Wilder Westen bei Mundschutzmasken
Hinter den Kulissen

Wilder Westen bei Mundschutzmasken

Alex Hämmerli
Zürich, am 12.05.2020
Die Nachfrage nach Schutzmasken ist riesig: Hatten wir in den letzten Tagen welche an Lager, waren sie im Nu ausverkauft. Im Grosshandel geht es derweil zu und her wie im Wilden Westen. Und bei dem Wildwuchs an Herstellern und Zertifikaten haben nur Spezialisten den Durchblick. Wir zeigen euch, wie wir mit den Herausforderungen im Masken-Markt umgehen.

Seit die Corona-Pandemie die Schweiz erreicht hat, befinden wir uns bei Digitec Galaxus im Ausnahmezustand. Hoch im Kurs sind insbesondere Gesundheitsprodukte – speziell Mundschutzmasken. Von der Klassifizierung über die Beschaffung und Preissetzung bis zur Qualitätssicherung hat uns das Produkt vor einige Herausforderungen gestellt.

Wanted: Mundschutzmasken! Aber welche – und wofür?

Mindestens so gross wie die Nachfrage nach Mundschutzmasken ist die damit verbundene Unsicherheit: Welche Maske schützt mich vor dem Virus? Welche meine Mitmenschen? Und was soll ich von den Schutzstufen halten? Im Internet kursieren viele Informationen dazu, doch oft sind diese weder aktuell noch aufschlussreich. Grundsätzlich gibt es drei Maskentypen: Hygienemasken, Atemschutzmasken und selbst hergestellte Masken. Atemschutzmasken nennt man im Fachjargon auch «partikelfiltrierende Halbmasken», Hygienemasken auch «Mund-Nasen-Schutzmasken» und selbst hergestellte Masken auch «Community-Masken». Die folgende Illustration zeigt die groben Merkmale von Hygienemasken und Atemschutzmasken. Hier findest du einen ausführlichen Beitrag zum Thema.

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Zu Beginn der Pandemie hatten wir Masken ohne Testresultate und Zertifikate im Sortiment. Zu Recht hagelte es Kritik von unseren Kunden. Wir hatten ausserdem kurzzeitig eine Maske im Angebot, die nicht wie beworben als TypII zertifiziert war, sondern lediglich als TypI. In der Folge mussten wir alle Kunden, die das Produkt gekauft hatten, über den Fehler informieren und als Ersatz Masken mit der korrekten Zertifizierung nachliefern.

Inzwischen hinterlegen wir bei sämtlichen Maskenprodukten in unserem Sortiment die Testdokumente sowie die Zertifikate. Sämtliche Dokumente prüfen wir auf ihre Plausibilität und Richtigkeit, bevor die Masken bei uns in den Shop kommen. Wir stellen fest, dass wir zurzeit einer von ganz wenigen Händlern sind, die mit den Zertifikaten und Tests dermassen streng umgehen. Damit wir sicherstellen können, dass ausschliesslich sichere Produkte zu fairen Preisen bei uns in den Verkauf kommen, bieten wir aktuell übrigens keine Masken über unseren Marktplatz an.

Wichtig: Wir geben keine Empfehlungen für die Verwendung bestimmter Masken-Typen und/oder Schutzstufen ab, weder für den Alltag noch für Gesundheitsberufe. Hierzu verweisen wir aufs Bundesamt für Gesundheit (BAG).

Wilder Western im Mundschutzmarkt

Der Einkauf der Masken ist eine weitere Herausforderung für uns: Mundschutzmasken sind in normalen Zeiten ein Nischenprodukt für uns, sprich die Nachfrage ist gering. Direkte Beziehungen zu vertrauenswürdigen Lieferanten mussten wir also erst aufbauen – und das ging nicht nur uns so. Die Folge: Es ist ein wilder Zwischenhandel entstanden, mit Unternehmen, die gute Verbindungen mit den meist Chinesischen Fabriken haben, sowie mit Frachtunternehmen, die die Ware zügig in die Schweiz bringen können. Neue Zwischenhändler sind wie Pilze aus dem Boden geschossen und machen den alteingesessenen Unternehmen Konkurrenz. Entsprechend gross sind die Unterschiede, was die Professionalität anbelangt: Viele halten ihre Versprechen bezüglich Lieferfristen, Zertifizierungen und Testergebnisse nicht ein. Und die Kommunikation läuft über Kontinente und Sprachbarrieren hinweg.

Besonders kritisch wird es bei den Zertifikaten und Testergebnissen: Während etablierte Hersteller offiziell geprüfte Testergebnisse und Zertifikate vorlegen können, nehmen es viele neue Spieler im Masken-Markt mit solchem Papierkram nicht so genau. Oft weisen sie "nicht ganz offizielle" Dokumente vor, die hiesige Erwartungen natürlich nicht erfüllen. Dazu kommt, dass es je nach Land oder Region verschiedene Standards und Anforderungen gibt. Kein Wunder, kursieren auch viele Produkte mit gefälschten Zertifikaten. Es ist eine Sisyphus-Aufgabe, sich da den Durchblick zu verschaffen. Inzwischen haben wir aber verlässliche Partner gefunden, die mitunter auch Schweizer Spitäler beliefern.

Der Preis fährt Achterbahn

Parallel zur Nachfrage nach Mundschutzmasken sind auch deren Einkaufspreise explodiert. Und nebst den Masken selbst ist auch der Transport deutlich teurer geworden: Die Frachtflugzeuge sind jeweils Wochen im Voraus ausgebucht und die Transporttarife ändern sich im Halbstundentakt. Die Swiss stellt mittlerweile Personentransportflugzeuge für den Transport der Masken zur Verfügung, aber das Angebot ist stark beschränkt. Eine weitere Herausforderung ist, dass China laufend neue Anforderungen an die Produktion (Verpackung, Testing, Export etc.) einführt. Das führt dazu, dass Prozesse immer wieder angepasst werden müssen.

All dies wirkt sich auf den Preis für euch Endkunden aus. Während einige Händler Wucherpreise verlangen, versprechen wir euch, dass wir die Masken in unserem Sortiment zu fairen Preisen verkaufen – und dass wir mit den Produkten keinen zusätzlichen Gewinn erzielen.

Stellt unsere Transparenz auf die Probe

Habt ihr Fragen zu unseren Mundschutzmasken? Fehlt euch bei den Produktinfos eine Angabe? Oder habt ihr einschlägige Erfahrungen beim Maskenkauf gemacht? Dann diskutiert unten mit. Wir werden Fragen, die uns betreffen, transparent und schnell beantworten.

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Alex Hämmerli
Alex Hämmerli
Senior Public Relations Manager, Zürich
Ich bin bei digitec und Galaxus zuständig für den Austausch mit Journalisten und Bloggern. Gute Geschichten sind meine Leidenschaft; deshalb bin ich immer auf dem neusten Stand.

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