Dieses Projekt erschliesst ein neues Terrain in der Keramik
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Dieses Projekt erschliesst ein neues Terrain in der Keramik

Pia Seidel
Zürich, am 15.07.2019
Haare sehe ich nur gerne an Köpfen. Bei der Keramikserie «Liaison» von Céline Arnould überlege ich es mir aber noch einmal anders: In ihren Gefässen verstecken sich Überbleibsel aus dem Friseursalon, innovative Designstrategien und jede Menge Persönlichkeit.

Wenn ich ein Haar auf dem Boden oder in der Nähe meines Tellers sehe, stellen sich mir unwillkürlich meine Körperhaare auf. Und dennoch bleibt dieser Reflex aus, wenn ich die Kreationen der Designerin Céline Arnould sehe. Ihre Gefässe bestehen aus Haaren sowie Porzellan und sind so schön, dass ich mir die fremden Haare auf dem Esstisch als Obstschale wünsche.

Die Schalen sind Teil der Porzellankollektion «Liaison». Sie waren vor kurzem an der Zürcher Hochschule der Künste im Rahmen der Diplomausstellungen 2019 zu sehen. Die Bachelorarbeit von der Jungdesignerin gehört zum Studiengang «Trends and Identity» und gilt als gutes Beispiel für experimentelles Design. Sie verbindet handwerkliches Wissen aus dem Friseur- und Keramikbereich.

Wenn Frisuren nicht nur auf dem Kopf sind

Die Schalen sind die Negativform einer Frisur.
Die Schalen sind die Negativform einer Frisur.
Sie entstehen aus frisch geschnittenen Haaren.
Sie entstehen aus frisch geschnittenen Haaren.

Céline Arnould hat sich für ihr Projekt mit einem Friseursalon zusammengetan. Jedes der farbenfrohen Gefässe wurde aus Schnitthaaren einer Person und Porzellan geformt. Weil Haare saugfähig sind, dienen sie als Grundgerüst im Formungsprozess der Schalen. «Das Volumen der Gefässe entsteht durch luftgefüllte Ringe, auf die das in Porzellan getunkte Haar zum Aushärten gelegt wird», beschreibt Céline. Die Ringe werden nach dem Trocknen entfernt und die haarige Keramikmasse kommt in den Ofen. Dort brennt die «Frisur» und hinterlässt einzigartige Abdrücke. Einen Einblick in den Entstehungsprozess erhältst du im Video.

Design wird persönlicher

Das, was Objekte bedeutungsvoll für uns machen kann, ist ein persönlicher Bezug. Deswegen begeben sich Designer wie Céline Arnould immer häufiger in neue Gewässer und wenden experimentelle Designstrategien an. Sie arbeiten mit anderen Industrien zusammen und wollen so wertige Produkte schaffen. «Durch die Assoziation mit unterschiedlichen Bedeutungen werden Schnitthaare zu einem spannenden Werkstoff, der die Keramik zu einem emotional aufgeladenen Träger macht. Sie kann zum Freundschaftsbeweis, Andachts- oder Trauerobjekt werden.»

Céline ist mit ihrem Wunsch nach persönlichem Design nicht allein: Auf der Suche nach wertvollen und nachhaltigen Werkstoffen, ist auch die «Bacteria Lamp» von Jan Klingler entstanden. Vor Kurzem traf ich den Industriedesigner für ein Interview in Mailand. Er verwendet auf Harzplatten gezüchtete Bakterienkulturen, um damit LED-Lampen aufzuhübschen.

Jan Klingler macht *aus deinen Bakterien eine Lampe**
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Jan Klingler macht aus deinen Bakterien eine Lampe

Kaum zurück aus Mailand, stosse ich auch hierzulande auf die Céline's Designobjekte, die aus «menschlichen» Werkstoffen bestehen. Ob es diese haarigen Keramikgefässe wohl zum neuesten Dekotrend schaffen werden?

«Liaison»

Würdest du dein Zuhause mit Haaren dekorieren?

  • Klar, wenn die Keramik so farbenfroh daherkommt.
    27%
  • Ich sehe Frisuren lieber auf dem Kopf als auf dem Esstisch.
    72%

Der Wettbewerb ist inzwischen beendet.

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Pia Seidel
Pia Seidel
Teamleader Editorial Galaxus, Zürich
Als Design Cheerleader gehe ich aufmerksam durch die Welt und konsumiere Kunst, Design und Mode wie Süssigkeiten. Besonders liebe ich es auf Reisen in die Magie neuer Orte einzutauchen sowie Trends auf Messen oder den Strassen aufzuspüren. Im Alltag erfreue ich mich an der Gestaltung meiner eigenen vier Wände und Podcasts.

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