Hintergrund

Ab April ist Tagfahrlicht am E-Bike Pflicht – weil es mehr Sicherheit verspricht

Michael Restin
02.03.2022

Bessere Sichtbarkeit führt zu erhöhter Sicherheit. Dieser Logik folgend müssen E-Bikes ab dem 1. April 2022 auch tagsüber mit eingeschaltetem Frontlicht unterwegs sein. Studien legen nahe, dass die Massnahme effektiv ist.

Mit dem Frühling kommt eine neue Regel, die alle E-Bike-Fahrenden betrifft: Egal ob du mit dem City-Modell zum Einkaufen oder dem E-MTB auf Trails fährst – ab dem 1. April 2022 musst du auch tagsüber das Frontlicht einschalten. Dieses Licht darf nicht am Helm oder der Kleidung befestigt, sondern muss fest angebracht und ruhend sein. Sprich: Es darf nicht blinken und muss sich am Bike befinden. Anstecklichter sind in Ordnung. Es gilt nach wie vor, was in der Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge (VTS) festgeschrieben ist: Das Licht (vorne weiss, hinten rot) muss nachts bei guter Witterung auf 100 m sichtbar sein und darf nicht blenden. Bei schnellen E-Bikes bis 45 km/h, die als Kleinkrafträder gelten, muss diese Beleuchtung typengenehmigt sein. Diese Modelle sind in der Regel beim Kauf entsprechend ausgerüstet. Generell geht der Trend bei strassentauglichen E-Bikes zur Vollausstattung.

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Vermutlich hast du also schon, was es braucht, um regelkonform unterwegs zu sein. Du musst nur daran denken, das Licht künftig immer einzuschalten. Um dem Gesetz Folge zu leisten, reicht es tagsüber, wenn das Frontlicht leuchtet. Das Bundesamt für Strassen ASTRA empfiehlt aber, immer mit Vorder- und Rücklicht zu fahren. Wenn schon, denn schon. Selbst mit Akkuleuchten ist das leicht umzusetzen. Es gibt Modelle, die sich paaren und gemeinsam einschalten lassen. Wirst du ohne Tagfahrlicht angehalten, droht künftig eine Busse von 20 Franken. Das sind die Fakten, die der Bundesrat mit Blick auf die boomenden E-Bikes und die entsprechend steigenden Unfallzahlen geschaffen hat.

Abnehmbare Lichter nachzurüsten ist erlaubt – solange der Akku nicht aufgibt.
Abnehmbare Lichter nachzurüsten ist erlaubt – solange der Akku nicht aufgibt.

Was das Tagfahrlicht bringen könnte

Ob die kleine Änderung grosse Auswirkungen hat, muss die Praxis zeigen. Dass sie bei E-Mountainbiker:innen auf Gegenliebe stösst, die bei strahlendem Sonnenschein auf einsamen Trails unterwegs sind, bezweifle ich. Da könnte man tatsächlich die Sinnfrage stellen, denn die Regel zielt vor allem auf den Strassenverkehr und das Kollisionsrisiko. Es ist anzunehmen, dass die Unfallzahlen mit Velofahrenden noch deutlich höher sind als offiziell erfasst. Viele Stürze gehen zum Glück relativ glimpflich aus. Eine Studie aus Belgien hat beispielsweise gut 1000 berufspendelnde Biker:innen befragt und kam zum Ergebnis, dass nur bei 7 Prozent aller Unfälle die Polizei involviert war, bei 10 Prozent eine Behandlung im Spital erfolgte und bei 30 Prozent eine Versicherung eingeschaltet wurde. Oft heisst es nach einem leichten Crash: Durchatmen und weiterfahren. Sicher ist, dass das Gesundheitsrisiko im Verkehr auf dem Velo vergleichsweise hoch ist. Da sind einfach umsetzbare Massnahmen, die zu mehr Sicherheit beitragen, natürlich willkommen.

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Beim Auto hatte die Lichtpflicht zur Folge, dass es weniger Unfälle mit mehreren involvierten Fahrzeugen gab. Oft ist von einer Reduktion von 5-10 Prozent die Rede. Ein Effekt, der natürlich nicht exklusiv bei Autos zu beobachten ist. Dänische Forschende haben ihn ebenso fürs Velo nachgewiesen: Ihre 1845 Bikerinnen und Biker mit permanenter Beleuchtung meldeten im Laufe eines Jahres deutlich weniger Unfälle als die 2000 aus der Kontrollgruppe, die ohne Tagfahrlicht fuhr. Das Risiko, sich bei einem Unfall mit anderen Verkehrsteilnehmer:innen zu verletzen, war ganze 47 Prozent geringer. Wie man die Zahlen auch dreht und wendet: Zu allen Jahres- und Tages- und Nachtzeiten war ihre Unfallwahrscheinlichkeit mit anderen Verkehrsteilnehmer:innen niedriger. Speziell aber bei Tageslicht.

Umfrage

Was hältst du vom verpflichtenden Tagfahrlicht für E-Bikes?

  • Generell eine sinnvolle Regel.
    36%
  • Die Regel sollte nur im Strassenverkehr gelten.
    37%
  • Die Regel bringt nichts.
    26%

Der Wettbewerb ist inzwischen beendet.

Eine andere Möglichkeit, die Sichtbarkeit zu erhöhen, wurde ebenfalls untersucht: In einem weiteren Setting mit 6800 Freiwilligen trug eine Gruppe Leuchtwesten und durfte sich über ein um 38 Prozent geringeres Unfallrisiko freuen. Allerdings legten die Teilnehmer:innen das Teil nur bei 77 Prozent aller Fahrten auch wirklich an, obwohl sie sich freiwillig an der Untersuchung beteiligten. Entsprechend schlussfolgern die Forschenden, dass es wahrscheinlich schwierig sei, die Leute dazu zu bringen, sich freiwillig entsprechende Kleidung anzuziehen. Dagegen ist Dauerlicht bequem und die Umsetzung kein Problem: Moderne LEDs und der bei E-Bikes ohnehin vorhandene Akku machen es möglich.

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Sportwissenschaftler, Hochleistungspapi und Homeofficer im Dienste Ihrer Majestät der Schildkröte.


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