Bonfire von Solo Stove im Test: Lagerfeuer für Besserverdienende

Bonfire von Solo Stove im Test: Lagerfeuer für Besserverdienende

Martin Jungfer
Zürich, am 14.09.2021
Irgendwo zwischen Finnenkerze und Feuerschale sucht sich die Feuerstelle «Bonfire» von Solo Stove eine Marktlücke. Ein patentiertes Prinzip bei der Verbrennung soll stilvolle Abende ohne Qualm garantieren.

Gasgrills in Kleinwagengrösse stehen heute als Statussymbol auf Balkone und in Agglo-Gärten. Doch nicht jedermann – ja, meistens kaufen Männer solche Gerätschaften – braucht so ein Teil, bei dem ein Grillrost Platz für eine halbe Kuh bietet. Die Klimakrise grüsst ja schon ziemlich unfreundlich. Wie wäre es deshalb mit etwas anderem, um die archaische männliche Lust am Feuermachen zu befriedigen?

Da könnte der «Bonfire» passen. Ich durfte ein Exemplar ausprobieren. Für Eilige: Das Fazit meines Tests findest du am Ende des Textes.

Der erste Eindruck

Optisch macht der «Bonfire» definitiv etwas her. Er sieht aus wie eine Mischung aus einem Stück Lüftungsrohr und einem viel zu gross gewordenen, edlen Weinkühler. Und weil ich beim Namen des Herstellers kurz irritiert war, hier etwas Aufklärung, falls du einen ähnlichen Gedanken hattest: Solo Stove hat nichts mit der Designer-Marke Eva Solo zu tun. Die verkauft zwar auch sehr schöne Feuerschalen mit Grill, wie diesen. Während hinter Eva Solo allerdings nordisch-dänisches Design steckt, kommt Solo Stove aus dem Land, in dem Lagerfeuer einst Cowboys wärmten, den USA, genauer Texas.

Im Karton gibt es drei Teile:

  • eine rund neun Kilogramm schwere Stahlform fürs Lagerfeuer,
  • einen Ring mit Löchern als Standfuss,
  • einen weiteren Ring, den man oben einsetzt.

Da genügt ein kurzer Blick in die sehr einfache Anleitung, und das Ding ist richtig zusammengesetzt.

Alles ist parat zum ersten Anfeuern.
Alles ist parat zum ersten Anfeuern.

Das erste Feuer

In unserem Garten gibt es mit einem kleinen Kiesplatz die perfekte Stelle für ein erstes Anfeuern des «Bonfire». Laut Anleitung soll er geradestehen und nicht in der Nähe von brennbaren Gegenständen. Passt. Dank seiner fast 50 Zentimeter Aussendurchmesser passen Standardscheite mit 33 Zentimeter Länge gut hinein. Vorher braucht’s Zweige, Äste, Holzspäne, trockene Tannenzapfen und Ähnliches zum Anfeuern. Erst danach kommen die grossen Stücke Buche und Eiche in die Tonne.

Nach etwa einer halben Stunde hat sich ein sehr schön brennendes Feuer entwickelt. Zum Nachlegen weiterer Stücke Holz bin ich froh, dass ich für den Test noch ein Zubehör-Set erhalten habe.

Mit der grossen Zange kann ich das nächste Scheit ins Feuer legen. Gut, wirst du jetzt vielleicht denken, auf die Art Feuer zu machen, das können die Jungs in der Bronx in alten Ölfässern oder Mülltonnen auch.

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Im Jahr 2021 aber kaufst du dir eine Feuerstelle nur, wenn sie mindestens «innovativ» und «stilvoll designt» ist. Also, Der «Bonfire» verspricht dank «Signature 360° Airflow Design» eine «effiziente Sekundärverbrennung» (Zitate aus der Produktbeschreibung). Was heisst das auf gut Deutsch? Der «Bonfire» hat zwei Stahlwände. Zwischen diesen beiden kann dank ringförmigen Löchern unten und oben Luft zirkulieren. Kühlere Luft wird unten angesaugt, auf ihrem Weg hoch wird sie wärmer und tritt oben wieder aus. So entsteht weniger Qualm beim Verbrennen.

Du solltest dich übrigens nicht verführen lassen, den «Bonfire» in Betrieb anfassen zu wollen. Auch der doppelte Stahlmantel wird heiss genug, dass du dir problemlos die Finger verbrennen kannst. Hab’s für dich getestet.

Weniger heiss wird dagegen der Standring. Ihn kannst du im Prinzip auch auf ein Holzdeck stellen, ohne dass die Hitze im wahrsten Sinne des Wortes bleibende Eindrücke hinterlassen sollte. Wenn du den «Bonfire» länger in Betrieb hast, würde ich trotzdem lieber noch etwas unterlegen, z.B. ein Brett, Terrassenplatten oder einige Backsteine.

Lagerfeuer-Romantik dank Zubehör

Keine Frage, so ein Feuer hat etwas Heimeliges. Auch, wenn du nicht gleich mit Freunden singend zum Gitarrenspiel darum sitzt. Es wärmt, es ist gemütlich, es verlängert die Draussen-Zeit bis in den Herbst. Für Beschäftigung kannst du sorgen, wenn du die Spiesse aus Metall aus dem Zubehör-Set zur Hand nimmst. Da passen Marshmallows drauf oder auch ein Cervelat oder eine Kalbsbratwurst. Natürlich würde da auch ein Holzstecken genügen, doch die Zielgruppe, die Solo Stove im Blick hat, ist aus dem Alter meistens raus.

Apropos Zubehör. Im Lieferumfang des «Bonfire» ist eine Nylon-Tragetasche enthalten. Darin verpackt, kannst du sie gut in Garage oder Keller verräumen. Oder du platzierst sie neben dem in ähnlicher Optik abgedeckten Grill.

Ein weiteres sinnvolles Zubehör, das du extra kaufen musst, ist ein Deckel. Der ist besonders praktisch, wenn Regen droht. Du solltest nämlich vermeiden, dass es in deinen wertvollen Lagerfeuer-Topf hineinregnet. Wasser und die Asche können ein Zement-artiges Gemisch bilden, das dir den «Airflow» zwischen den Metallwänden zerstört.

Der Deckel schützt den «Bonfire» dann, wenn er noch zu heiss ist, um ihn anzufassen und unter ein Dach zu tragen. Sobald das Feuer heruntergebrannt ist, kannst du die Tonne zudecken, und es regnet nicht hinein.

Am Morgen nach der abendlichen Lagerfeuer-Romantik spätestens ist der «Bonfire» so kalt, dass du ihn leeren kannst. Die Menge Asche unter dem Gitterrost war in meinem Test erstaunlich gering, was für die gute Verbrennung spricht. Du kannst sie einfach in den Biomüll oder als Dünger in ein Beet leeren. Allerdings verlangen die knapp zehn Kilogramm Gewicht des «Bonfire» dabei schon etwas Muskeleinsatz.

So sieht der «Bonfire» aus, nachdem zum ersten Mal die Asche entleert wurde.
So sieht der «Bonfire» aus, nachdem zum ersten Mal die Asche entleert wurde.

Fazit

Auch ohne Pfadi-Vergangenheit habe ich bereits Feuer in unterschiedlichen Situationen und Gefässen entfacht. Ich habe Holzkohle in aufklappbaren Grills befeuert, ganz profan mit Gas grilliert, im oben erwähnten Eva-Solo-Porzellaneimer Briketts entzündet und natürlich auch im Steinring im Wald die geschichtete Pyramide in Brand gesteckt. Den «Bonfire» ordne ich in die Kategorie des Besserverdiener-Lagerfeuers ein. Mit seinem Design ist er ein schickes Accessoire für den gepflegten Garten oder für die Dachterrasse. Er hat allerdings seinen Preis. Dank der Wärme aus der Tonne kannst du länger auf der Gartenlounge sitzen, ohne dass dein Poloshirt eingeräuchert wird. Qualm ist tatsächlich so gut wie keiner entstanden. Jedoch solltest du einen ordentlichen Holzvorrat zurechtlegen. Denn besonders sparsam verbrennt der «Bonfire» meiner Erfahrung nach nicht. Könnte auch am eher trockenen Holz liegen, das ich verwendet habe.

In freier Wildbahn kannst du den «Bonfire» genauso verwenden. Hier fragt sich nur, wer das 10-Kilo-Teil im Rucksack trägt. Oder ob das stylische Lagerfeuer-Behältnis dann nicht doch mit dem SUV bis zur Grillstelle gefahren wird.

Zu einer ernsthaften Konkurrenz zum Grill – egal ob zu Hause oder unterwegs – dürfte der «Bonfire» nächstes Jahr werden. Dann sollen gemäss dem Schweizer Vertriebspartner die in den USA bereits erhältlichen Grill-Aufsätze auch hierzulande verkauft werden.

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Martin Jungfer
Martin Jungfer

Head of Content, Zürich

Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln.

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