Hintergrund

Ab in die Sauna: Wie Schwitzen deine Gesundheit fördert

Olivia Leth
22.11.2022

Regelmäßiges Saunieren verlängert das Leben, haben Forschende aus Finnland (woher sonst) herausgefunden. Welche positiven Effekte du aus der Sauna sonst noch mitnehmen kannst, verrät Sportwissenschaftler Dr. Sascha Ketelhut.

Eisbaden lässt dich kalt, aber die Wärme ist deine Freundin? Dann ab in die Sauna! Die bringt dich im besten Fall bei ordentlich Hitze nicht nur zum Schwitzen, sondern kann dich gesünder machen. Dr. Sascha Ketelhut, Sportwissenschaftler an der Universität Bern, forscht selbst seit einigen Jahren zu den positiven Effekten des Saunierens auf unseren Körper. «Besonders die Effekte des Saunierens auf unser Herz-Kreislauf-System sind beeindruckend», beschreibt er seine Studienergebnisse. Ich habe mit ihm über die gesundheitsfördernde Wirkung der Hitzeexposition gesprochen und darüber, wie 2000 finnische Männer in der Sauna zu mehr Vitalität gefunden haben.

Eine Zumutung für den Körper: Saunieren

Saunieren und Therme und Wellness, das gehört zusammen, schließlich nennt ja nicht jeder eine Sauna zuhause sein Eigen. Doch aus medizinischer Sicht heißt es erst einmal runter von der Wellness-Wolke, denn Saunieren ist für den Körper im ersten Moment vor allem eine Belastung. Wie im Eisbad muss der Körper den ersten, akuten Schreck überstehen. Dr. Ketelhut erklärt: «Das Saunieren stellt akut einen Stressor für unseren Körper dar. Es kommt zu einer Reaktion des Herz-Kreislauf-Systems, Stresshormone werden ausgeschüttet, Herzfrequenz und Blutdruck steigen an.»

Jedoch: Genau wie beim Sport, der den gleichen Effekt hat, stellen sich nach dieser akuten Stresssituation viele positive Effekte ein. Die treten bereits bei einmaliger Belastung auf, manifestieren sich aber langfristig erst bei regelmäßiger Wiederholung, sagt der Experte.

Saunieren: Positive Effekte auf Blutdruck und Herz-Kreislauf-System

Eine Langzeitstudie aus Finnland – dem Land, das die Sauna groß gemacht hat – lässt aufhorchen: Wer regelmäßig und oft in die Sauna geht, lebt länger. Die Forschenden der Universität Ostfinnland untersuchten über einen Zeitraum von 21 Jahren den Gesundheitszustand von 2315 Männern in drei Gruppen: Ein Saunagang pro Woche, zwei bis drei Saunagänge pro Woche und schließlich vier bis sieben Saunagänge pro Woche. Im Fachmagazin Jama International Medicine, sind ihre einschlägigen Ergebnisse nachzulesen: Die Gruppe, die bis zu sieben Mal wöchentlich in die Sauna ging, hatte ein um 63 Prozent reduziertes Risiko eines plötzlichen Herztodes. Das Team von «Medizin Transparent» bestätigt die Ergebnisse zumindest teilweise: Ein längeres Leben durch Saunieren sei zwar durchaus möglich, unklar sei bei genauerem Hinsehen aber, ob nicht soziökonomische Faktoren wie Bildung und Einkommen hinter der geringeren Mortalität stünden. Hinzu kommt: Man weiß nicht, ob bzw. inwieweit die Effekte auf Frauen übertragbar sind.

Auch für Menschen mit einer Herzschwäche ist Saunieren gesund. So wirke sich die Belastung in der Sauna, vorsichtig genossen, positiv auf die Herzfunktion der untersuchten Patientinnen und Patienten aus. Das zeigt eine Publikation im Fachblatt Experimental & Clinical Cardiology. Darin heißt es: «Wiederholtes Saunieren (bei 60°C für 15 Minuten) verbessert klinische Symptome, Herzfunktion und vaskuläre Gefäßfunktionen bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz.»

Nicht nur auf die Herzfunktion, auch auf den Blutdruck habe das Saunieren einen durchwegs positiven Einfluss. Das zeigen Studienergebnisse von Dr. Ketelhut selbst. Der Blutdruck steige zwar im ersten Moment an, sinke danach aber deutlich ab. «Ist der akute Stress erstmal vorbei, weiten sich die Gefäße und der Blutdruck sinkt.» Die Effekte des Saunierens auf Herzfrequenz und Blutdruck entspricht Dr. Ketelhuts Studie zufolge dem Ausmaß moderater Bewegung zwischen 60 und 100 Watt. Das Training ersparst du dir dadurch aber nicht, lenkt Dr. Ketelhut ein: «Beim Saunieren verbrauchen wir nicht viel Energie und es kommt auch zu keinen Muskelkontraktionen.» Saunieren sei daher keine Alternative zum Sport, aber eine gute Ergänzung.

Sauna als Booster für das Immunsystem

Auch die Auswirkungen des Saunierens auf das Immunsystem sind eindeutig. So unterstützt regelmäßiges Saunieren die natürlichen Immun-Funktionen und trägt zu einem ausgeglichenen Immunsystem bei. «Menschen, die regelmäßig in die Sauna gehen, sind weniger oft krank, haben ein geringeres Risiko für Lungenentzündungen und eine bessere Lungenfunktion», sagt der Sportwissenschaftler. Der Körper reagiere mit der Ausschüttung weißer Blutkörperchen, den Leukozyten, die im Körper für die Abwehr von Krankheitserregern zuständig sind. Die positiven Effekte des Saunierens auf das Immunsystem nutzten bereits finnische Soldaten während des Zweiten Weltkrieges, wie in einer Publikation des «Vesalius Journals» nachzulesen ist. Um sich vor Typhus zu schützen, setzten die Soldaten damals auf regelmäßiges Saunieren und verhinderten dadurch die Ausbreitung der Krankheit innerhalb der Armee.

Ab in die Sauna bei chronischen Erkrankungen

Ob Rheuma, Schuppenflechte, Diabetes: Saunieren kann auch den Verlauf mancher chronischer Erkrankungen positiv beeinflussen. «Vielen chronischen Krankheiten liegen Entzündungen zugrunde. Die Sauna hemmt diese Entzündungsprozesse und reguliert den Wasserhaushalt», sagt Experte Ketelhut. Im Medical Tribune wird ein anderer positiver Einfluss auf chronische Krankheiten beschrieben: Beim Saunieren wird die Durchblutung von Muskeln, Sehnen, Bändern und Gelenken angekurbelt, wodurch sich die Muskulatur lockert und eine Schmerzlinderung eintritt.

Vorsicht bei akuten Infekten und Vorerkrankungen

Leider ist die Sauna aber nicht für alle geeignet. «Menschen mit akuten Herz-Kreislauf-Ereignissen, mit Herzrhythmus-Störungen, akuten Infekten und Fiebererkrankungen rate ich vom Saunieren ab», sagt Dr. Ketelhut. Generell sollte man bei unkontrollierten Erkrankungen, die noch nicht medizinisch abgeklärt sind, vorsichtig sein. Auch Menschen mit Vorerkrankungen sollten sich vor dem Saunagang mit einem Arzt oder einer Ärztin absprechen.

Ähnliches gilt für Menschen mit Bluthochdruck: Wer daran leidet und zusätzlich keinen regelmäßigen Sport betreibt und auch die Sauna nicht gewöhnt ist, sollte vorab mit einem Arzt oder einer Ärztin sprechen und eventuell ein Belastungs-EKG vornehmen lassen.

Weil die Sauna eine Stresssituation für das Herz-Kreislauf-System darstellt, gibt es wichtige Alarmsignale des Körpers, auf die du in der Sauna achten solltest. Bei akutem Schwindel und Unwohlsein die Sauna sofort verlassen. Wichtig ist, das nicht überstürzt zu tun, sondern dich langsam und kontrolliert abzukühlen. Und: Bei allen Lobgesängen an die Sauna solltest du immer darauf achten, deinem Körper Pausen zur Regeneration zu geben. Erst dann können sich positive Effekten manifestieren.

Was es beim Einstieg ins Saunieren zu beachten gibt

Wer das regelmäßige Saunieren nicht gewöhnt ist, für den stellt die Hitze oftmals eine erhebliche Belastung dar. Deshalb: Um das Saunieren erfolgreich in den Alltag zu integrieren, rät Dr. Ketelhut Einsteigerinnen und Einsteigern erst einmal zum Dampfbad. «Die Belastung fällt geringer aus, je niedriger die Temperatur ist. So kann man sich herantasten.» Wer im Dampfbad moderatere Hitze gut verträgt, kann in die Sauna wechseln. Dort lässt sich dann die Belastung für das Herz-Kreislauf-System ebenfalls kontrollieren – über die Aufenthaltsdauer: «Die ersten Saunagänge können auch erstmal nur fünf Minuten lang sein, um den Körper an die Hitze zu gewöhnen.»

Grundsätzlich, sagt Experte Ketelhut, ist Saunieren eine durchwegs positive und wenig risikoreiche Maßnahme für mehr Gesundheit im Alltag. Die Beanspruchung des Herz-Kreislauf-Systems entspreche zwar einer moderaten körperlichen Belastung, trotzdem sei das Risiko sehr gering, den Körper nachhaltig zu überlasten. «Meistens sind die Anforderungen des Alltags anspruchsvoller als die Sauna.»

Titelbild: unsplash.com/huum

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Olivia Leth
Autorin von customize mediahouse

Ich liebe blumige Formulierungen und sinnbildliche Sprache. Kluge Metaphern sind mein Kryptonit, auch wenn es manchmal besser ist, einfach auf den Punkt zu kommen. Alle meine Texte werden von meinen Katzen redigiert: Das ist keine Metapher, sondern ich glaube «Vermenschlichung des Haustiers». Abseits des Schreibtisches gehe ich gerne wandern, musiziere am Lagerfeuer oder schleppe meinen müden Körper zum Sport oder manchmal auch auf eine Party. 


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