Fake-News: «Beobachter» zerreisst eine unserer Atemschutzmasken
Hinter den Kulissen

Fake-News: «Beobachter» zerreisst eine unserer Atemschutzmasken

Alex Hämmerli
Zürich, am 31.07.2020
Bilder: Thomas Kunz
Das Konsumentenmagazin «Beobachter» publiziert in der aktuellen Ausgabe einen Testbericht zu Masken, die vor dem Coronavirus schützen sollen. Ein Produkt, das wir verkauft haben, fällt dabei komplett durch. Das liegt aber nicht an den Masken, sondern am fragwürdigen Testverfahren. Nun ist die Redaktion zurückgekrebst – nur leider zu spät.

Dicke Post vom «Beobachter»: In der Ausgabe vom 31. Juli 2020 publiziert das Konsumentenmagazin als Titelstory einen Testbericht, in dem eine Atemschutzmaske, von der Galaxus rund 3500 Packungen verkauft hat, komplett durchfällt: Bei einer Messung der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) erreichte die Maske bei zwei verschiedenen Partikelgrössen bloss eine Filterleistung von 87% respektive 44%. Der Mindestwert für KN95-Masken läge bei 95%. Ursprung der Story ist eine gemeinsame Mitteilung des BfU und der SUVA, wonach mehr als 60 Prozent der in der Schweiz verkauften Atemschutzmasken keinen genügenden Schutz bieten.

Die vernichtende Kritik an uns: «Die Online-händlerin verkaufte monatelang Masken aus China, die offenbar Ramsch sind», schreibt der Redaktor. Und weiter: «Galaxus versprach eine zertifizierte Schutzwirkung, die es so nicht gibt. Wer diese Maske kauft, kann nur hoffen, nicht auf Infizierte zu treffen.»

Der Haken an der Sache: Die FHNW hat für den Masken-Test ein neues, selbst entwickeltes Verfahren angewendet, das nicht den internationalen Standards zur Prüfung von Atemschutzmasken entspricht: Sowohl die Experten des BfU als zuständiges Amt für die Zulassung vom Atemschutzmasken als auch des Migros-Labors SQTS bemängeln, dass die FHNW nicht nach der vorgeschriebenen EU-Norm EN149 oder ähnlicher international anerkannter Verfahren geprüft hat. Damit verliert der Test seine gesamte Aussagekraft.

Den Testbericht der FHNW findest du in diesem und Informationen zum selbst entwickelten Prüfverfahren in diesem Dokument.

Dreimal getestet, dreimal bestanden

Und es kommt noch dicker: Drei voneinander unabhängige Tests des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen gesetzlichen Unfallversicherung IFA (Testreport vom 26.3.2020), des US-Center for Disease Control and Prevention CDC (Testreport vom 22.6.2020) und des Migros-Prüflabors SQTS (Testreport vom 29.7.2020) kommen nach den in ihren Ländern vorgeschriebenen Prüfverfahren zum Schluss, dass die Schutzleistung der Maske ausreichend sei. Das BfU hatte den Verkauf in der Schweiz offiziell am 15. Mai 2020 freigegeben.

Den SQTS-Test hatten wir in Auftrag gegeben, um die Anschuldigungen des «Beobachters» zu überprüfen. Leider lagen uns die Resultate des SQTS erst ein Tag nach Redaktionsschluss vor, da der «Beobachter» trotz klaren und eindeutigen Hinweisen unserseits am Publikationsdatum der Titelstory festgehalten hat. Die Prüfberichte der Labors der IFA und des CDC sind freilich beide öffentlich und digital zugänglich – auch für die Journalisten des Beobachters.

Nun ist der «Beobachter» zurückgekrebst: Am Morgen der Publikation der gedruckten Version hat der stellvertretende Chefredaktor Martin Vetterli das E-Paper gestoppt. Dies, nachdem Galaxus die Testresultate des SQTS nachgeliefert hat. Die Online-Version erscheint nun mit einem entsprechenden Hinweis, der Beitrag selbst wurde online und im E-Paper entschärft, indem insbesondere der reisserische Einstieg mit den haltlosen Anschuldigungen gestrichen wurde, und in der nächsten gedruckten Ausgabe gibt es ein Korrigendum.

Die FHNW hält an der Gültigkeit ihrer Ergebnisse freilich fest: Es sei wahrscheinlich, dass die Fachhochschule bei Kleinstpartikeln «genauer» messe als die Industrienorm, wird Professor Ernest Weingartner in einer Stellungnahme zitiert. Tatsache bleibt, dass Weingartners neue Messmethode nicht mit dem gesetzlich geforderten EN149-Standard-Prüfverfahren vergleichbar ist.

Zwischenfazit: Der «Beobachter» hat Fake-News publiziert. Es besteht keine erhöhte Gefahr für alle, die die Maske tragen.

Plagiate im Umlauf

Offenbar sind allerdings nebst den offiziellen, qualitativ hochwertigen Original-Atemschutzmasken auch gefälschte Modelle im Umlauf. Vgl. CDC-Webseite sowie Screenshot hier. Als Vorsichtsmassnahme hat das CDC dem Hersteller deshalb für die USA die Zulassung entzogen, notabene aber nicht wegen einem verpatzten Testergebnis. Auch hier schreibt der «Beobachter» in der gedruckten Version eindeutige Fake-News.

Weder in Nordamerika noch sonst wo wurde für die Maske bis dato eine Rückrufaktion eingeleitet: Gemäss CDC war in den USA lediglich eine Kommunikation und ein Re-Labelling notwendig, damit die potenziellen Fake-Masken nicht in medizinischen Einrichtungen von «Frontline Healthcare Workers» genutzt werden.

Unser Schweizer Lieferant hat uns eine direkte Verbindung zum Hersteller in China offengelegt und uns bestätigt, dass wir Originalmasken und eben keine Plagiate beziehungsweise Fake-Masken gekauft haben. Wir haben unsere Masken zusätzlich mit dem oben verlinkten CDC-Bericht verglichen: Herstelldatum, Ablaufdatum sowie andere Kennzeichen (insb. LOT und GTIN) stimmen mit den Original-Produkten überein.

Wir können also mit gutem Gewissen sagen, dass wir unseren Kunden keine Fake-Masken und somit auch keine Masken mit unzureichender Schutzleistung verkauft haben. Das schützt uns freilich nicht davor, dass wir vom «Beobachter» öffentlich abgekanzelt wurden.

Endfazit: Vom leserstärksten Magazin der Schweiz hätten wir mehr erwartet.

*Wilder Westen** bei Mundschutzmasken
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Alex Hämmerli
Alex Hämmerli
Senior Public Relations Manager, Zürich
Ich bin bei digitec und Galaxus zuständig für den Austausch mit Journalisten und Bloggern. Gute Geschichten sind meine Leidenschaft; deshalb bin ich immer auf dem neusten Stand.

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