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Und plötzlich ist Sporty Spice mein Stilvorbild

Laura Scholz
01.06.2022

Was passiert, wenn die Spice Girls auf Lockdown und High Fashion treffen? Ein Look, der sich Athleisure Wear nennt. Auf einmal sind Trainerhosen akzeptabler Jeans-Ersatz – und ich sehe aus wie damals Sporty Spice.

Vor Kurzem schrieb ich einen Artikel über meine wieder entfachte Liebe zur Plateausohle. Da durften die Spice Girls als Inspirationsquelle natürlich nicht fehlen. Und während ich mich so durch unzählige Bilder der besten Girlband der 90er-Jahre (oder sollte ich sagen ever) klickte, beschlich mich neben zuckersüsser Nostalgie eine Erkenntnis: Ich bin Sporty Spice. Um direkt einem Missverständnis vorzubeugen: Weder habe ich ein in Stein gemeisseltes Sixpack noch bewege ich mich Flick Flack schlagend durch die Welt. Nein, meine Feststellung beruht tragischerweise allein auf modischen Parallelen. Während sich Scary, Baby, Posh und Ginger Spice am liebsten in kurze Fummel, Push-up BHs und besagte Plateauschuhe zwängten, trug Melanie C aka Sporty Spice schon immer Trainingshosen – mit Vorliebe für Adidas oder Kappa – dazu Tank oder Crop Tops und Dad Sneaker. Damals fand ich das ganz schön langweilig und die knappen, bunten Looks der anderen vier Girls weitaus aufregender.

Sporty Spice ganz rechts.
Sporty Spice ganz rechts.
Bild: Instagram @spicegirls
Würde ich so 1 zu 1 anziehen.
Würde ich so 1 zu 1 anziehen.
Bild: Instagram @sportysspice

Schnitt, gute 25 Jahre später: Ich sitze hier und schreibe diesen Text. In einer Trainingshose von Adidas und einem bedruckten T-Shirt. Im Flur warten diverse Paar Dad Sneaker auf ihren Einsatz. Wie konnte das passieren?

Wer braucht schon richtige Hosen?

Schuld ist einerseits vermutlich der Lockdown. Wie bei den meisten anderen gab es auch bei mir Anfang der Pandemie kaum Gründe für «richtige Hosen». Also blieben meine Jeans immer öfter im Schrank, das stetig wachsende Trainingshosen-Repertoire dagegen kaum einen Tag unangetastet. Inzwischen sind sämtliche Covid-Massnahmen wieder aus unserem Alltag verschwunden. Und mit ihnen mein Pflichtgefühl «vernünftigen Outfits» gegenüber. Wieso zwickend und kneifend Scary, Baby, Posh oder Ginger nacheifern, wenn es sich als Sporty Spice doch so unglaublich bequem und lässig lebt?

Meine stetig wachsende Trainerhosen-Sammlung.
Meine stetig wachsende Trainerhosen-Sammlung.

Lass mich an dieser Stelle zum Andererseits kommen: Athleisure Wear (eine Symbiose aus den Begriffen «Athletic», also sportlich, und «Leisure Wear», Freizeitkleidung) hat nicht nur in meiner Welt plötzlich einen bedeutenden Platz gefunden. Wer in der Modebranche etwas auf sich hält, hat in den letzten Jahren mindestens Sweatshirts, Jogging- und Trainingshosen produziert. Dazu am besten noch sporty Accessoires wie Caps und Socken. In der Schweiz machen das zum Beispiel Lola Studio, Lamarel und Nologo Studio besonders schön. International schicken sogar High-Fashion-Brands wie Louis Vuitton und Y/Project Lässiges über ihre Laufstege.

Louis Vuitton Frühjahr/Sommer '22
Louis Vuitton Frühjahr/Sommer '22
Bild: Imaxtree
Y/Project Frühjahr/Sommer '22
Y/Project Frühjahr/Sommer '22
Bild: Imaxtree

Logisch also, dass ich auch lange post-Lockdown absolut keinen Grund mehr sehe, mich von meinem neuen Alter Ego zu verabschieden. Sporty Spice hat es eben schon in den 90ern gewusst: Athleisure ist das Nonplusultra. Und sollte mir doch mal nach ein wenig mehr Posh zumute sein, erledigen ein Blazer (am liebsten aus Leder), ein schmaler geschnittenes Top und Goldschmuck den Job. Ja, so easy ist das. Danke, Sporty!

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Immer zu haben für gute Hits, noch bessere Trips und klirrende Drinks.


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