderbetreuung geben Eltern deshalb vermehrt aus der Hand. Entweder betreuen die Grosseltern das Kind oder eine Tagesmutter beziehungsweise eine Kindertagesstätte (KiTa). Was die eigenen Eltern oder Schwiegereltern mit dem Nachwuchs treiben, ist meist bekannt. Doch was in einer Krippe passiert, bleibt oft unausgesprochen.

Aus diesem Grund habe ich Sara getroffen. Sie leitet seit 2011 die Kinderkrippe KiTa Cat in Kölliken (AG) und plaudert mit mir über den Alltag in der KiTa. Sie ist mittlerweile selber Mami und eine dieser Mütter, die Kind und Karriere unter einen Hut bringen. Die Arbeit für ihr Kind aufzugeben, kam für sie nicht in Frage. Heute bringt sie ihre Tochter mit zur Arbeit. Sie ist Mutter, Betreuungsperson für das eigene Kind und gleichzeitig Betreuungsperson für andere Kinder. Natürlich funktioniert das nur, weil auch die Kleine mitmacht und sie die Situation nicht anders kennt. Wenn bei ihr die Tränen fliessen oder das Knie aufgeschürft ist, ist Mami dennoch näher als bei allen anderen Kindern.

Sara tauscht sich regelmässig mit ihrem Team aus.

Kinder brauchen Nähe und Geborgenheit

Neben den Regeln sind in einer Krippe auch Nähe und Geborgenheit wichtig. Kinder brauchen diese für ihre Entwicklung. Das sieht auch Sara so: «Nähe und Distanz sind heikle Themen und dennoch wichtig. Die KiTa ist für viele Kinder ihr zweites Zuhause. Da wird gespielt, gelernt, experimentiert, gestritten und eben auch getröstet. Gewisse Kinder brauchen die Nähe der Erzieherinnen, indem sie uns auf den Schoss sitzen oder sich fest an uns klammern. Würden wir die Nähe dieser Kinder nicht erwidern, würden sie sich alleingelassen fühlen. Die Kinder brauchen Wärme in der Erziehung.»

Sich abgrenzen und dennoch Nähe zulassen, das ist eine grosse Herausforderung der Erzieherinnen. Noch schwieriger findet Sara die Zusammenarbeit mit den Eltern. «Es kommt immer wieder vor, dass Erwartungen gestellt werden, die wir nicht erfüllen können», sagt sie. Was für Erwartungen das sind, erläutert Sara nicht näher. Aus Schutz für die Betreuerinnen. Denn bei ihrem Job ist das Vertrauen, welches ihr die Eltern entgegenbringen, sehr wichtig. Eltern wollen sich verstanden fühlen und sich sicher sein, dass ihr Kind gut aufgehoben ist. Dennoch gibt es unterschiedliche Elterntypen, meint sie: «Wir haben Eltern, die es nicht wirklich interessiert, was das Kind den ganzen Tag in der Krippe erlebt. Dann gibt es jene, die dich an ihrem Privatleben teilhaben lassen.» Für Sara ist es wichtig, dass sie ein gutes Verhältnis zu den Eltern pflegt, weil dies die Zusammenarbeit mit den Kindern einfacher macht. «Wir versuchen den Ansprüchen der Eltern und Kinder gerecht zu werden sowie unser eigenes Konzept einzuhalten. Das ist eine kleine Gratwanderung, die es jeden Tag zu meistern gibt», ergänzt sie mit einem Schmunzeln.

Geduld, viel Energie und starke Nerven

Eine Tugend, die eine Betreuungsperson haben muss, ist aus meiner Sicht Geduld. Daneben muss aber auch eine riesige Portion Nerven und Energie vorhanden sein. Kinder können laut, streitsüchtig, nervig, extrem langsam, aufbrausend, aber auch ermüdend sein. Doch Sara nimmt die Energie von den Kindern selbst, von ihren Erfolgen und ihren Erlebnissen, welche sie den ganzen Tag erleben. «Für diesen Beruf muss man geboren sein», sagt sie lächelnd. «Es kommt vor, dass ich an meine Grenzen komme. Dann ist ein gutes Team wichtig.» In solchen Situationen verlassen die Erzieherinnen kurz den Raum. Sie schnaufen durch, sammeln sich und gehen mit neuer Energie wieder zurück. Ich bin froh, dass es den Fachpersonen gleich geht.

Die Garderobe der Grossen. Ohne Leuchtstreifen geht es nie auf die Strasse.

Handhabung von Gewalt und Krankheiten

Wer Kindern beim Spielen zusieht, kommt schnell in den Genuss von Streitereien. Häufig wollen sie dasselbe Spielzeug, welches ein anderes Kind bereits in der Hand hält. Für Erzieherinnen sind auch Streitereien eine Gratwanderung. Einerseits werden sie für die Entwicklung von Selbstvertrauen und Co. gebraucht und andererseits können sie schnell handgreiflich werden: Haare ziehen, einander Stossen, Spielzeug aus der Hand reissen, mit den Fäustchen oder Beinen schlagen, das Gegenüber beissen und so weiter. Gemäss Sara passiert das meist in Windeseile. «In solchen Situationen thematisieren wir mit den Kindern den Konflikt und erzählen es am Abend den Eltern. Dabei achten wir darauf, dass wir aus Schutz vom Kind keine Namen verwenden», erzählt Sara. Sie besprechen die eigenen Gewaltattacken im Team, führen täglich Rapport und besprechen auch öffentliche Fälle, wie sexuelle Übergriffe oder psychische Gewalt, die bekannt sind. Das ermöglicht ihr und den Erzieherinnen in der richtigen Situation korrekt zu handeln und nötigenfalls das zuständige Amt zu kontaktieren.

Im täglichen Rapport werden auch Krankheiten besprochen. «Es ist klar geregelt, dass Kinder mit ansteckenden Krankheiten wie zum Beispiel einem Magendarm-Virus, die Hand-Fuss-Mund-Krankheit und Spitzblattern (Windpocken) die Kinderkrippe nicht besuchen dürfen». Dennoch kommt es vor, dass ein Kind erst in der KiTa erkrankt. In solchen Fällen müssen die Eltern das Kind umgehend abholen. «Dies dient zum Schutz des kranken Kindes, der gesunden Kinder und unseres Teams», ergänzt Sara. Husten oder laufende Nase kommen vor allem in den Wintermonaten häufiger vor. Ihnen wird kaum Beachtung geschenkt. Das Kind darf mit diesen Symptomen meist in der Kita bleiben.

Die Ruhe vor dem Sturm. So ordentlich ist es nicht immer.

Datenschutz und das Zeitalter von Fotos

Es gibt diverse Krippen, die Fotos von den Kindern machen und sie anschliessend den Eltern per WhatsApp zustellen. In der Kinderkrippe KiTa Cat ist das nicht der Fall. Sie schützen in erster Linie das Kind und lassen die Eltern entscheiden. Sara erklärt: «Im Betreuungsvertrag müssen die Eltern angeben, ob und wie wir ihr Kind fotografieren dürfen. Wir haben eine Homepage mit Login für die Eltern sowie für Facebook. Dort können die Eltern auf eine Plattform zugreifen, um die Fotos anzuschauen.» Das Kind kann selber noch nicht entscheiden, was für Auswirkungen ein Bild haben kann. Umso wichtiger ist es, dass die Eltern das Kind schützen. «Der Blickwinkel macht den Unterschied», ergänzt Sara. Und trotz Einverständnis der Eltern versuchen sie den Blickwinkel der Fotos jeweils so zu wählen, dass das Gesicht nicht oder kaum erkenntlich ist.

Bis anhin kannte ich nur die Situation, die alle Eltern mit Krippenkindern kennen. Ich bringe morgens mein Kind und hole es am Abend wieder ab. Was zwischendrin passiert, wie viele Streitereien geschlichtet werden, was alles vom Esstisch fällt, was gebastelt, gesungen oder gespielt wird, bleibt mir als Elternteil verborgen. Deshalb will ich als Laie einen solchen KiTa-Alltag erleben. Und das Beste: Du bist selber mittendrin, denn ich erzähle dir in meinem nächsten Beitrag, was ich dabei erlebt habe. Wenn du meinem Autorenprofil folgst, verpasst du diesen Beitrag garantiert nicht.

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Myrtha Erni, Zürich

  • Editor
Köchin. Putzfrau. Polizistin. Krankenschwester. Entertainer. Motivator. Autorin. Erzählerin. Beraterin. Organisatorin. Chauffeur. Anwältin. Richterin. .… also einfach gesagt Mami von zwei Töchtern und somit nicht nur (Content) Manager im Beruf, sondern auch im Privatleben.

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