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Aua, mein Ohr!

Sie schleichen sich oftmals nach Erkältungen oder Hallenbadbesuchen an: Ohrenschmerzen. Die Fachärztin Séverine Niederer-Wüst weiss, was du tun musst, wenn deinem Kind die Ohren wehtun.

Séverine Niederer-Wüst ist Partnerin der HNO-Praxis in Gossau und Konsiliarärztin für Oto-Rhino-Laryngologie am Ostschweizer Kinderspital. Im Interview erzählt sie, wann Antibiotika sinnvoll sind und warum übertriebene Ohrenhygiene keine gute Idee ist.

Gerade im Winter klagen viele Kinder über Ohrenschmerzen. Woran erkennt man eine Mittelohrentzündung?
Séverine Niederer-Wüst, HNO-Ärztin: Im Kleinkindesalter sind Mittelohrentzündungen häufig. Bis zum dritten Lebensjahr haben etwa 80 Prozent aller Kinder eine solche Entzündung schon einmal gehabt. Typische Anzeichen sind Fieber und Ohrenschmerzen. Zudem ist das Trommelfell gerötet und vorgewölbt, und manchmal tritt Flüssigkeit aus dem Mittelohr aus. Mittelohrentzündungen treten oft gemeinsam mit einer Erkältung auf.

Wie behandelt man eine Mittelohrentzündung am besten?
Ist das Kind zwei Jahre oder älter und hat weniger als 39 Grad Fieber, lindert man die Beschwerden in den ersten 48 Stunden am besten mit einem entzündungshemmenden Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol. Hat es weiterhin Fieber und Schmerzen, sollte man einen Arzt aufsuchen. Ohrenschmerzen von kleineren Kindern kann man ebenfalls zuerst mit einem Schmerzmittel behandeln. Halten die Beschwerden an, sollte man mit ihnen jedoch schon nach 24 Stunden zum Kinderarzt.

Wann sind Antibiotika notwendig?
Häufig sind Mittelohrentzündungen die Folge eines viralen Infekts. Antibiotika helfen in solchen Fällen nicht. Da man heute weiss, dass eine häufige Einnahme von Antibiotika dem Organismus eher schadet und Resistenzen fördert, verschreiben Ärzte das Medikament deutlich zurückhaltender als früher. Handelt es sich bei der Mittelohrentzündung jedoch um einen bakteriellen Infekt, muss die Entzündung selbstverständlich mit Antibiotika behandelt werden.

Was sind die Folgen, wenn eine Mittelohrentzündung nicht behandelt wird?
Die Entzündung breitet sich im schlimmsten Fall bis in die Knochen oder ins Gehirn aus. Dort kann sie zu einer Mastoiditis oder Meningitis führen, der Entzündung im Warzenfortsatz des Schläfenbeins beziehungsweise der Hirnhaut also. Schwerwiegende Folgen und chronische Ohrenprobleme sind inzwischen glücklicherweise selten. Viele Eltern reagieren heute schneller auf Krankheitsanzeichen ihrer Kinder und gehen häufiger zum Kinderarzt.

Kann man Mittelohrentzündungen vorbeugen?
Nicht wirklich. Mittelohrentzündungen haben viele Ursachen: Sie kommen häufiger im Winter vor, wenn Infekte sowieso Saison haben, aber auch bei Kindern, deren Eltern rauchen und bei Kindern, die in die Krippe gehen. Zudem spielen auch Veranlagung oder die Anatomie der Ohrtrompete eine Rolle. Bei manchen Kindern bleibt nach einer Erkältung ausserdem aus anatomischen Gründen zu lange Flüssigkeit im Mittelohr. Das kann zu einem sogenannten Tubenmittelohrkatarrh führen. Manchmal führt dieser auch dazu, dass das Kind zeitweilig schlechter hört. Kommt es wiederholt zu Entzündungen oder zu einem langandauernden Tubenmittelohrkatarrh, kann zur Belüftung des Mittelohrs operativ ein Paukenröhrchen eingelegt werden.

Häufig klagen Kinder auch nach dem Besuch des Hallenbades über Ohrenschmerzen.
Wenn Kinder nach dem Schwimmen die Ohren wehtun, liegt dies meistens daran, dass etwas Wasser in den Gehörgang geraten ist oder das Kind generell eher empfindliche Ohren hat. In der Regel handelt es sich dabei nicht um eine Mittelohrentzündung.

Welche Hausmittel gibt es gegen Ohrenschmerzen?
Es gibt Eltern, die auf Zwiebel- und Quarkwickel oder auf Dampfbäder schwören. Ich selbst habe keine Erfahrung damit, aber diese Massnahmen schaden auf jeden Fall sicher nicht. Es gibt jedoch auch Hausmittel, die direkt ins Ohr eingeführt werden. In meiner Praxis sehe ich hin und wieder Kinder, deren Ohren zu Hause mit einer Mischung aus Knoblauch und Olivenöl behandelt wurden, da dem Knoblauch entzündungshemmende Wirkung nachgesagt wird. Von solchen Massnahmen rate ich jedoch ab.

Wie sollte man die Ohren der Kinder reinigen?
Das Ohr reinigt sich hauptsächlich von selbst, und Ohrenschmalz schützt den Gehörgang vor Entzündungen. Man sollte Kinderohren deshalb nicht mit Wattestäbchen reinigen, sonst schiebt man den Ohrenschmalz höchstens weiter ins Ohr, und es können sich Pfropfen bilden. Sichtbaren Schmutz am äusseren Ohr kann man hingegen mit einem feuchten Lappen abwischen.

Nicht nur Viren und Bakterien verursachen Ohrenschmerzen. Manchmal sorgt auch ein Legostein, den sich das Kind ins Ohr gesteckt hat, für Besorgnis. Wie reagieren Eltern in einer solchen Situation am besten?
Es kommt tatsächlich relativ häufig vor, dass Kinder sich Perlen, Erbsen oder Legoteile ins Ohr stecken – oder auch in die Nase. Eltern sollten in einer solchen Situation umgehend einen Arzt aufsuchen und nicht selbst versuchen, den Fremdkörper herauszuziehen. Meistens würden sie ihn so nur tiefer hineindrücken. Ist das Kind schon etwas älter und der Fremdkörper steckt in der Nase fest, kann es versuchen, ihn herauszuschneuzen.

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Journalistin und Mutter von zwei Söhnen, beides furchtbar gerne. Mit Mann und Kindern 2014 von Zürich nach Lissabon gezogen. Schreibt ihre Texte im Café und findet auch sonst, dass es das Leben ziemlich gut mit ihr meint.
uemityoker.wordpress.com

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