Bild: Nimrod Saunders
Bild: Nimrod Saunders

Ein stiller Protest gegen Technologie

Pia Seidel
Zürich, am 20.05.2019
Bilder: Thomas Kunz
Die Kochwerkzeuge der Designerin Amalia Shem Tov sind alles andere als effizient. Sie verzichten auf Spitzentechnologien und verlangsamen bewusst den Zubereitungsprozess des Essens.
Aus der Serie: Slow Design Designer entwerfen absichtlich Dinge, die auf Technik verzichten oder Prozesse verlangsamen. Klingt absurd, soll aber nachhaltig sein und unser Wohlbefinden steigern. In meiner Serie beleuchte ich den Wohntrend «Slow Design» anhand aktueller Beispiele.

Schnell ist nicht immer gut. Fast Food macht mich dick und Fast Fashion geht nach einigem Tragen kaputt. Slow Food – eine Bewegung, die traditionelles Kochen zelebriert – hingegen tut mir gut. Auch Slow Music und -Dances machen mich glücklich. Mit Ende zwanzig wohne ich zum ersten Mal allein und möchte, dass jede Neuanschaffung langlebig ist. Vorbei sind die Tage, in denen mich ein kurzer Besuch bei einer amerikanischen Burger-Kette oder bei einem schwedischen Textilunternehmen mit Glück erfüllten.

Umso mehr interessiert mich, was es mit dem Begriff und Trend «Slow Design» auf sich hat. Als ambitionierte Inneneinrichterin stolper ich zunehmend darüber, zuletzt bei der Mailänder Designwoche: Auf der Ausstellung «Ventura Futura» habe ich die schönen Küchenutensilien von der Designerin Amalia Shem Tov gesehen. Sie fallen auf, weil sie aus rohem Stein sind und ohne Technik auskommen. Sie sind Teil der Kollektion namens «Roots», die im Zeichen des Slow-Design-Trends steht.

Langsam in der Kreation und im Konsum

Gestalter, die den Slow-Design-Ansatz verfolgen, gehen auf kulturelle und ökologische Bedürfnisse ein. Sie sind in der Kreation etwas langsamer als andere, aber das nur, weil sie alles richtig machen wollen. Im Designprozess wird grösstenteils über den Umwelteinfluss eines Produktes entschieden. Deswegen achten Slow Designer besonders auf Material, Regionalität und den Lebenszyklus ihrer Entwürfe.

Zurück zum Ursprung

Mörser und Stössel zum Mahlen von Gewürzen und Kräutern.
Mörser und Stössel zum Mahlen von Gewürzen und Kräutern.
Mühlstein zum Mahlen von Weizen, Getreide und Bohnen.
Mühlstein zum Mahlen von Weizen, Getreide und Bohnen.

Die antiken Kochwerkzeuge der israelischen Designerin bremsen uns aus. Nicht nur, weil sie aus einem fast vergessenen Material im Küchenutensilien-Bereich – Stein – bestehen, sondern auch, weil sie ohne Stromzufuhr auskommen. Passend zur Slow-Food-Bewegung, die regionales und bewusstes Essen feiert, sollen ihre ihre Entwürfe die Freude am Moment und der Zubereitung von Speisen fördern. Auch erinnern sie an vergangene, primitive Zeiten.

Die Kollektion besteht aus Mühlstein, Mörser und Pistill sowie Backsteinen zum Erhitzen. Alle Geräte benötigen unsere physische Kraft. Das Material ist ein Rohstoff aus der Region Tel Aviv. Der Stein ist im Unterschied zu Kunststoff, der bei Küchengeräten oft zum Einsatz kommt, nachhaltig.

Heisse Steine zum Kochen, Backen und Erwärmen von Speisen.
Heisse Steine zum Kochen, Backen und Erwärmen von Speisen.

Unsinnig aber sinnlich

Was bewegt eine Jungdesignerin in meinem Alter dazu, bewusst ineffiziente Produkte herzustellen? In Mailand wusste ich noch nicht, wie ich die Frage beantworten soll. Heute schon. Als Millennial bin ich sozial vernetzt und äusserst mobil. Bei all der schnelllebigen Technologie um mich herum tut mir alles gut, was entschleunigt. Kochen kommt bei mir im Alltag viel zu kurz. Dabei würde es mir gut tun, einen Moment innezuhalten.

Die Küchenwerkzeuge setzen genau hier an: Sie strahlen Ruhe aus. Mit ihnen können wir die wertvolle Zubereitungszeit hinauszögern und möglichst lange ausnutzen. Sobald die Kollektion erhältlich ist, teste ich sie gerne. Bis dahin lese ich mehr über «Slow»-Trends und probiere ein anderes, uraltes Handwerk aus: das Brotbacken.

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Zu allen herkömmlichen Küchengeräten

Was meinst du?

Würdest du die «ineffizienten» Küchengeräte testen?

  • Ja, ich möchte am liebsten den ganzen Tag Essen zubereiten.
    68%
  • Nein, ich bleibe lieber bei den herkömmlichen Küchengeräten.
    31%

Der Wettbewerb ist inzwischen beendet.

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Pia Seidel
Pia Seidel
Teamleader Editorial Galaxus, Zürich

Es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles ein Wunder. Ich glaube an Letzteres. – Albert Einstein


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