Wiederverwendbare Abschminkpads im Test

Wiederverwendbare Abschminkpads im Test

Natalie Hemengül
Zürich, am 01.06.2021
Abschminken, ohne dabei Abfall zu produzieren? Wiederverwendbare Pads sollen's möglich machen. Ich habe fünf Watte-Alternativen getestet. Fazit: Jede hat ihre Tücken.

Erst kürzlich sorgte die Marke Anastasia Beverly Hills mit der Lancierung ihrer Einweg-Abschminktücher für einen Shitstorm. Umweltfeindlich und somit alles andere als zeitgemäss, so das Urteil der Beauty-Community. Davon abgesehen sind gebrauchsfertige Tücher ein Graus für deine Haut. Wattepads – meine persönlichen Favoriten – sind zwar sanfter, aber auch sie wandern nach einmaligem Gebrauch in den Müll.

Mittlerweile kommen immer mehr wiederverwendbare Produkte auf den Markt, die als nachhaltige Alternativen gelten. Ich habe mir fünf Modelle ausgesucht, die sich in Form und Material unterscheiden, um sie zu testen. Damit sich die Ergebnisse vergleichen lassen, schminke ich mich für jeden Test mit denselben, hartnäckig zu entfernenden Produkten: ein roter Liquid Lipstick, eine deckende Foundation, gewöhnliche Mascara und ein gut haftender Flüssig-Eyeliner. Anschliessend wasche ich die Pads von Hand aus und werfe sie bei 60 Grad Celsius in die Waschmaschine, um zu sehen, inwiefern sie sich durch den Waschvorgang verändern.

«Ökologische Abschminkpads» von Lamazuna

In der minimalistischen Kartonverpackung von Lamazuna stecken zehn Pads aus einem Polyester-Polyamid-Gemisch, die laut Hersteller für empfindliche Haut geeignet sind und sich mehr als 300-mal wiederverwenden lassen. Sie darf ich gemäss Anleitung bei 40 bis 90 Grad Celsius in der Maschine oder von Hand waschen.

In der Anwendung:
Bekämen eine Mausmatte und ein Brillenputztuch gemeinsam ein Baby, dann dürfte Lamazunas Abschminkpad dabei herauskommen. Das dicht gewobene Stück Stoff scheint zweilagig zu sein und besitzt eine besonders glatte, hautschonende Oberfläche, die kaum Reibung erzeugt. Leider ist das Pad sehr dünn und lässt sich nur schwer übers Gesicht manövrieren. Das Material hat zudem eine feuchtigkeitsabweisende Eigenschaft. Zumindest kurzzeitig, denn: Halte ich es unters Wasser, fliesst es zunächst ab, bevor der Stoff die Feuchtigkeit aufsaugt. Das ist verschwenderisch, besonders, wenn ich es mit meinem Mizellenwasser verwenden will.

In der Mitte das unbenutzte Pad, rechts das gewaschene.
In der Mitte das unbenutzte Pad, rechts das gewaschene.

Laut Hersteller lassen sich die Pads auch ohne eine Reinigungslotion verwenden, jedoch scheitert mein Versuch mit Wasser. Mithilfe meines Mizellenwassers bekomme ich mein Augenmake-up schneller und gründlicher weg. Dazu wickle ich das Pad um meinen Zeigefinger. Lippenstift und Foundation bleiben hingegen trotz Abschminkmittel grösstenteils verschont. Zudem scheint meine Foundation die Stoffoberfläche zu verkleben. Dadurch werden bereits verwendeten Stellen unbrauchbar. Selbst eine Handwäsche ändert daran nichts. Die Waschmaschine gehört also nach jeder Anwendung zum Pflichtprogramm.

Nach einem 60°-Waschgang:
Das Pad ist nur minimal eingegangen und die Oberfläche fühlt sich unverändert an. Die Ränder sind hingegen leicht ausgefranst und die Flecken vom hartnäckigen Lippenstift auf der weissen Seite noch ansatzweise erkennbar. Die rote Seite hätte die Flecken besser kaschiert.

«Baumwoll-Kosmetik-Pads» von Fair Squared

Die Baumwoll-Pads der Marke Fair Squared werden CO₂ neutral hergestellt und bestehen aus Fairtrade-zertifizierter Bio-Baumwolle. Pro Verpackungseinheit befinden sich sieben Rondellen in einem kleinen, stoffigen Aufbewahrungsbeutel. Sie lassen sich bei 60 Grad Celsius in der Maschine waschen.

In der Anwendung:
Die einlagigen Rondellen sind im Vergleich zu Mikrofasern rau. Eine der beiden Seiten mehr als die andere. Ist das Pad angefeuchtet, erinnert es mich an die semitransparente Haut, die sich auf erhitzter Milch bildet. Ich verwende das Pad zusammen mit meinem Mizellenwasser. Lippenstift, Mascara und Liner verabschieden sich mit wenigen Handbewegungen. Nur die Foundation will nicht ab, egal mit welcher Seite ich arbeite. Meine Haut fühlt sich wund und gereizt an.

In der Mitte das unbenutzte Pad, rechts das gewaschene.
In der Mitte das unbenutzte Pad, rechts das gewaschene.

Ein sauberes Gefühl habe ich nach der Anwendung nicht. Für meinen Geschmack sind die Pads zu kratzig und zu dünn. Sogar dünner, als das Modell von Lamazuna. Das Abschminken fühlt sich so an, als müsste ich mit einem Teelöffel eine Suppe essen. Ich komme kaum vom Fleck. Zum Schluss wasche ich die Pads von Hand mit Seife aus. Eine richtige Herausforderung, weil die Dinger so substanzlos sind, dass sie in meinen Händen in sich zusammenfallen.

Nach einem 60°-Waschgang:
Die Reinigungsplätzchen fühlen sich deutlich rauer an als vor dem Waschen. Zudem haben sie sich in eine ovale Form verzogen. Sie scheinen aber zu meinem Erstaunen insgesamt nicht eingegangen zu sein. Auch von Flecken keine Spur.

«LastRound» von LastObject

Die Watte-Alternative von LastObject besteht aus Holzfasern und Baumwolle, ist kompostierbar und kommt pro Verkaufseinheit mit sieben Pads daher, sowie einem Rondellenspender, der aus gesammeltem Meerplastik hergestellt wird. LastObject empfiehlt, die Rondellen nach jeder Anwendung von Hand auszuwaschen und nur gelegentlich in die Maschine zu werfen. Ein Pack soll bis zu 1000 Anwendungen standhalten.

In der Anwendung:
Die LastRound-Pads sehen den herkömmlichen Wattepads nicht nur ähnlich, sie fühlen sich im nassen Zustand auch gleich an. Kommen die harten Rondellen mit Feuchtigkeit in Kontakt, weichen sie sofort auf und sind kaum noch von gewöhnlichen Wattepads zu unterscheiden. Zudem entfernen sie mein gesamtes Make-up einwandfrei mit Mizellenwasser, wobei ich die «karierte», etwas rauere Seite wegen des peelenden Effekts der gerillten vorziehe. Durch die Handwäsche kann ich fast alle Make-up-Spuren beseitigen und die Pads so am Tag darauf ohne Zwischenstopp in der Waschmaschine wiederverwenden. Weil sie aber verhältnismässig klein sind, benötige ich für mein ganzes Gesicht mindestens drei Rondellen.

In der Mitte das unbenutzte Pad, rechts die gewaschenen.
In der Mitte das unbenutzte Pad, rechts die gewaschenen.

Skeptisch bin ich noch beim Spender, denn die Pads sind im trockenen Zustand starr, unbeweglich und lassen sich nur schwer aus der schmalen Öffnung herausziehen. Meiner Meinung nach bräuchte es den gar nicht.

Nach einem 60°-Waschgang:
Nach einem Waschgang sind die ohnehin kleinen Rondellen sichtlich eingegangen und vom Gefühl her rauer. Nur etwas Rot vom Lippenstift bleibt zurück.

«Abschmink- und Waschpads» von Waschies

Waschies' Abschminkpads sehen aus wie kleine Schwämme aus Plüschtierfell und bestehen hauptsächlich aus Polyester und etwas Viskose. Mit sieben handgrossen Pads ist das Set grosszügig ausgestattet. Die Waschies funktionieren laut Hersteller mit Wasser und lassen sich bei bis zu 95 Grad Celsius in der Maschine waschen.

In der Anwendung:
Das Abschminken mit den Waschies fühlt sich so an, als würde ich mit einem fusselnden Teddy schmusen. Bei genauer Betrachtung sehe ich einzelne glänzende, fast durchsichtig scheinende Fasern, die sich leicht herauslösen und ins Abwasser gelangen. Auch in meinen Wimpern, Brauen und an meinen Lippen bleiben sie hängen.

Oben das unbenutzte Pad, unten das gewaschene.
Oben das unbenutzte Pad, unten das gewaschene.

Mit Wasser alleine entfernen die Waschies meine Foundation und meinen Lippenstift nur halbbatzig. Mascara und Liner hingegen lassen sich ohne Schmiererei abmachen. Auch hier ist das Mizellenwasser ein Hilfsmittel, auf das ich nicht verzichten kann. Die Grösse der Waschies ist definitiv ein Vorteil, da sie den Abschminkprozess verkürzt. Das entfernte Make-up lässt sich jedoch von Hand kaum rauswaschen. An einer Schlaufe kann ich sie zum Trocknen aufhängen.

Nach einem 60°-Waschgang:
Mein Waschie ist nach einer Wäsche nicht eingegangen und fühlt sich gleich an. Zurück bleiben nur klitzekleine Make-up-Spuren.

«Eco Pads» von Garnier

Garniers Mikrofaserrondellen bestehen zu 100 Prozent aus Polyester und sind in Dreiereinheiten erhältlich. Laut Hersteller lassen sich die Pads bis zu 1000 Mal verwenden respektive waschen, bevor sie in den Müll wandern. Laut Instruktionen soll ich die Rondellen mit einem Mizellenwasser verwenden und einmal wöchentlich bei 30 Grad Celsius in die Waschmaschine geben.

In der Anwendung:
Die weichen Mikrofaserrondellen sind etwa doppelt so gross wie Wattepads und zweilagig, wobei die Lagen lediglich am Rand entlang miteinander vernäht sind. Dadurch schieben sich die Lagen während der Anwendung immer mal übereinander, was nervig ist. Anders als die ebenfalls synthetischen Waschies fusseln Garniers Rondellen aber nicht. Zumindest nicht sichtbar. Mikroplastik dürfte dennoch auch hier ein Problem sein.

In der Mitte das unbenutzte Pad, rechts das gewaschene.
In der Mitte das unbenutzte Pad, rechts das gewaschene.

Im Vergleich zu allen anderen Produkten in diesem Test, lässt sich mein Lippenstift mithilfe des Mizellenwassers besonders einfach und gründlich entfernen. Ebenso mein Augenmake-up und meine Foundation. Nach einer kurzen Handwäsche ist mein Pad nahezu fleckenfrei.

Nach einem 60°-Waschgang:
Garnier empfiehlt einen wöchentlichen Maschinenwaschgang bei 30 Grad Celsius. Da ich die Pads aber mit meinen Handtüchern waschen möchte, gebe ich sie zusammen mit den anderen Pads bei 60 Grad in die Maschine. Trotz höherer Temperatur gehen die Rondellen nur minimal ein und fühlen sich praktisch genauso flauschig an, wie vor dem Waschen. Von Flecken ist kaum was zu sehen.

Fazit

Die perfekte Alternative gibt's nicht. Zumindest habe ich sie im Rahmen dieses Tests nicht gefunden. Dennoch hat mich das eine oder andere Modell überzeugt. Beginnen wir von hinten. Auf dem letzten Platz landen für mich die Waschies. Das Design ist zwar praktisch, aber die Fusseln sowie die zwingende Wäsche nach jeder Anwendung sind alles andere als appetitlich. Auf dem vierten Platz: Lamazuna. Die pink-weissen Pads sind unpraktisch und trotz synthetischer Fasern null effektiv. Platz drei belegt Fair Squared. Zwar genauso unpraktisch wie Lamazuna, aber immerhin aus einem natürlichen Material, das kein Mikroplastik abgibt und durch die raue Oberfläche zumindest einen Teil meines Make-ups entfernt.

Zweitplatzierter ist Garnier. Die weichen Rondellen entfernen jegliches Make-up mühelos, lassen sich leicht auswaschen und bleiben selbst bei hohen Waschtemperaturen ihrer Grösse und Beschaffenheit treu. Der bestmögliche Ersatz für die Wattepads sind in meinen Augen die Produkte von LastObject. Sie sind laut Hersteller gleich oft verwendbar wie die von Garnier, landen aber nach ihrem Ableben nicht im Müll, sondern auf dem Kompost. Ausserdem schlucken sie weniger Feuchtigkeit, weshalb sie sich nicht nur zum Abschminken eignen, sondern auch für das Auftragen eines Toners. Egal, für welches Modell du dich entscheidest: Ich empfehle dir, es mit einem Mizellenwasser oder einer Reinigungslotion deiner Wahl zu kombinieren. So holst du das Maximum aus deinem Pad und überreizt deine Haut nicht mit zu viel Reibung.

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Natalie Hemengül
Natalie Hemengül

Editor, Zürich

Als Disney-Fan trage ich nonstop die rosarote Brille, verehre Serien aus den 90ern und zähle Meerjungfrauen zu meiner Religion. Wenn ich mal nicht gerade im Glitzerregen tanze, findet man mich auf Pyjama-Partys oder an meinem Schminktisch. PS: Mit Speck fängt man nicht nur Mäuse, sondern auch mich.

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