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Hintergrund Familienleben06

Ist dein Kind bereit für den «Chindsgi»?

Für viele Mädchen und Jungen beginnt bald ein neuer Lebensabschnitt: Sie kommen in den Kindergarten. Ist dein Kind reif für diesen Schritt? Kannst du dein Kind darauf vorbereiten? Ich sage dir, was du über den Eintritt in den Kindergarten wissen musst.

Ein kurzer Weg für einen Erwachsenen, aber ziemlich viele Schrittchen für Vierjährige: Wenn Mädchen und Jungen in den Kindergarten kommen, beginnt ein ganz neues Kapitel in ihrem Leben. Natürlich bedeutet Schulpflicht in dieser Zeit vor allem: miteinander singen, Tannenzapfen suchen und Salzteigsterne basteln. Doch es heisst eben auch, die Aufmerksamkeit einer erwachsenen Person mit vielen Gspänli zu teilen. Oder zuerst in der Bücherecke eine Geschichte zu Ende hören, bevor es draussen zum Seilhüpfen geht.

Damit ein Kind reif ist für den Kindergarten, muss es einige Dinge können:

  • Sich in grösseren Gruppen wohlfühlen.
  • Sich für Aktivitäten mit den Gspänli interessieren.
  • Ein paar Stunden getrennt von seinen Bezugspersonen verbringen können.
  • Selbstständig auf die Toilette gehen.
  • Sich selbst an- und ausziehen.
  • Zwischendurch zehn Minuten warten, still sitzen und zuschauen können.

Soll mein Kind ein Jahr später …

Kinder sind heute jünger schulpflichtig, als es noch vor einigen Jahren üblich war. Im Rahmen der Harmonisierung der Volksschule haben viele Kantone den Stichtag auf den 31. Juli gelegt. Das heisst: Wer an diesem Datum oder in den Monaten davor seinen vierten Geburtstag feiert, kommt im August desselben Jahres in den Kindergarten. Gut ein Viertel der Kinder einer Klasse sei heute beim Eintritt in den Kindergarten ein ganzes Jahr jünger als vor der Verschiebung des Stichtages, sagt Ursina Zindel, Präsidentin des Verbandes Kindergarten Zürich. «Das stellt Kinder und Schulen vor grosse Herausforderungen.»

Altersunterschiede gibt es natürlich in jeder Klasse, und irgendwer ist immer der Jüngste. Schwierig wird es laut Zindel, wenn die Kleinsten in der Klasse deutlich mehr Hilfe brauchen als die anderen. Mehr, als es eine Kindergärtnerin in einer zwanzigköpfigen Klasse jedem einzelnen Kind bieten kann. Sie rät Eltern von Kindern, die zwischen Mai und Juli vier werden, im Zweifelsfall eine Einschätzung von der Kinderärztin oder Kita einzuholen. «Schliesslich bleiben diese Kinder die ganze Schulzeit über die Jüngsten und müssen auch früher entscheiden, welchen Beruf sie erlernen wollen.»

«Die Zahl der Rückstellungen ist in den vergangenen Jahren gestiegen», sagt Marion Völger, die Leiterin des Volksschulamtes des Kantons Zürich. Es kommt heute häufiger vor, dass Eltern aufgrund der Empfehlung von Fachleuten beantragen, dass ihr Kind ein Jahr später in den Kindergarten oder die Schule kommt. Ein späterer Schuleintritt macht jedoch lediglich einen kleinen Teil der Rückstellungen aus. «Nur wenige Kinder machen ein drittes Kindergartenjahr», ergänzt die Amtschefin. 2010 wurden im Kanton Zürich zwei Prozent der Kinder ein Jahr später schulpflichtig. Im vergangenen Jahr waren es sechs Prozent – etwa 900 von 14000 Kindern. Ob ein Gesuch um Rückstellung gutgeheissen wird, entscheidet die Gemeinde beziehungsweise die Schulpflege.

Die Zahl der Rückstellungen ist gestiegen. Das heisst, Eltern behalten ihr Kind lieber ein Jahr länger zu Hause.

… oder ein Jahr früher in den Kindergarten?

Fast im selben Mass, wie die Zahl der Rückstellungen zugenommen hat, ist die Zahl der vorzeitigen Einschulungen in den letzten Jahren gesunken. Wurden 2010 noch fünf Prozent aller Kinder vorzeitig eingeschult, war es 2018 nur noch ein halbes Prozent. «Damit bleibt die Zahl der abweichenden Schuleintritte über die Jahre gesehen ziemlich konstant», sagt Völger. Eine vorzeitige Einschulung empfiehlt sich nur, wenn der Entwicklungsstand des Kindes zu dem der älteren Klassenkameraden passt. Es sollte mit den Anforderungen des Kindergartens ohne besondere Unterstützung umgehen können. So steht es zum Beispiel im Informationsblatt des schulärztlichen Dienstes der Stadt Zürich zu Kindergartenbereitschaft und Einschulung.

Tipps für einen guten Start

Können Eltern ihre Kinder auf den Kindergarteneintritt vorbereiten? «Ja, ganz klar», ist Amtschefin Völger überzeugt. «Es gibt sehr vieles, das Kinder schon vorher lernen können und lernen sollen.» Das Wichtigste: Kinder in den Alltag einbeziehen und ihren Anliegen Gehör schenken. Völger rät Eltern deshalb, den Kindern auch mal Staubsauger und Schwingbesen zu überlassen, selbst wenn der Haushalt so etwas länger dauert. Es ist wichtig, viel mit ihnen zu reden und ihnen vorzulesen. Zudem sollten sie oft die Gelegenheit haben, zu malen, zu kneten oder zu schaufeln – auch mit anderen Kindern.

Es gibt jedoch Entwicklungsschritte, die selbst die beste Vorbereitung nicht beschleunigen kann. Trockenwerden zum Beispiel ist hauptsächlich ein Reifeprozess, da können Eltern so viel Töpfchentraining machen wie sie wollen. Und zeigt ein Kind noch kein Interesse daran, in einer grösseren Gruppe mitzuwirken, lässt sich das nur schwer forcieren.

Ist der Anfang gemacht, können Eltern das Einleben unterstützen: Für einen guten Start in den Tag sorgt ein gutes Frühstück wie Brot mit Käse oder Joghurt mit Haferflocken oder Früchten. Kinder brauchen nach dem «Chindsgi» oft etwas Zeit für sich und ungestörtes Spiel; ihre Nachmittage sollten deshalb nicht zu verplant sein. Wichtig sind auch genügend Bewegung an der frischen Luft und ausreichend Schlaf. Den Alltag strukturieren Rituale wie eine Gutenachtgeschichte oder ein abendliches Bad: Sie bringen nicht zuletzt auch Ruhe in das aufregende Leben eines frischgebackenen Kindergärtners.

«Lernen beginnt lange vor dem Kindergarten» (Broschüre der Zürcher Bildungsdirektion)

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Journalistin und Mutter von zwei Söhnen, beides furchtbar gerne. Mit Mann und Kindern 2014 von Zürich nach Lissabon gezogen. Schreibt ihre Texte im Café und findet auch sonst, dass es das Leben ziemlich gut mit ihr meint.
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