Xiaomi Mi 11 im Test: Großes Top-Smartphone mit drei Kameras

Xiaomi Mi 11 im Test: Großes Top-Smartphone mit drei Kameras

Jan Johannsen
Jan Johannsen
Hamburg, am 29.03.2021
Das Xiaomi Mi 11 soll dich davon abhalten ein Galaxy S21 oder ein anderes Top-Smartphone zu kaufen. Auf dem Datenblatt kann das Mi 11 mithalten, doch wie sieht es in der Praxis aus?

Xiaomi hat sich mit Smartphones zu einem unwiderstehlichen Preis-Leistungs-Verhältnis einen Namen gemacht. Das ist inzwischen nicht mehr bei allen Modellen der Fall. Das Mi 11 rangiert aber immer noch am unteren Ende der Preis-Skala der aktuellen Top-Smartphones.

Eine große Augenweide

Das Xiaomi Mi 11 ist verdammt groß: 6,81 Zoll misst das Amoled-Display in der Diagonalen. Ich erinnere mich noch an 7 Zoll große Tablets. Die hatten damals allerdings deutlich größere Ränder und passten nicht mehr in die Hosentasche. Das ist beim Mi 11 anders. In meine großen Hosentaschen passt es rein, schränkt aber meine Bewegungsfreiheit hin und wieder ein. Das Mi 11 scheint knapp über der Grenze des Möglichen zu sein. Bei anderen, nur wenig kleineren Smartphones, ist mir das nicht so negativ aufgefallen.

Schon fast ein Tablet
Schon fast ein Tablet

Trägst du dein Smartphone nicht in der Hosentasche oder hast nicht vor in die Knie zu gehen, dann kannst du dich uneingeschränkt auf ein hervorragendes Display im 20:9-Format freuen. Die Auflösung sorgt mit 3200×1440 Pixeln für ein gestochen scharfes Bild mit einer Pixeldichte von 515 ppi. Zur Erinnerung: Ab etwa 300 ppi wird es für das menschliche Auge nicht mehr schärfer.

Sonnenlicht ist kein Problem, die maximale Helligkeit von 1500 Nits sorgt für ein gut erkennbares Bild auf dem Display, das farblich angenehm ist und natürlich wirkt. Die Bildwiederholrate liegt bei bis zu 120 Hertz. Hast du sie in den Einstellungen nicht reduziert und die aktuelle App unterstützt das, kann das zu noch flüssigeren Animationen führen.

Je nach Lichteinfall ändert sich die Farbe der Rückseite.
Je nach Lichteinfall ändert sich die Farbe der Rückseite.

Die Rückseite des Mi 11 ist mir ein wenig zu glatt. Wäre sie etwas rauer, würde ich mich beim Halten des Smartphones sicherer fühlen.

Viel Power und durchschnittlicher Sound

Das Mi 11 ist eines der ersten verfügbaren Smartphones mit dem Snapdragon 888. Bei ihm handelt es sich um den leistungsstärksten Chipsatz von Qualcomm im Jahr 2021. Xiaomi stellt ihm acht Gigabyte Arbeitsspeicher an die Seite. In Zahlen halten Benchmarks wie Geekbench 5 die Leistung fest: 1124 und 3682 Punkte erreicht das Mi 11 hier im Single- und Multi-Core-Test. Zum Vergleich: Das OnePlus 8T mit dem Snapdragon 865 und 12 Gigabyte RAM schafft 883 und 3213 Punkte und ist noch weit davon entfernt ein langsames Smartphone zu sein.

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In der Praxis bedeuten diese Zahlen, dass das Mi 11 für alle denkbaren Aufgaben und Anwendungen genug Power hat. Kürzer können die Ladezeiten der Apps kaum sein. Zum Snapdragon 888 als System-on-a-Chip gehört ein 5G-Modem. Einen passenden Mobilfunkvertrag und entsprechende Netzabdeckung vorausgesetzt, steht der schnellen mobilen Datennutzung nichts im Weg.

Bei den Erweiterungsmöglichkeiten zeigt sich Xiaomi sparsam. Du kannst den 128 oder 256 Gigabyte großen Speicher nicht mit einer microSD-Karte erweitern, dafür aber SIM-Karten in das Mi 11 einlegen.

Der Akku des Xiaomi Mi 11 hat mit 4600 mAh eine große Kapazität und bringt mich problemlos über den Tag. Wird es Zeit zum Laden, ist das mit dem mitgelieferten 55-Watt-Netzteil und der Schnellladetechnologie quasi kurz nebenbei erledigt. Kabellos kann das Mi 11 übrigens mit 50 Watt geladen werden – wenn dein Ladepad das hergibt. Ein kleines Gimmick ist die Revers-Charge-Funktion. Aktivierst du sie, lädt das Mi 11 Geräte, die auf seiner Rückseite liegen, kabellos mit einer Leistung von 10 Watt auf.

Nicht immer zuverlässig: der Fingerabdrucksensor im Display.
Nicht immer zuverlässig: der Fingerabdrucksensor im Display.

Den Fingerabdrucksensor platziert Xiaomi unter dem Display des Mi 11. Sobald ich das Telefon in die Hand nehme, verrät mir ein dezent aufleuchtendes Symbol, wo ich den Finger auflegen soll. Sofern der Finger gut eingescannt ist, erfolgt die Entsperrung zuverlässig, dauert aber einen Tick länger als bei manch anderem Smartphone. Das ist kein Nachteil, kann aber stören, wenn es für dich immer schnell gehen muss. Sollte ein Finger gar nicht gehen, lohnt es sich ihn zu löschen und erneut zu scannen. Hat bei mir bei einem Daumen sehr geholfen.

Bei den Lautsprechern schreibt Xiaomi groß «Harman Kardon» auf das Mi 11. Die zwei Lautsprecher haben zwar einen schönen Stereo-Sound, bleiben aber Smartphone-Lautsprecher, die nur wenig Volumen bieten. Einen signifikant besseren Klang als bei anderen Smartphones stelle ich nicht fest. Eher beschleicht mich das Gefühl, dass der Sound ein wenig hallt. Am Ende bleibt es ein guter Smartphone-Sound und mehr solltest du trotz des Namedroppings nicht erwarten.

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Die dunkle Seite der MIUI

Auf dem Mi 11 läuft Android 11. Xiaomi versieht das Betriebssystem mit seiner eigenen Benutzeroberfläche MIUI 12. Willst du an ihr Änderungen vornehmen, musst du in die Einstellungen gehen und dort die Menüpunkte Startbildschirm oder Hintergrund aufsuchen. Ein langer Druck auf das Hintergrundbild, wie er bei vielen anderen Android-Smartphones üblich ist, reicht nicht aus.

Dark Mode in Aktion.
Dark Mode in Aktion.

Ein Dark Mode gehört so langsam zum Standard einer Smartphone-Benutzeroberfläche. Beim Mi 11 macht die Vorhersage, welchen Einfluss verschiedene Einstellungen auf die Akkulaufzeit haben, ihn sehr attraktiv. Die Bildschirmauflösung zu reduzieren soll nur 13 Minuten mehr Nutzungsdauer bringen. Der Dunkelmodus dagegen 1:17 Stunde. Dass ich ihn optisch angenehmer finde, ist dann noch die Kirsche auf der Sahne.

Gut: Hinweise auf Auswirkung auf die Akkulaufzeit.
Gut: Hinweise auf Auswirkung auf die Akkulaufzeit.

Aber nicht jede Kirsche kommt ohne Stein. Beim Mi 11 sind das zahlreiche vorinstallierte Apps und Spiele. Xiaomi dürfte dafür etwas Geld bekommen und die App-Entwickler versprechen sich mehr Nutzer*innen. Das macht den Startbildschirm unnötig voll, aber immerhin lassen sich die Apps mit wenig Aufwand deinstallieren. Der Ärger über sie und ihr Speicherplatzverbrauch sind also nicht dauerhaft.

Schlecht: Viele vorinstallierte Apps.
Schlecht: Viele vorinstallierte Apps.

Kamera-Nachtmodus für alle

Das Xiaomi Mi 11 hat drei Kameras auf der Rückseite und eine vorne in einem Loch im Display. Die Hauptkamera verfügt über einen 108-Megapixel-Sensor, wobei die Aufnahmen standardmäßig auf 27 Megapixel runtergerechnet werden. Die Idee hinter diesem «Pixel Binning» baut darauf, dass sich durch das Zusammenfügen von vier nebeneinander liegenden Pixeln die Bildqualität erhöht.

Drei Kameralinsen auf der Rückseite.
Drei Kameralinsen auf der Rückseite.

Bei der Farbwiedergabe und der Detailgenauigkeit bin ich sehr zufrieden. Das bekommt die Hauptkamera des Mi 11 sehr gut hin. Selbst starke Kontraste stellen die Automatik und HDR-Funktion vor keine Probleme.

Hauptkamera
Hauptkamera
Weitwinkelkamera
Weitwinkelkamera

Mit einer kleinen Einschränkung gilt das auch für die Weitwinkelkamera mit einem Blickwinkel von 123 Grad und einem 13-Megapixel-Sensor. Hier kommt allerdings etwas mehr Rot mit ins Bild, was die Farben leicht verändert. Die Hauptkamera liegt meiner Meinung nach näher an der Realität.

Die Dritte Kamera im Bunde hat nur eine Auflösung von 5 Megapixeln und ist dafür zuständig Motive näher heranzuholen. Zum Teil nutzt das Mi 11 auch die hohe Auflösung der Hauptkamera, um in dieser digital ohne Qualitätsverlust zu zoomen. In der Praxis bietet dir die Kamera-App eine 2-fache Vergrößerung als schnelle Option an. Bei dieser treten noch keine Qualitätseinbußen auf. Manuell kannst du noch weiter zoomen. Bis etwa zu einer 10-fachen Vergrößerung bleibt die Bildqualität ordentlich. Danach nimmt sie stark ab und bei der maximal möglichen 30-fachen Vergrößerung ist das Ergebnis nicht mehr schön anzusehen.

Standard
Standard
10x
10x
30x
30x

Wird es dunkel, machen sich die Qualitätsunterschiede der drei Kameras noch stärker bemerkbar. Das liegt nicht nur an ihren unterschiedlichen großen Blendenöffnungen – Hauptkamera f/1.85, die anderen beiden f/2.4 – sondern auch an der Software. Das wird deutlich, wenn ich in den Nachtmodus wechsle, der für zwei der Kameras zur Verfügung steht. Durch die hohe Auflösung der Hauptkamera ist auch Nachts noch ein bis zu zehnfacher Zoom möglich. Die hier abgebildete zweifache Vergrößerung liegt auch ohne Nachtmodus qualitativ nah bei der Hauptkamera, die Weitwinkelaufnahme gewinnt dagegen deutlich an Qualität.

Nachtmodus: Hauptkamera
Nachtmodus: Hauptkamera
Nachtmodus: Weitwinkelkamera
Nachtmodus: Weitwinkelkamera

Bei der Frontkamera ist mir der inzwischen ungewöhnlich gewordene Unterschied zwischen aktiven und inaktiven HDR-Modus aufgefallen. Ohne ihn wirkt das Selfie trist und der Himmel ist überbelichtet. Der HDR-Modus sorgt dagegen für kräftige Farben und einen blauen Himmel mit ein paar Wolken. Die Detailgenauigkeit des 20-Megapixel-Sensors ist sehr hoch und auch bei Dunkelheit sehen die Selfies trotz eines Qualitätsverlusts immer noch ordentlich aus.

ohne HDR
ohne HDR
mit HDR
mit HDR

Ganz vorne dabei, aber doch nur in der zweiten Reihe

Das Xiaomi Mi 11 konkurriert locker mit anderen Top-Smartphones wie dem Galaxy S21 oder Oppo Find X3 Pro. Seine Hardware und das Display sind hervorragend – mit der Einschränkung beim etwas langsameren Fingerabdrucksensor, die auf Dauer sehr stören kann. Die Kameras liefern sehr gute Fotos. Am Ende sorgt allerdings die Benutzeroberfläche dafür, dass andere Top-Smartphones wie das OnePlus 9 Pro bei mir noch etwas weiter vorne landen.

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Jan Johannsen
Jan Johannsen
Content Development Editor, Hamburg
Als Grundschüler saß ich noch mit vielen Mitschülern bei einem Freund im Wohnzimmer, um auf der Super NES zu spielen. Inzwischen bekomme ich die neueste Technik direkt in die Hände und teste sie für euch. In den letzten Jahren bei Curved, Computer Bild und Netzwelt, nun bei Galaxus.de.

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