Zwei Jahre auf Skinners: Ein Re-Review
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Zwei Jahre auf Skinners: Ein Re-Review

Michael Restin
Zürich, am 11.07.2020
Ich bin es gewohnt, mich für meine seltsamen Treter zu rechtfertigen. Die «Skinners» sind ein Fall für sich – sie passen in keine gängige Schublade und ersetzen doch meinen halben Schuhschrank.

Ja, schon klar. Es sieht so aus, als hätte ich meine Schuhe vergessen. Den Spruch habe ich oft genug gehört. Und natürlich fühlt es sich auch fast so an, ich spüre jeden Stein unter den Füssen. Seit knapp zwei Jahren bin ich regelmässig mit «Skinners» statt «richtigen Schuhen» unterwegs, wenn ich nicht direkt barfuss laufe. Oben bestehen sie aus dicken Socken, unten schützt eine dünne Sohle, die sich über Fersen und Zehen zieht und extrem widerstandsfähig ist. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. Das ist schon ziemlich viel und längst nicht alles, was ich an diesen Minimalschuhen mag. Dass ich sie so oft tragen werde, hätte ich vor zwei Jahren nicht gedacht.

*O Sohle mio:** Sieben Tage auf Skinners
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 Nicht unzerstörbar, aber sehr robust

Scherben, Steine, scharfe Kanten – ich bin mit den Skinners über so ziemlich alles gelaufen, was mir in den Weg kam. Beim Joggen, Klettern, Fussballspielen oder Paddeln hatte ich sie genauso selbstverständlich an wie im Fitnessstudio und auf dem Velo. Die Liste liesse sich beliebig verlängern. Meinem Gang und meinen Gelenken tut das Laufen in Minimalschuhen gut. Deshalb sind die Skinners für mich mehr als ein Backup im Rucksack und ich habe etliche Kilometer damit abgespult. Während die seltsam anmutenden Sohlen zu Beginn eine krümelige Angelegenheit waren, sind sie heute an den stark belasteten Stellen zu einer rauen, griffigen Fläche verschmolzen. Diese ist nicht besonders dehnbar, dafür robuster, als ich anfangs erwartet hätte.

An zwei kleinen Stellen in der Bildmitte ist die Sohle inzwischen durchgelaufen.
An zwei kleinen Stellen in der Bildmitte ist die Sohle inzwischen durchgelaufen.

Ich muss schon genau hinsehen, um erste Schäden zu erkennen. An zwei kleinen Stellen des linken Skinners scheint langsam die Socke durch. Rechts ist noch kein Riss, kein Loch, kein Problem zu auszumachen. Das Obermaterial ist nach wie vor in einem super Zustand, nur das aufgestickte Logo zieht inzwischen ein paar Fäden.

Obwohl ich die Waschanweisungen regelmässig ignoriert und die Skinners weder auf links gezogen noch mit Wäschebeutel in die Maschine geworfen habe, löst sich nichts Relevantes auf. Ein Produkt ohne heikle Klebstoffe oder Nähte, das frei von giftigen Weichmachern ist, in Tschechien hergestellt wird und bei intensiver Outdoor-Nutzung zwei bis drei Jahre lang hält – da habe ich nichts zu meckern. Das Material und die Verarbeitung finde ich ziemlich genial.

Das Logo ist etwas ausgefranst, die Socke tadellos erhalten.
Das Logo ist etwas ausgefranst, die Socke tadellos erhalten.

Ja, sie stinken

Wenn du längere Zeit barfuss in den Skinners steckst, dann riechst du das im Anschluss. Da bewirken auch die verarbeiteten Silberfäden kein Wunder. Sie sollen eine antibakterielle Wirkung haben. Das bringt wenig, solange du barfuss auf einer Gummischicht stehst. Stinkende Füsse und Schuhe hast du aber auch, wenn du ohne Socken in Sneaker steigst. Und selbst mit Sportsocken bekommst du in Schuhen früher oder später ein Geruchsproblem.

Ich kann, was die Skinners betrifft, gut damit leben. Denn die Pflege ist unkompliziert. Während bei Sportschuhen das Waschen, Einsprühen oder mit Duftsäckchen ausstopfen mühsam und teuer ist, fliegen die Skinners einfach mit der normalen Wäsche in die Maschine. Danach sind sie frisch wie ein Paar Socken und nach wenigen Stunden wieder trocken. Socken sind auch das Stichwort, wenn es um den Komfort geht: Sobald du zusätzlich welche trägst, sind die Skinners deutlich bequemer. Wenn ich über Schotterwege mit spitzen Steinen laufe, schiebe ich ausserdem Einlegesohlen rein. Sie dämpfen ein wenig, nehmen Schweiss auf und können ebenfalls gewaschen werden.

Mehr Komfort, weniger Fussschweiss: Socken oder eine dünne Einlegesohle sind angenehm.
Mehr Komfort, weniger Fussschweiss: Socken oder eine dünne Einlegesohle sind angenehm.

Workout, Wasser, was auch immer

Mit Neoprenschuhen würde ich nicht ins Fitnessstudio gehen. Und mit Socken nicht ins Wasser. Die Skinners taugen für beide Gelegenheiten und noch einige mehr. Wenn ich unterwegs bin, kommen sie ins Gepäck und ich spare mir dafür ein Paar Schuhe. Und wenn ich barfuss rausgehe, habe ich sie für alle Fälle dabei. Wasserdicht sind sie allerdings nur unten. Eine nasse Wiese reicht, um dir feuchte Füsse zu bescheren. Bei mir dringt inzwischen auch Wasser durch die Sohle ein. Gummistiefel ersetzen sie ganz sicher nicht. Dafür haben sie sich auf dem SUP bewährt und der Grip ist auf allen Untergründen gut.

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Familie Skinner

Routinierte Eltern haben für alle relevanten Kleidungsstücke Ersatz dabei. Da ich die Skinners selbst gerne trage, habe ich auch die Kinder damit ausgestattet. Die Finken sind schnell an- und abgezogen, decken zwei bis drei Schuhgrössen ab und sind zumindest als Backup auf Ausflügen im Gepäck oder kommen als Wasserschuhe zum Einsatz. Der Socken sitzt schon am unteren Ende des Grössenbereichs gut und wo kein Fussbett ist, kann der Fuss auch nicht falsch unterstützt werden.

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Fazit

Mit den Skinners kaufst du keinen Schuh. Nur hochwertige Socken, die deine Fusssohle und die Zehen schützen. Das fühlt sich gewöhnungsbedürftig an und ist es auch. Meinen Bedürfnissen und Erwartungen entsprechen sie voll. Die sind natürlich individuell. Aber die Qualität stimmt generell. Die Skinners machen fast alles mit und sind nach einer Wäsche so gut wie neu, falls sie mal zum Himmel stinken. Für mich ersetzen sie einen halben Schuhschrank voller Spezialtreter. Einen Sommer im Dauereinsatz gebe ich meinem Paar noch, dann müssen neue her. Wenn du sie weniger intensiv nutzt, geht da noch mehr. Die Skinners haben ihren Preis. Ich halte ihn für gerechtfertigt, weil dieses minimalistische Produkt maximal gut gemacht ist.

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Michael Restin
Michael Restin
Editor, Zürich
Sportwissenschaftler, Hochleistungspapi und Homeofficer im Dienste Ihrer Majestät der Schildkröte.

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