

Was tun gegen die Midlife-Crisis? Ab in den Wald!
Zusammen mit zwei Kumpels habe ich eine Nacht in einer selbstgebauten Hütte übernachtet. Weshalb ich dieses Erlebnis gerade in unserer hektischen und schnelllebigen Zeit allen ans Herz lege.
Survival ist gerade in, nicht erst seit der ersten Staffel «7 vs. Wild» in der Schweiz. Unsere Motivation, eine Hütte im Wald zu bauen, war aber eine andere: back to the Roots – zurück zu den Wurzeln. So könnte man den Ausflug beschreiben, den ich Ende Februar mit ein paar Freunden im Wald unternahm. Einfach mal wieder raus in die Natur, raus aus dem Hamsterrad. Weg vom PC, weg von digitaler Ablenkung und Berieselung.
Unser Ziel: ein kleines Waldstück in der Nähe des Bodensees. Unsere Mission: eine Hütte bauen und die Nacht darin verbringen. Tönt vergleichsweise unspektakulär. Und genau das war es, wonach wir suchten. Das Unspektakuläre, das Einfache, die Entschleunigung. Sehnsucht nach Ruhe.
Schon nach wenigen Minuten hatten wir einen geeigneten Ort für unseren Unterschlupf gefunden: Zwei Baumstämme im Abstand von rund sechs Metern dienten uns als Hauptpfeiler. Zwar hatten wir Axt und Säge dabei, um die Hölzer bei Bedarf zuzuschneiden. Jungbäume haben wir aber keine gefällt. So weit bewegten wir uns also im legalen Rahmen.

Streng genommen hätten wir den Waldbesitzer – in unserem Fall eine hier nicht genauer genannte Gemeinde – um Erlaubnis fragen müssen. Wir verzichteten auf den Behördengang im Wissen, dass ein in Zukunft erzürnter Förster unsere Baute wieder dem Erdboden gleich machen könnte.

Sei’s drum: Schnell hatten wir die Grundkonstruktion erstellt, wobei wir die grossen Querbalken mit einer einfachen Packschnur an den Baumstämmen fixierten. Für das Dach verwendeten wir – ja, ich gebe es zu – frische Tannenzweige. Da wir wussten, dass es trocken bleiben würde, begnügten wir uns mit einer relativ dünnen Schicht. Auch den Boden im Inneren der Hütte belegten wir mit Tannenzweigen. Es sollte schliesslich möglichst weich und gemütlich werden.

Ja, richtiges Survival geht anders
Die Nacht konnte kommen. Weil wir wussten, dass diese zwar trocken, aber Ende Februar empfindlich frisch werden dürfte, legten wir einen grossen Vorrat an Brennholz an. Genau in der Mitte der Hütte bauten wir eine grosse, längliche Feuerstelle – sodass der Rauch über die Öffnung im Dach abziehen konnte.

Während es draussen dunkel und deutlich kühler wurde, machten wir es uns im Inneren gemütlich. Über dem Feuer bereiteten wir uns eine Minestrone als Vorspeise zu. Als Hauptgang gab es Kartoffelstock und Rindersteaks.

Das tönt jetzt nicht wahnsinnig nach Survival-Modus. Doch uns war nicht danach zumute, im Wald nach essbaren Kräutern zu suchen – geschweige denn Kleingetier zu vertilgen oder aus einem mit Kolibakterien verseuchten Bach zu trinken.
Aufwachen zum Klang der Vögel
Dank Isomatten und Militärschlafsack hatten wir es in der Hütte gemütlich und warm. Im Schein des Feuers und der Kerzen und zum Knistern des brennenden Holzes schliefen wir schliesslich müde und satt ein.


Irgendwann nach Mitternacht wachte ich auf. Ich fröstelte. Kein Wunder: Das Feuer brannte nicht mehr. Nur die Kerzen und die Glut in der Feuerstelle sorgten für etwas Licht. Schlaftrunken schälte ich mich aus dem Schlafsack und zog die bereitgelegten Hölzer ins Innere der Hütte. Nach wenigen Minuten loderte das Feuer wieder und die Wärme breitete sich wohlig aus. Die Wände aus Tannenzweigen isolierten erstaunlich gut.
Als ich das nächste Mal aufwachte, dämmerte es draussen schon. Das Feuer brannte immer noch. Respektive wieder. Offenbar war einer der Kumpels nach mir ebenfalls aufgewacht und hatte seinerseits dafür gesorgt, das Feuer am Leben zu erhalten.
Während meine Freunde noch schliefen und es draussen immer heller wurde, lag ich einfach nur da und lauschte den Klängen der Vögel. So müssen sich die Menschen vor Hunderten von Jahren gefühlt haben, als es noch keinen Verkehrslärm oder dergleichen gab.
Langsam, sehr langsam – die Glieder waren etwas steif und wir auch nicht mehr die Jüngsten – stand ich auf und bereitete eine erste Kanne Kaffee zu, ehe ich meine Kumpels weckte. Wir alle stellten erfreut fest, dass wir trotz zwischenzeitlicher Kälte sehr gut geschlafen hatten.

Wir rollten die Schlafsäcke und Matten zusammen und verstauten die Ausrüstung in unseren Rucksäcken. Kurz überlegten wir uns, ob wir die Hütte im Wissen um ihre fehlende rechtliche Grundlage wieder abreissen sollten. Wir brachten es nicht übers Herz. Vielleicht macht sie ja jemandem anderen noch Freude.

Wir waren uns alle einig: Das war nicht das letzte Mal, dass wir im Wald übernachtet haben. Doch so schön die Natur und das Einfache auch waren, auf die warme Dusche freuten wir uns ungemein. Und sie war dringend nötig. Obwohl wir nur knapp 24 Stunden im Wald verbracht hatten, sahen wir aus, als hätten wir gerade eine ganze Survival-Woche hinter uns. Und rochen auch so. Einen Tag nach unserem Abenteuer sagte meine Frau zu mir: «Du stinkst immer noch nach Rauch.»

Zweifachpapi, nein drittes Kind in der Familie, Pilzsammler und Fischer, Hardcore-Public-Viewer und Halb-Däne. Was mich interessiert: Das Leben - und zwar das reale, nicht das "Heile-Welt"-Hochglanz-Leben.
Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.
Alle anzeigen















